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Belastung
Fehlende Beratungsangebote: Der Krebs und die Psyche

Die Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie.
Die Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie. © Foto: dpa/Jan-Peter Kasper
Mathias Hausding / 23.02.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 26.02.2019, 13:50
Potsdam (MOZ) Bei der Bekämpfung von Krebs gibt es rasante Fortschritte. Das ist eine Botschaft des Brandenburger Fachmediziner-Kongresses. Deutlich wurde bei der Veranstaltung am Freitag aber auch, dass es bei psychischen Problemen von Patienten und ihren Angehörigen noch zu wenig Hilfe gibt.

Erkrankt eine junge Mutter an Krebs, ist das für sie meist auch eine große seelische Belastung. Genauso wie für ihre Eltern, ihren Mann und natürlich ihre Kinder. Geldsorgen kommen womöglich dazu. Den Alltag zu organisieren, zehrt an den Kräften. Wer hilft diesen Familien? An wen können sie sich wenden?

Im Barnim an Elvira Muffler, die in Wandlitz eine vom Landkreis und durch Spenden finanzierte Krebsberatung betreibt. Vergleichbare Angebote gibt es sonst nur noch in Dahme-Spreewald und in Potsdam. Psychoonkologie heißt das Metier, in dem Elvira Muffler unterwegs ist. Am Freitag haben sie und andere Experten auf dem Brandenburger Krebskongress von ihrer Arbeit berichtet.

So sei die psychologische Betreuung von Krebs-Patienten in den Krankenhäusern inzwischen Standard, wie Grit Weiland schilderte, Psychologin im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum. Aber danach werde es dann oft dünn. „Wir haben eine beeindruckende Hochleistungsmedizin, aber ein Defizit bei der ambulanten psychoonkologischen Betreuung.“ Lorenz Völkel von der Reha-Klinik am See in Rüdersdorf bestätigte, dass vor allem auf dem Land wenig Hilfe zu bekommen sei. Oft könne man nur auf die Telefonseelsorge oder Online-Beratungsangebote verweisen.

Mario Krebs aus Königs Wusterhausen, einer von wenigen niedergelassenen Psychoonkologen im Land, verwies auf hohe bürokratische Hürden. So müssten sich Patienten eine psychische Erkrankung attestieren lassen, bevor die Kassen das therapeutische Gespräch bezahlen. „Und seit einigen Jahren erlebe ich hier, dass die Zahl der Bewilligungen stark zurückgeht.“ Mario Krebs betonte, dass Gespräche eine große Hilfe sein könnten. „In einer akuten Krise genügen manchmal drei oder vier Sitzungen, um den Patienten zu stabilisieren.“

Das sieht auch Elvira Muffler so. „Es ist auch für mich immer wieder unfassbar, wie schnell sich Patienten bei uns zum Positiven verändern können.“ Die Krebsberatung in Wandlitz lade etwa alleinstehende Krebs-Patienten in eine Kreativgruppe ein, um sie aus der Isolation zu holen. Die Angebote seien kostenlos, niedrigschwellig und kurzfristig verfügbar. Ausdrücklich richten sie sich auch an Angehörige. „Denn sie sind seelisch mindestens so belastet wie die Patienten.“ Helfe man ihnen nicht, erhöhe das oft noch einmal den Druck auf die oder den Kranken, warnte Elvira Muffler. Die Krebsberatung biete Einzel-, Paar- und Familiensitzungen an. Leider gebe es viel zu wenige solcher Anlaufstellen im Land.

Anja Bargfrede, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Onkologische Versorgung (Lago), konnte hier zumindest mittelfristig Verbesserungen in Aussicht stellen. So zeige eine ganz frische Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums einen enormen Bedarf an psychoonkologischer Beratung für Patienten und Angehörige auf. Darauf wolle die Politik nun reagieren. „Die Krebsberatung soll bundesweit ausgebaut und in die Regelfinanzierung nach Sozialgesetzbuch übernommen werden“, sagte Anja Bargfrede. Wann das geschieht, sei aber noch völlig offen.

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