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Die Bundesregierung will den Dienst in der Truppe ehren / Viele Fragen sind aber noch ungeklärt

Bundeswehr
Veteranen sind jetzt fast alle

Mit schwerem Gepäck: Soldaten der Bundeswehr in der Grundausbildung
Mit schwerem Gepäck: Soldaten der Bundeswehr in der Grundausbildung © Foto: dpa/Stefan Sauer
Ellen Hasenkamp / 14.02.2019, 10:00 Uhr
Berlin (MOZ) Wer bei der Bundeswehr gedient hat, darf sich seit kurzem offiziell Veteran nennen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen spricht von einer fälligen Anerkennung für den Einsatz für Frieden und Freiheit.

Der Schriftsteller Axel Hacke ist einer. Der Komiker Michael Bully Herbig auch. Und natürlich der Freiherr und frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Sie alle sind – zusammen mit rund zehn Millionen Deutschen – seit vergangenen November ganz offiziell Veteranen der Bundeswehr. Axel Hacke hat das ein wenig schockiert, wie er kürzlich schrieb: „Für mich klingt Veteran immer noch wie alter Knacker, mit Eisernen Kreuzen behängt vor dem Kriegerdenkmal herumsitzend.“

Doch weder mit Alter noch mit Auszeichnungen hat der Begriff etwas zu tun, sondern einzig und allein mit der Frage, ob man Soldat ist oder war. Wer – wie Herbig beim Faltschwimmbrückenzug – seinen Wehrdienst halbwegs anständig hinter sich gebracht hat, ist ebenso Veteran wie der KSK-Elitekämpfer, der in Afghanistan war.

Genau da beginnen die Probleme. Wenn alle Veteranen sind, welchen Wert hat der Titel dann? Und was genau folgt daraus: Freie Fahrt mit Bus und Bahn? Ein neuer Feiertag? Am Ende Abzeichen für die Veteranenbrust? Diese und andere Fragen wollen Ministerium, Verbände und Politiker in den nächsten Wochen klären. Das ist auch deswegen nicht leicht, weil sie damit einen viel größeren Komplex zu klären haben: Während die Regierung seit Jahren mehr deutsche Verantwortungsübernahme weltweit verspricht, reagiert das Volk eher skeptisch. Fürs Schneeschippen in Bayern ist die Bundeswehr beliebt, fürs Schießen in Mali eher nicht. Ein bisschen mehr Veteranenkultur könnte das ändern.

Zugleich soll die Definition, die Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) im November veröffentlichte, auch intern eine gewisse Beruhigung herbeiführen. Aktive versus Ehemalige, Einsatzsoldaten versus Heimatstationierte, solche Gegensätze in der Truppe sollte die Festlegung hinter sich lassen: „Veteranin oder Veteran der Bundeswehr ist, wer als Soldatin oder Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist“, schrieb die Ministerin in ihrem Tagesbefehl. Es war womöglich auch der Versuch von der Leyens, nach ihrem harten Wort vom „Haltungsproblem“ in der Bundeswehr ein wenig Wiedergutmachung zu betreiben.

Bereits von der Leyens Vorgänger, Thomas de Maizière, hatte in seiner Amtszeit mehrere Versuche gestartet, einen Veteranenbegriff zu definieren. Er dachte indes an Soldaten mit mindestens einem Einsatz im Ausland. Die Debatte versandete dann aber, zerrieben auch im Streit zwischen Einsatz-Veteranen und denen, die für die Anerkennung der Daheimgebliebenen kämpften. Dabei hatte de Maizière 2013 sogar schon Veteranenabzeichen (Eisernes Kreuz mit Bundesadler) herstellen und beschaffen lassen. Rund 10 000 Stück für insgesamt rund 8700 Euro. Peinlich wurde die Sache, als einige dieser Abzeichen beim Onlinemarktplatz Ebay angeboten wurden, weswegen erst die Grünen und dann die AfD nachhakten. In der Antwort des Verteidigungsministeriums vom vergangenen August hieß es dann noch: Die Bundesregierung nutze den Begriff Veteran nicht, „denn es gibt keine entsprechende Tradition in Deutschland“.

Jetzt also soll eine solche Tradition entstehen. Alle, die Dienst in der Bundeswehr leisten oder geleistet haben, verdienten „mehr Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft“, findet die Ministerin. Denn im Gegensatz zu den USA ist es in Deutschland um die Würdigung der Truppe eher schlecht bestellt. „Die Erfahrung zweier Weltkriege und die starke Präsenz der historischen Veteranenverbände und ‚Kriegervereine‘ in den Lagerkämpfen der Weimarer Republik prägen das Bild bis heute“, heißt es in einem Papier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik.

Wie nun aber ein neues Bild geprägt werden soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Reservistenverband hat einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der die Forderung nach einem Abzeichen, einem Ausweis für ermäßigte Eintrittspreise und einem Veteranentag umfasst. Über Datum und Ausgestaltung müsse noch diskutiert werden. Auch Generalinspekteur Eberhard Zorn ist grundsätzlich für einen Veteranen-Tag, gab aber zu bedenken: „Die Frage ist, ob die Bevölkerung da mitkommt. Unsere Kultur ist eben eine andere. Das muss sich entwickeln, das können wir nicht anordnen.“

Gegen die Entwicklung stemmt sich unter anderem die Linke. Ihr Verteidigungsexperte Alexander Neu sieht in Definition und Nutzung des neuen Veteranenbegriffs „einen weiteren Baustein in dem Bemühen, die Akzeptanz des Militärischen in der Gesellschaft zu erhöhen“. Das Militärische solle nicht nur als Mittel der Außenpolitik, sondern auch gesellschaftlich normalisiert werden. Neu kritisiert zudem die „Teilung der Gesellschaft in gute Soldaten (Bundeswehr) und verachtenswerte Militärs (NVA)“. Denn wer nur in der DDR-Armee gedient hat, ist vom Veteranen-Begriff ausgeschlossen.

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