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Valentinstag
Liebe ohne Grenzen

Zuneigung auf den zweiten Blick: Der Frankfurter Michael Stehr (39) und die Polin Malwina Donarska (28) haben sich vor vier Jahren auf einer Studentenparty auf der deutschen Seite der Doppelstadt kennengelernt. Der Uni-Nachhilfelehrer und die Eventmanagerin haben hier noch viel vor.
Zuneigung auf den zweiten Blick: Der Frankfurter Michael Stehr (39) und die Polin Malwina Donarska (28) haben sich vor vier Jahren auf einer Studentenparty auf der deutschen Seite der Doppelstadt kennengelernt. Der Uni-Nachhilfelehrer und die Eventmanagerin haben hier noch viel vor. © Foto: René Matschkowiak
Christopher Braemer / 14.02.2019, 08:30 Uhr
Frankfurt (MOZ) Viele junge Menschen zieht es nach Schule und Universität weg aus der Oderstadt hin zu neuen Ufern. Doch ein Frankfurter und eine Polin, die sich hier vor vier Jahren begegnet sind, wollen bleiben.

Beim alltäglichen Gang über die Stadtbrücke trifft man Studenten mit Fahrrad und Viadrina-Tasche, das ältere Ehepaar mit eingerenktem Arm und den Berliner mit großem Rucksack, der den Großen Basar anpeilt. Gesprochen wird deutsch und polnisch, manchmal ist auch etwas anderes dabei.

Auf der Oder fallen sie auf: er mit seinem modischem Haarschnitt und Zopf, sie mit ihren langen blonden Haaren und blauen Augen. Auf dem Weg nach Slubice merkt der Spaziergänger, dass es zwischen Malwina Donarska und Michael Stehr gefunkt hat. „Du hast da was“,  macht sie ihn darauf aufmerksam, dass seine Jacke hinten dreckig ist. Dann wischt sie leicht mit der Hand darüber. Er zuckt zunächst mit den Schultern, verspricht dann aber sich zu kümmern. „Na sicher, Micha“, reagiert Donarska ironisch.

Als sich der Frankfurter und die Wahlfrankfurterin aus Polen das erste Mal begegneten, gab es wenig Sympathie. Sie stand vor über vier Jahren hinter der Bar im damals frisch geöffneten Studentenkeller Bassement, als sie der erste Gast keck fragte, warum denn eigentlich der Jägermeister nicht gekühlt sei. Zwei Jahre später bei einer Party in der Villa Hirsch war es genau umgekehrt. Er stand hinter der Bar und sie bestellte den Drink – allerdings ohne böse Scherze. Dann hat es gefunkt. Mittlerweile sind sie etwa zweieinhalb Jahre zusammen. Seit Sommer 2017 wohnen sie gemeinsam unweit der Stadtbrücke.

Die beiden sind bekannt in Frankfurt. „Ich kannte Micha schon vorher weil er eine Legende an der Uni war – alle wissen, dass er guter Nachhilfelehrer ist“, erinnert sich Donarska. Sie sitzt mit ihm im Café Kurtosh in der Fußgängerzone hinter dem Słubicer Kreisverkehr und bestellt einen Cappuccino ohne Zucker. Die beiden sind hier öfter anzutreffen. Die junge Frau war sehr aktiv in studentischen Gremien, mischte beim Theaterfestival Unithea mit, hat nebenbei am Lehrstuhl gearbeitet – und gewann sogar mal einen Titel namens „beste Bildungsausländerin“.

Heute ist Malwina Donarska Projektmanagerin im bbw Bildungszentrum Ostbrandenburg und hat sich nebenbei mit einer eigenen Eventagentur in der Lindenstraße selbstständig gemacht. „Wir wollen uns zusammen weiterentwickeln“, sagt die 28-Jährige mit dem Ehrgeiz, der sie charakterisiert.

Es passt einfach bei den beiden. Er, 39, Frankfurter, Hobbykoch und Mathegenie spricht fließend polnisch. Sie, 28, kommt aus Polen aber liebt Frankfurt und seine Küche – und spricht fließend deutsch. Dass sie gerne in der Doppelstadt leben, das betonen sie immer wieder. „Frankfurt ist ein Stück europäische Idee. Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt Donarska. „Ich bin gerne hier, das ist meine Heimat“, ergänzt Stehr und lobt die beruflichen Möglichkeiten. „Und privat passt es auch.“ Als er zu ihr schaut, fängt sie seinen Blick auf.

„Wir planen jedes Jahr etwas zum Valentinstag“, verrät der Frankfurter. Auch im diesen Jahr will er seine Freundin überraschen. Im vergangenen Jahr waren sie im sizilianischen Palermo. Das deutsch-polnische Paar reist gerne, war zuletzt in der Türkei, in Ungarn und in Marokko. Zu den Eltern von ihr an die polnischen Ostsee zieht es die beiden regelmäßig.

Der Freundeskreis von Donarska und Stehr ist deutsch-polnisch, sie sprechen deutsch und polnisch, sie lieben Deutschland und Polen. „Wenn meine Freunde aus Polen zu Besuch kommen, machen sie sich lustig, weil wir es manchmal vermischen“, sagt Donarska. „Sie bringt mir nur Schimpfwörter und Kinderwörter bei“, witzelt Stehr, der sich noch sehr gut an den Polnisch-Unterricht am Karl-Liebknecht-Gymnasium erinnert. Beide lernen miteinander immer wieder etwas Deutsch und Polnisch dazu.

„Wenn ich einmal zehn bis 15 Jahre zurückdenke, dann haben Frankfurt und Słubice gefühlt einen großen Schritt aufeinander zugegangen“, sagt Stehr. „Es gibt zwei Sprachen, aber es spielt für uns keine Rolle, auf welcher Seite der Oder wir essen, einkaufen, oder ausgehen – wir fühlen uns wohl.“ An Heiraten und Kinder will das deutsch-polnische Pärchen noch nicht denken. Aber eines steht für sie fest: Sie wollen in Frankfurt bleiben.

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