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Mit großem Orchester spielt Max Raabe im Admiralspalast musikalischen Balsam für Nostalgiker

Konzert
Ironie im Jackett der 30er-Jahre

Bewahrt Haltung: der inzwischen ergraute Bariton Max Raabe (56)
Bewahrt Haltung: der inzwischen ergraute Bariton Max Raabe (56) © Foto: dpa/Michael Kappeler
Christopher Braemer / 14.02.2019, 09:30 Uhr
Berlin (MOZ) Das Konzert ist eine gefühlte Zeitreise: Ein Mann in 1930er-Jahre-Jackett und Fliege und mit Seitenscheitel steht auf der Bühne des Admiralspalastes.

Wenn der inzwischen ergraute Max Raabe nicht gerade kerzengerade steht und nostalgische Lieder der Weimarer Ära singt, lehnt er lässig am Flügel. Dann legt er los. „Falls Sie mal die Spracherkennung ihres Mobiltelefons in den Wahnsinn treiben wollen“, sagt der Mann auf der Bühne mit ironischem Unterton, „ist das folgende Stück von Meisel, Karlick und Bennefeld aus dem Jahr 1932 hervorragend geeignet.“

Gemeint ist „Du Du Dudl Du“. der Song steht tatsächlich für die männliche Anmache. Das Bass-Saxophon von Rainer Fuchs markiert das männliche Selbstverständnis mit dumpfen Tönen.  Vielleicht auch wegen der alten Rollenbilder sind die Konzerte von Max Raabe Balsam für Nostalgiker. Der Admiralspalast mit seinem 1930er-Jahre-Chic, wo Raabe nun bis 3. März gastiert, bietet das passende Ambiente.  Zwischen den Songs erzählt Raabe, legitimer Nachfolger der Comedian Harmonists, kleinere Geschichten. Seine höflich-brave Art wirkt komisch, erinnert mitunter an Poetry Slam. Zusammen mit seinem 13-köpfigen Orchester – darunter die italienische Geigerin Cecilia Crisafulli (seit 2007 dabei)  – berührt er das Publikum. Auch wenn das zum großen Teil ältere Publikum den Großteil der Zeit still genießt, wippt der ein oder die andere leicht mit. Das Konzert ist nicht nur eine Zeit-,  sondern auch eine musikalische Weltreise. Deren Melodien und Rhythmen führen unter anderem durch Kuba, Hawaii, Spanien, Russland und China.

Seit knapp einem Jahr geben Max Raabe und sein Palast Orchester ihr Programm „Der perfekte Moment .. wird heut verpennt“ zum Besten. Genau so heißt auch sein neues Album. Das Konzertprogramm besteht aus einer Mischung von ausgewählten Titeln der CD mit Original-Arrangements der Weimarer Zeit. Darunter „Ich küsse ihre Hand Madame“, „I‘m singin‘ in the rain“ und „Ich bin dein Mann“.

Im letzten Lied verfehlen Reime aus der Zwischenkriegszeit wie „Möwe“ auf „Löwe“ oder „Ritter auf Babysitter“  jedoch ihre Wirkung. Was textlich nach heutigem Verhältnissen nicht ganz so ansprechend ist, wird vom brillanten Orchester aufgefangen, das immer wieder zu raffinierten Soli ansetzt, mitunter vorne an das Mikro auf der Bühne tritt, oder Raabe gesanglich mit Zweit- und Drittstimme verstärkt.

Der blonde Bariton und sein Orchester arbeiten mit minimalistischen Mitteln, dafür auf musikalisch hohem Niveau. Zusammen mit Ex-Kommilitonen gründete der  56-jährige studierte Opernsänger sein Orchester.

Auf den kleinen grünen Kaktus muss der Besucher bis zum Ende warten. Das Konzert ist zwei Stunden lang ein Wechselbad der Gefühle. Als Raabe und sein Orchester bei der letzten Zugabe bei einer romantischen Nummer eng zusammen auf der Bühne a capella nur mit einer Gitarre „Donna Maria“ spielen, halten sich mehrere Besucherinnen gerührt die Hände vor den Mund. Eine Zugabe, bei der die Männer im Jackett abwechselnd aufstehen, um ein Glocken-Arrangement zu spielen, wirkt so ulkig, dass viele Besucher lachen müssen. Altes kann eben auch witzig sein.

Admiralspalast, Friedrichstr. 101, Berlin-Mitte, nächste Vorstellungen: heute, 15./16./17.2.; Karten unter 0335 66 59 95 58

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