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Großprojekt
Erste Ziegel - der Turm der Garnisonkirche wächst

Erster Schritt: Besucher einer Veranstaltung auf der Baustelle der Garnisonkirche beobachteten am Montag den Beginn der Bauarbeiten für den Turm des Gotteshauses.
Erster Schritt: Besucher einer Veranstaltung auf der Baustelle der Garnisonkirche beobachteten am Montag den Beginn der Bauarbeiten für den Turm des Gotteshauses. © Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Oliver von Riegen / 18.02.2019, 19:50 Uhr - Aktualisiert 18.02.2019, 20:36
Potsdam (dpa) Das Winterwetter hatte den Start der Mauerarbeiten an der Garnisonkirche zunächst verzögert – nun wurden bei Sonnenschein die ersten Steine gemauert. Das Großprojekt hat allerdings auch Kritiker.

Der Turm der Garnisonkirche in Potsdam nimmt bald konkrete Form an. Am Montag wurden bei milden Temperaturen die ersten Ziegelsteine gemauert. Der Kirchturm soll wie das 1968 unter der DDR-Führung gesprengte Original mit rund 2,3 Millionen Ziegelsteinen bis zu knapp 90 Meter hochgemauert werden. Der Weiterbau hatte sich beim Bohren der Grundpfeiler zunächst verzögert. Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam will im neuen Bau den Geist der Versöhnung und des Friedens pflegen. Gegen den Wiederaufbau wenden sich mehrere Initiativen – auch christliche –, die in der Kirche eine Stätte des preußischen Militarismus sehen. 

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An dem Termin am Montag nahm auch Marianne von Weizsäcker, Witwe des 2015 verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, teil. Von dem Wiederaufbau solle das Signal ausgehen, „dass es um den Frieden geht, dass es um die Versöhnung geht, für die die Kirche steht und dass man ungeteilt – und zwar in jedem Sinne ungeteilt – sich diesen Aufgaben innerlich und äußerlich zuwendet“, sagte sie. Ihr Mann hatte den Wiederaufbau unterstützt, er war Ehrenkurator der Stiftung Garnisonkirche. Von Weizsäcker gehörte als junger Soldat zu einem Infanterieregiment, dessen Gottesdienstort die Kirche war.

Bisher ist mit Spenden von rund 28 Millionen Euro der Bau bis zur Aussichtsplattform in Höhe von 57 Metern finanziert. Für die Turmhaube, Glocken und Zierelemente brauche die Stiftung weitere Spenden von etwa knapp elf Millionen Euro, sagte Sprecher Wieland Eschenburg. Vor mehreren Wochen hatte die Stiftung angegeben, dass eine Fertigstellung bis zum Sommer 2021 ein mögliches Ziel sei. Für einen Wiederaufbau des Kirchenschiffs gibt es derzeit keine Pläne.

Die Verlegung der ersten sieben Steine wurde am Montag vom Verlesen der Bitten des Friedensgebets von Coventry begleitet. Seit 2011 gibt es in Potsdam die Nagelkreuzkapelle an der Garnisonkirche. Die Nachbildung eines Nagelkreuzes aus Coventry, das 1940 Ziel deutscher Bombenangriffen wurde, soll Zeichen der Versöhnung sein.

Der frühere Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) unterstützt den Wiederaufbau der Garnisonkirche. „Der Aufbau des großen Kirchgebäudes ist noch nicht beschlossen. Das muss mit der Stadt und dem Land verhandelt werden“, sagte der frühere Vizevorsitzende des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR in einem Interview der Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“. „Da gibt es interessante Ideen. Das Ergebnis ist offen.“

Das Projekt hat auch Gegner: Die pazifistische Martin-Niemöller-Stiftung hatte vor wenigen Tagen einen Stopp des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche gefordert. Nach Ansicht der Stiftung ist die Kirche mit dem „Geist von Potsdam“ verbunden, der für eine autoritäre Staatsform, für Nationalismus und Krieg gestanden habe. Gemeinsam mit sieben weiteren Initiativen hatte die Stiftung nahe der Baustelle als Symbol gegen den Wiederaufbau einen Baum gepflanzt.

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Karl Napp 19.02.2019 - 21:55:43

@ marius schmidt - "Hm, etwas unverständlich," ....

"Sie, Genosse, müssen etwas volkstümlicher sprechen, bitte, daß Sie die Masse auch versteht!" [Michail Sostschenko - Die Kuh im Propeller]

marius schmidt 19.02.2019 - 20:09:08

2 schwere Fehler im Artikel

Die DDR-Führung gesprengte nicht das Original. Eine Ruine wurde gespent die weder die Kirche noch der Staat wieder haben wollte. Von wegen Spenden. Die Steuergelder für den Protz Bau der Bonzen verschweigt der Artikel. Dabei sollte doch kein Steuergeld für die Nazikirche fließen. Ein schwerer Wortbruch der Herrschaften Garnisonkirche. Als Melodie der Nazikirche soll dann wieder das antisemitische "Üb immer Treu und Redlichkeit" intoniertr werden. Ist dat nicht peinlich.

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