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Zahl der Übernachtungen von Touristen im Ruppiner Land gesunken

Werden nicht mitgezählt: Übernachtungszahlen sind nicht gleich Übernachtungszahlen. Der Chef des Tourismusverbandes Ruppiner Seenland kritisiert seit Jahren, dass statistisch nicht erfasst wird, wenn Besucher in der Region auf den Seen nächtigen.Archiv-Foto: privat
Werden nicht mitgezählt: Übernachtungszahlen sind nicht gleich Übernachtungszahlen. Der Chef des Tourismusverbandes Ruppiner Seenland kritisiert seit Jahren, dass statistisch nicht erfasst wird, wenn Besucher in der Region auf den Seen nächtigen.Archiv-Foto: privat © Foto: privat
Christian Schönberg / 05.03.2019, 19:13 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Geht es nach Peter Krause, kann die Region mehr Hotelbetten gut gebrauchen. Immerhin scheint die Statistik dem Geschäftsführer des Tourismusverbands Ruppiner Seenland Recht zu geben.

Denn im Vergleich zum Jahr zuvor hat es 2018 2,6 Prozent weniger Betten-Angebot in den Hotels und Pensionen gegeben: statt 9 435 nur noch 8 748. Prompt kamen auch weniger Gäste in die Reiseregion: statt 551 000 nur noch 506 000. Sie übernachteten exakt 1 457 025 Mal – ein Rückgang um 1,1 Prozent. Das kam überraschend – denn 2018 bot mit seinem Ausnahme-Sommer stets sonnenbeschienenen Raum für wald- und wasserliebende Besucher.

Jetzt bleibt nur der positive Ausblick. Dass es die 180 Betten des Ende 2017 dicht gemachten  Preußichen Hofes in Liebenwalde im Osten Oberhavels wieder geben wird, erscheint zwar ausgeschlossen. "Aber in Seilershof wird ein Haus wieder an den Markt gehen", so Krause mit Blick auf ein Objekt am Wentowsee (Oberhavel). "Wenn neue Kapazitäten dazu kommen, werden wir auch wieder Steigerungen verzeichnen."

Tatsächlich stehen die Zahlen des Ruppiner Seenlandes anderen Brandenburger Reiseregionen gegenüber, die im Bombensommer 2018 – zum Teil deutlich – gestiegene Übernachtungshäufigkeit vermelden konnten. Kapazitätsgrundlagen allein bilden da offenbar aber keine ausreichende Erklärung. Rheinsberg, Neuruppin, Lindow mit seiner in die Statistik einfließenden Salus-Klinik – all diese Orte des Ruppiner Tourismusverbandes verzeichneten ebenso Einbußen im Vorjahresvergleich (siehe Infokasten).

Gerade bei diesen Orten würde die Statistik aber laut Krause anders aussehen, wenn auch Übernachtungen auf den Gewässern mitgezählt werden. "Die Frage ist ja immer, welches Geld ist mit der Übernachtung verdient worden", so der Geschäftsführer. Auch wer am Ufer eines der vielen Seen der Region auf dem Boot nächtigt, lässt eben auch Kaufkraft im Seenland. "Letztlich muss man auch konstatieren, dass wir bei der Bettenauslastung gut zugelegt haben", so Krause. 2017 lag sie noch bei 40,6, 2018 bei 41,2 Prozent – eine Steigerung trotz sinkender Übernachtungszahlen. Vor gut 20 Jahren lag die Auslastung im Ruppiner Seenland noch bei unter 30 Prozent. "Dennoch brauchen wir weiter neue Betriebe, weil das den Markt belebt", sagt er.

Ohnedies bleibt die Frage offen, inwiefern Flüchtlingsaufenthalte sich bei der Statistik fürs Ruppiner Land niederschlagen. Dazu gibt es von der Datenbehörde keine regionsspezifische Auskunft. Aber fürs gesamte Land Brandenburg wurde 2015 festgestellt, dass die Übernachtungshäufigkeit von Gästen aus "arabischen Golfstaaten" 2015 um mehr als 150 Prozent und 2016 noch einmal um mehr als 80 Prozent nach oben gegangen war. 2017 dann plötzlich ein Rückgang von mehr als 50 Prozent, 2018 noch einmal einer um 16 Prozent. Die Hoteliers mit mindestens zehn Betten melden ihre ankommenden Gäste bei der Datenbehörde – unabhängig vom Reisegrund. Das könnte auch für Rheinsberg gegolten haben, wo ursprünglich touristische Beherbergungsstätten wie beispielsweise das Schlosshotel für Flüchtlinge geöffnet wurdee. Es war aber Ende 2017 geschlossen worden, weil der Landkreis das Unterbringen in normalen Wohnungen vorzog.

Zahlen in den einzelnen Gemeinden

■ Der Tourismusverband Ruppiner Seenland umfasst ein Gebiet, das den Altkreis mit Neuruppin, Rheinsberg, Fehrbellin, die Temnitz-Region und Lindow sowie den Kreis Oberhavel umfasst.

■ Am häufigsten wurde im Jahr 2018 in Rheinsberg übernachtet. Bei insgesamt 159 544 Gästeankünften gab es 572 943 Nächtigungen. Im eher verregneten Jahr zuvor hatte es aber mit 572 943 Übernachtungen mehr touristische Impulse gegeben.

■ In Neuruppin gab es bei 84 712 Gästeankünften insgesamt 195 248 Übernachtungen. Auch das waren weniger als 2017, als noch 86 736 Gäste kamen und insgesamt 199 366-mal nächtigten.

■ In Lindow ging die Zahl der Übernachtungen nur von 153 845 auf 153 355 nach unten. Dort wird aber auch die Bettenbelegung der Salus-Klinik mitgezählt, weshalb Lindow mit einer Aufenthaltsdauer von im Mittel 7,6 Nächten pro Gast extrem überdurchschnittlich da steht. In Rheinsberg liegt der Wert bei 3,6 und in Neuruppin bei 2,3 Nächten Aufenthaltsdauer.

■ Fehrbellin verzeichnete einen Zuwachs an Gästen – 9 306 im Vergleich zu 8 703 in 2017 – aber einen Rückgang an Übernachtungen: 25 892 statt 27 054.

■ Die Daten vom Landes-Statistikamt fassen die Zahlen von Gastwirtschaften mit einem Angebot von mindestens zehn Betten zusammen.⇥(crs)

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