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Grüne prangern massenhaften Einsatz von Taumitteln an, die Alleebäume krank machen

Taumittel
Zu viel Salz ist ungesund

Wintereinsatz: Ein Streufahrzeug verteilt auf der B 168 bei Prötzel Tausalz auf der Straße.
Wintereinsatz: Ein Streufahrzeug verteilt auf der B 168 bei Prötzel Tausalz auf der Straße. © Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
Mathias Hausding / 21.02.2019, 10:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Die Bündnisgrünen sorgen sich um die märkischen Alleebäume und fordern den Verzicht auf Streusalz gegen winterliche Glätte. Rückendeckung bekommen sie vom Naturschutzbund (Nabu). Der Landesbetrieb Straßenwesen jedoch erklärt das Salz für alternativlos.

Mehr als eine Million Tonnen Salz wurden deutschlandweit allein auf den Autobahnen und Bundesstraßen verteilt, und das im milden Winter 2017/2018. Schon in einer nur etwas kälteren Periode wie etwa zuletzt 2012/2013 war die Zahl mehr als doppelt so hoch. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage hervor.

Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock sieht angesichts dieser Zahlen Handlungsbedarf auch in der Mark. „Im letzten Winter wurden in Brandenburg über 34 000 Tonnen Salz auf Autobahnen und Bundesstraßen gestreut – ohne Rücksicht auf die durch heiße Sommer ohnehin schon stark belasteten Alleebäume“, ärgert sich die Bundeschefin der Grünen. Statt beim Winterdienst an Alleen auf alternative Taustoffe oder Splitt zu setzen, schütte man sie mit Tonnen von Salz zu.

Man wähle mit dem Salz die auf den ersten Blick billige Variante. „Langfristig aber ist der Streusalzeinsatz teurer, denn wenn die Bäume über Jahre durch das Salz geschädigt werden sterben sie ab, müssen gefällt und nachgepflanzt werden“, gibt Baerbock zu bedenken. Sie verlangt von den Verantwortlichen, in Alleen auf Streusalz zu verzichten. Man möge sich an Ländern wie Dänemark orientieren und den Einsatz alternativer Taumittel erproben. Zum Beispiel Kaliumformiat auf Basis von Ameisensäure sei ein umweltschonendes Mittel.

Der Nabu Brandenburg unterstützt die Grünen-Forderung. „Das Salz verändert die Bodenchemie. Die Bäume nehmen dann deutlich schlechter Wasser auf“, sagt Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder. Die Folge sei, dass sich die Wurzeln nicht gut entwickeln. Unter dem Strich stehe dann ein erhöhter Pflegeaufwand für die geschwächten Bäume, und sie müssten früher ersetzt werden. Christiane Schröder kritisiert, dass es lediglich Bemühungen gebe, aus Kostengründen Salz zu sparen, aber keine Überlegungen dazu, ob und wie man es durch andere Mittel ersetzen könne.

Salz sei „der beste aller bekannten schlechten Streustoffe“, heißt es vom Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen. Man arbeite mit Rezepturen, die „seit nunmehr mehreren Jahrzehnten den anerkannten Stand der Technik darstellen“. Der Landesbetrieb verweist auf den „konsequenten Einsatz“ von Feuchtsalz statt Trockensalz. So reduziere man die eingesetzte Salzmenge, denn das flüssige Salz hafte besser und länger auf der Fahrbahn.

Konkret sehe das laut Landesbetrieb so aus, dass eine Mischung aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Salzlösung seit langem Standard sei, man inzwischen aber verstärkt auf eine Mischung von 20 Prozent Trockensalz und 80 Prozent Sole setze. Und der Trend gehe zu „FS 100“, also reiner Salzsole.

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