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Damit Deutschland nicht zur „Energielandschaft“ wird, muss Ökostrom weniger Fläche verbrauchen

Energiewende
Städte sind am Zug

Ausladend: Windenergieparks wie „Odervorland“ in Brandenburg haben einen immensen Flächenverbrauch.
Ausladend: Windenergieparks wie „Odervorland“ in Brandenburg haben einen immensen Flächenverbrauch. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Igor Steinle / 14.02.2019, 06:30 Uhr
Berlin (MOZ) Es ist ein Dilemma, in dem sich Umweltschützer oft wiederfinden: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist unerlässlich für Klima- und Naturschutz. Geht es jedoch an die praktische Umsetzung der Energiewende etwa in Form von Windrädern, regt sich oft erbitterter Widerstand – und zwar von Umweltschützern. Der hohe Flächenverbrauch der Anlagen sowie Gefahren für Landschaft und Tieren treibt sie auf die Barrikaden.

„Die Energiewende ist Lösung und Problem zugleich“, sagt Beate Jessel. Jessel ist die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), als oberste Naturschützerin Deutschlands steckt sie mitten drin in der Zwickmühle: „Der Ausbau erneuerbarer Energien ist für die Erhaltung von Lebensräumen von zentraler Bedeutung.“

Um aus dieser Zwickmühle herauszufinden, hat das BfN mehrere Forschungsprojekte gestartet, die erkunden sollen, wie sich Natur- und Klimaschutz besser miteinander verbinden lassen. Am Mittwoch wurden die Ergebnisse vorgestellt. Oberste Erkenntnis: Der Ausbau von Windrädern und Solaranlagen muss künftig mehr Rücksicht auf den Schutz von  Tieren, Pflanzen und Landschaften nehmen.

Der Ausbau der Erneuerbaren darf nach Ansicht des BfN deswegen vor allem nicht mehr so viel Fläche in Anspruch nehmen wie heute. Das bedeutet vor allem Konsequenzen für die Städte – diese seien nun am Zug. Dachflächen etwa  müssten viel stärker für Photovoltaik-Anlagen genutzt werden. Als gutes Beispiel gehe Tübingen voran, wo Solaranlagen bei Neubauten bereits verpflichtend seien. „Solche Modelle muss man ausbauen“, sagt Jessel. Ansonsten droht Deutschland zur „Energielandschaft“ zu werden.

So haben erneuerbare Energien heute einen Anteil von 30 Prozent am Strommix. Gleichzeitig sind bereits elf Prozent der Fläche Deutschlands von Energiewirtschaft geprägt. Bis 2050 soll der Anteil der Erneuerbaren auf 80 Prozent steigen. Der Flächenverbrauch muss deswegen zwar nicht zwangsläufig explodieren, viele der Anlagen werden effizienter arbeiten als heute. Trotzdem sieht die Behörde für Biomasse, die aufgrund des ausufernden Anbaus von Energiepflanzen wie Mais vielerorts das Bild prägt, keine Zukunft.

Um Fläche zu sparen, führe zudem auch kein Weg daran vorbei, weniger Strom zu verbrauchen. Prognosen jedoch gehen von einem zukünftig weit höheren Stromverbrauch aus.

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