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Behörde geht Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Lehrer vom Oberstufenzentrum nach / Hausaufgaben erteilt

Nachsitzen
Schwere Vorwürfe gegen OSZ-Lehrer

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Sven Klamann / 14.02.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 14.02.2019, 12:09
Eberswalde (MOZ) Gegen einen Lehrer am Oberstufenzentrum II liegt eine Dienstaufsichtsbeschwerde vor, die von einer angehenden Erzieherin verfasst wurde, die für alle Mitschüler spricht. Ihm wird vorgeworfen, eine Atmosphäre der Angst zu schüren. Das Staatliche Schulamt hat bereits reagiert.

In ihrem zweiseitigen Schreiben an die Behörde mit Sitz in Frankfurt (Oder), das der Redaktion im Wortlaut vorliegt, spart Catharina Wels aus Marienwerder nicht mit Anschuldigungen. Die 22-Jährige, die seit August 2018 Theorie am Oberstufenzentrum paukt, stört vor allem, dass ihr Klassenlehrer etwaige Schwächen der Schülerinnen und Schüler öffentlich zur Schau stelle und dass seine Zensurengebung intransparent und nicht nachvollziehbar sei. Alle Betroffenen würden inzwischen voller Furcht am Unterricht teilnehmen, einige hätten bereits Hilfe bei Psychologen gesucht, da sie sich dem Druck nicht mehr gewachsen fühlten. „Bitte helfen Sie uns, in Zukunft angstfrei zu lernen, damit wir unsere Ausbildung so gut wie möglich und erfolgreich beenden können“, heißt es in der Dienstaufsichtsbeschwerde, die Catharina Wels unterschrieben und per Einschreiben auf den Weg gebracht hat. Mehrere Versuche, den Konflikt schulintern zu lösen, hätten nicht geholfen, die Situation zu entspannen, bedauert die Schülerin, die gemeinsamen mit ihren Freundinnen ihren Vater Martin Gericke ins Vertrauen gezogen und um Hilfe gebeten hat. Der selbstständige Fliesenleger war es auch, der nach vergeblichen Bemühungen, im Oberstufenzentrum eine Wende zum Besseren zu erreichen, schließlich die Märkische Oderzeitung eingeschaltet hat.

„Wenn meine Tochter als einzige Schülerin über die Zustände jammern würde, hätte ich ihr unter dem Motto ,Lehrjahre sind keine Herrenjahre’ gut zugeredet. Doch da eine komplette Klasse betroffen ist, fühle ich mich zum Eingreifen verpflichtet“, sagt Martin Gericke.

In der Behörde ist Frank Breuer, der für berufliche Schulen zuständige Schulrat, der Dienstaufsichtsbeschwerde der angehenden Erzieherin nachgegangen, die nach geltendem Recht bearbeitet werde. „Zu den im Einzelnen erhobenen persönlichen Vorwürfen werden wir uns aus Gründen des Datenschutzes öffentlich nicht äußern“, sagt der Mitarbeiter des Schulamtes. Dennoch werde auch in diesem Fall jeder Vorwurf gründlich geprüft. Nach Eintreffen der Dienstaufsichtsbeschwerde habe es daher bereits mehrere klärende Gespräche mit dem Schulleiter und der zuständigen Abteilungsleiterin sowie mit dem beschuldigten Lehrer gegeben. „Die Schulleitung hatte dabei nicht den Eindruck, dass sich der Klassenlehrer einer für alle Beteiligten tragbaren Lösung verschließt“, sagt Frank Breuer. Im April, wenn die Schülerinnen und Schüler aus ihren Praktika in Kitas, Heimen und anderen Einrichtungen an das Oberstufenzentrum zurückgekehrt seien, würden Schulleitung und Schulamt im Unterricht hospitieren. „Und unsere Aufmerksamkeit wird auch danach nicht erlöschen“, kündigt der Schulrat an. Überdies habe die Lehrerkonferenz in einem Fall, in dem eine schlechte Note zum Nichtbestehen der Probezeit geführt hätte, die Zensurengebung korrigiert.

Der Schulleitung des Oberstufenzentrums bescheinigt Frank Breuer, mit den Schwierigkeiten zwischen Klasse und Lehrer „rechtskonform und besonnen“ umgegangen zu sein und „angemessen schnell“ reagiert zu haben. Über den Pädagogen seien der Behörde nie zuvor Beschwerden bekannt geworden. Am Oberstufenzentrum würden aktuell mehr als 1800 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, in der Klasse, in die auch die Verfasserin der Dienstaufsichtsbeschwerde gehe, gebe es 27 weitere Schülerinnen und Schüler. Alle haben nach Auskunft des Schulrates eine Hausaufgabe bekommen. „Sie sollen sich in ihren Praktikumsbetrieben erkundigen, welche Konflikte es dort gibt und wie diese gelöst werden“, sagt Frank Breuer.

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