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Mitarbeiter des Gewässer- und Deichverbandes erledigen Winterarbeiten / Weide gehört seit Jahrhunderten zur Oderbruch-Landschaft

Weidenpflege
Pflegeschnitt für den Brotbaum

Doris Steinkraus / 14.02.2019, 07:15 Uhr - Aktualisiert 14.02.2019, 08:41
Seelow/Letschin (MOZ) Die Weide ist ein Baum, der zu Zeiten des Alten Fritz Einzug ins Oderbruch hielt. Sie ist robust, wächst schnell nach und kann vielseitig verwendet werden. Nötig ist jedoch eine ständige Pflege. Der Gewässer- und Deichverband Seelow erledigt derzeit solche Arbeiten.

Am Graben zwischen Letschin und Zechin stapeln sich derzeit Weidenstämme und Astwerk. Mitarbeiter des Gewässer- und Deichverbandes Seelow (Gedo) ästen aus, stutzen die Bäume. „Etwa alle fünf Jahre müssen Weiden geschnitten werden“, erklärt Gedo-Geschäftsführer Martin Porath. Doch nicht für alle Weiden sei der Gedo zuständig. „Es gilt der Grundsatz, dass die Eigentümer der Fläche in der Pflicht sind“, macht er deutlich. Im Falle des Grabens zwischen Letschin und Zechin sei der Sachverhalt etwas anders.

Die Stecklinge waren als Ersatzpflanzung durch den Gedo in die Erde gebracht worden. Damit wurden Ausgleichsmaßnahmen für die Bauarbeiten nach dem Oderhochwasser 1997 am Oderdeich realisiert. „Dadurch sind wir auch zuständig“, sagt Porath. Die bereits erfolgten Schnitte „sparte“ der Verband. Die übernahm das Wasser- und Schiffsfahrtsamt, um das Astwerk zu verbauen. Denn: Die Weiden gehören nicht ohne Grund seit mehr als 250 Jahren zur Kulturlandschaft des Oderbruchs. Sie waren und sind hervorragend für die Faschinen an den Oderdämmen geeignet. Da das Material aus anderen Gegenden herangeschafft werden musste, ordnete der Preußenkönig nach der Trockenlegung die Anlage von Weideplantagen an. Das zur Instandsetzung und Unterhaltung der Dämme notwendige Material sollte direkt vor Ort gewonnen werden. In Chroniken ist zu lesen, dass sich die Oderbrücher zunächst nicht so recht damit anfreunden. Doch sie mussten den Anordnungen des Königs folgen und zogen später sogar ihren Nutzen daraus. Sie verpachteten die Plantagen an Korbflechter, die es in jedem Ort gab. Bald fehlte es somit wieder an Material für die Faschinen, so dass Friedrich schließlich 1769 in der „Teich- und Uferordnung“ genaue Anweisungen über die Weidenkulturen im Bruch erließ. Es wurden verschiedene Weidenarten angebaut. Und das schnell nachwachsende Holz vielfach genutzt – für Faschinen, Körbe, Behälter, Gerätestiele und als Brennmaterial. Die Weide galt lange Zeit als Brotbaum.

„Das funktionierte aber nur durch ständige Pflege“, betont Martin Porath. Die Weide habe zwar nicht mehr die einstige wirtschaftliche Bedeutung für die Bewohner. Doch sie sei weiterhin unerlässlich. Um zum Beispiel die oft kilometerlangen Gewässerstreifen zu bepflanzen und für baldigen schnell Schatten zu sorgen. Der Gedo nutzt das geschredderte Astwerk als unterste Lage seiner Rottenmieten. Dorthin kommen jährlich Tonnen von Kraut, das die Mitarbeiter aus den Gräben holen. „Damit sichern wir einen natürlichen Kreislauf“, erklärt der Geschäftsführer. Für Faschinen würden die Äste nur noch vereinzelt genutzt. Man verwende heute eher welche aus Kiefern, da diese fester sind und damit nicht so schnell wegfaulen.

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