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Deutscher Kraftfahrer wollte Bußgeld nicht in der Landeswährung bezahlen / Jetzt droht ihm ein Prozess wegen Bestechung der Polizei

Bußgeld
Jede Menge Ärger wegen 50 Euro in Polen

50 Euro statt 200 Zloty Bußgeld: Damit handelte sich ein Deutscher in Polen ein Strafverfahren ein.
50 Euro statt 200 Zloty Bußgeld: Damit handelte sich ein Deutscher in Polen ein Strafverfahren ein. © Foto: Dietrich Schröder
Dietrich Schröder / 14.02.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 14.02.2019, 07:48
Küstrin/Gorzow (MOZ) Die Landstraße zwischen Gorzow und dem Grenzort Küstrin ist ein beliebter Ort für Polizeikontrollen. Denn die fast schnurgerade Strecke lädt einerseits zum Rasen ein, führt aber durch zahlreiche polnische Dörfer.

Und so war der 47-jährige deutsche Mercedesfahrer am vergangenen Sonnabend auch nicht der einizige, der in dem Ort Motylewo von Polizisten angehalten wurde. „Er war mit 84 statt der erlaubten 50 km/h durch den Ort gefahren. Dafür sollte der Mann ein Bußgeld von 200 Zloty bezahlen“, berichtet der Gorzower Polizeisprecher Grzegorz Jaroszewicz. Nach derzeitigem Wechselkurs sind das 46,30 Euro.

Doch der Deutsche schien es eilig zu haben und die Sache nicht ganz ernst zu nehmen. „Er zückte einen 50-Euro-Schein und wollte ihn unseren Leuten geben“, schildert Jaroszewicz. Die Annahme von Euro ist den polnischen Beamten aber nicht erlaubt. „Der Mann hätte mit seiner Kreditkarte zahlen können, unsere Leute sind mit einem Kassiergerät ausgestattet. Oder er hätte das Geld in einer Wechselstube tauschen können. Doch trotz mehrfacher Aufforderung lehnte er dies ab.“

Nach einigem Hin und Her nahmen die Beamten den Deutschen fest, legten ihm Handschellen an und nahmen ihn mit aufs Revier in Gorzow. „Stunden später wurde er informiert, dass eine Anzeige wegen Bestechung gegen ihn gestellt wurde und jetzt ein Verfahren gegen ihn läuft“, so Jaroszewicz. Theo­retisch drohe dafür sogar eine mehrjährige Haftstrafe.

Nachdem der Mann, dessen Namen und Wohnort die Beamten nicht nennen wollen, die 200 Zloty per Karte bezahlte, kam er wieder auf freien Fuß. Doch schon bei der nächsten Einreise nach Polen könnte er mit Unannehmlichkeiten rechnen.

Der Vorfall  hat einen ernsten Hintergrund. Denn Bestechlichkeit ist auch angesichts der relativ geringen Gehälter, die Polizisten in Polen erhalten, dort tatsächlich ein Problem. Laut dem Büro für innere Angelegenheiten der polnischen Polizei – einer internen Kontrollbehörde – wurden 2017 genau 360 Fälle bekannt, in denen Polizisten Schmiergelder angenommen hatten oder sich in anderer Weise bestechen ließen. In 48 Fällen kam es deshalb zu Strafen, die meist auch mit der Suspendierung der Beamten aus der Polizei verbunden waren.

Den jüngsten spektakulären Vorfall gab es im Herbst, als gleich elf Mitarbeiter der Verkehrspolizei aus dem oberschlesischen Gliwice (Gleiwitz) verhaftet wurden. Sie sollen Autofahrern, die zu schnell fuhren oder angetrunken waren, angeboten haben, sich durch Schmiergeld von der Bestrafung loszukaufen. Dabei kassierten die Beamten laut der Staatsanwaltschaft in Einzelfällen zwischen 30 und 3000 Zloty.

Seinerzeit wurden Bürger, die von solchen Fällen wussten, aufgerufen, sich als Zeugen zu melden. „Wir werden jeden Fall der versuchten Bestechung von Beamten zur Anzeige bringen“, betont auch der Chef der Gorzower Verkehrspolizei, Marek Waraksa.

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