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Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach informierte sich im ABE über Betriebsnachfolge

Kabinett vor Ort
Generationswechsel zum Abgucken

Daniela Windolff / 14.02.2019, 06:45 Uhr
Angermünde (MOZ) Wie ein kleines  Unternehmen ein großes Problem vieler Brandenburger Betriebe löste, das schaute sich Wirtschaftsminister Jörg Steinbach mit eigenen Augen an. Im ABE-Markt informierte er sich, wie hier der Generationenwechsel gelang.

3500 Betriebe stehen derzeit vor der selben schwierigen Frage: Wer übernimmt die Nachfolge, wenn der alte Chef in den Ruhestand geht? Diese Frage treibt auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach um, der immer wieder bei seinen Reisen durchs Land davon erfährt, dass viele vor allem kleine Unternehmen aufgeben müssen, weil sie keinen Nachfolger finden. Diese Frage brachte er nun auch mit zur jüngsten Kabinettssitzung, für die die Politiker mal den Potsdamer Landtag verließen und in die Uckermark kamen, um vor Ort Probleme zu erfahren. Und auch Lösungen kennenzulernen.

Denn im Angermünder ABE-Bau-, Garten- und Brennstoffmarkt ist der Generationenwechsel vor zwei Jahren beispielhaft gelungen. Wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, wie die neuen Geschäftsführer Daniel Schulz und Willi Kays dem Minister erzählen. Als die Frage der Nachfolge aktuell wurde, schlugen die beiden ABE-Mitarbeiter ihrem Chef Wolfgang Sassenhagen vor, es selbst mit neuem Konzept zu probieren. „Wir wollten nicht, dass vielleicht ein fremder Investor den Markt aufkauft und mit der Axt im Wald hier durchläuft. Schließlich hängen 24 Mitarbeiter mit ihren Familien dran“, sagt Willi Kays. Der frühere Geschäftsführer Sassenhagen antwortete nur: „Wenn ihr es allein mit der Finanzierung hinbekommt, könnt ihr es machen.“

Daniel Schulz, der seit 17 Jahren im ABE arbeitet und Willi Kays, der nach dem BWL-Studium wieder in seine Heimatstadt Angermünde zurückkehren wollte, haben es hinbekommen. „Es war am Anfang ziemlich schwer, weil wir noch keine Kontakte zu Fördergebern und Banken hatten und nicht wussten, wer helfen kann“, berichtet Willi Kays. Das sei eines der größten Probleme für Nachfolger und Neueinsteiger, bestätigt Silvio Moritz, Geschäftsführer vom Investor Center Uckermark ICU, das genau diese Unterstützung in Sachen Finanzierungskonzepten, Fördermöglichkeiten und Netzwerke bei Betriebsübergängen anbietet. Doch die ABE-Nachfolger hatten zwar im Internet recherchiert, sind jedoch nicht auf das ICU gestoßen, umgekehrt wusste das ICU nichts vom Generationenwechsel im ABE.

„Viele kleine und Kleinstunternehmen scheuen sich, die Nachfolgersuche öffentlich zu machen, weil sie nachteilige Reaktionen von Lieferanten, Kunden oder Konkurrenz fürchten. Beratung ist Vertrauenssache und muss daher auch individuell und persönlich sein“, sagt Silvio Moritz. Inzwischen haben sich die Partner gefunden und dazugelernt. Auch der Minister, der dieses Thema mit nach Potsdam nimmt. Bessere, übersichtlichere Beratungsangebote im Förder- und Finanzierungsdschungel sei eine Voraussetzung für unkomplizierte Betriebsübergänge.

Der Fachkräftemangel ein weiteres. Deshalb bildet ABE auch selbst aus. Dass ein junger Mann wie Willi Kays nach dem Studium wieder in die Provinz zurückkehrt, machte Jörg Steinbach allerdings neugierig, der viele leergefegte Orte in Brandenburg kennengelernt hat. „Angermünde ist für mich Heimat. Berlin ist mir zu rastlos und anonym, in Angermünde kennt man sich, hat Seen vor der Haustür und ist trotzdem in einer Stunde in Berlin, ab 2026 sogar im Halbstundentakt.“

Für Bürgermeister Frederik Bewer ist das ein Beispiel mehr, warum er sich intensiver um Rückkehrer kümmern will. „Ich finde es gut, wenn junge Leute nach der Schule erst mal weggehen und neue Horizonte kennenlernen. Sie wieder zurückzuholen, darauf muss stärker der Fokus gelegt werden, weil sie neben guter Ausbildung auch neue Einflüsse  von außen in die Stadt einbringen“, so Bewer.

Und wie schafft es ABE; sich gegen Baumarkt-Riesen wie OBI oder Thom zu behaupten? Kundennähe, Vertrauen, persönliche Beratung und Service, zählt Daniel Schulz auf. Aber auch die regionale Identität vieler Firmen- und Privatkunden wachse. Man kennt sich, unterstützt sich und kauft beim Händler vor Ort.

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