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Viele Interessierte bei geführtem Rundgang durchs Fledermausquartier im Kellergewölbe der alten Ostquell-Brauerei

Fledermaus-Quartier
Blick in die tierische Schatzkammer

René Matschkowiak / 14.03.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 14.03.2019, 08:01
Frankfurt (Oder) ( Freier Autor) Einmal im Jahr gibt es Gelegenheit, in die dunklen Abgründe der Oderstadt abzutauchen. Viele Interessierte haben sich diesmal der Führung  durch das Kellergewölbe der ehemaligen Ostquell-Brauerei am Ferdinandshof angeschlossen. Es beherbergt einen Schatz der Natur.

Es ist stockfinster. Kein Lichtstrahl schafft es bis in das Kellergewölbe. Von außen sieht die Brauerei nicht sehr einladend aus. Doch unter der Erde beherbergt sie einen Schatz, der ziemlich einmalig ist in ganz Europa. "Ein Fledermaus-Quartier mitten in einer Innenstadt ist sehr selten", sagt Norbert Bartel vom Naturschutzbund Deutschland (BUND), der die Führung übernommen hat.

Zu der sind Dutzende Frankfurter, aber auch Interessierte aus Fürstenwalde gekommen. Einige interessieren sich für die Tiere. Andere, wie Helga Marie Grunde, eher für das Gebiet rings herum. "Ich wohne direkt daneben", sagt sie. Sie schaue immer auf die alte Instrumentenfabrik, die immer mehr verfällt.

"Das geschützte Gebiet rings um das Quartier umfasst nicht das alte Fabrikgebäude", stellt Norbert Bartel klar. Eigentlich müsste Frankfurt viel mehr Werbung machen mit solch einem Projekt, meint der Fledermausf-Fachmann, der während seiner Erläuterungen über das Quartier regelrecht ins Schwärmen kommt. Fledermausquartiere dürfen sonst nicht betreten werden. Einmal im Jahr aber gibt es aber unter strengen Auflagen eine Ausnahme.

Die alte Brauerei liege an einer Fledermaus-Zugstraße am Rand des Odertals, erklärt Bartel. Die Bedingungen im Keller sind für die fliegenden Säugetiere ideal: Es ist kühl, aber nicht frostig und mit frischer Luft, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es zieht nicht. Die Kellerräume sind zwischen fünf und acht Meter hoch, wie man eindrucksvoll im Schein der Taschenlampe sieht. Es gibt drei Hauptgänge, die durch Quergänge verbunden sind.

"Wenn einige der Tiere herum fliegen sollten, braucht man übrigens keine Angst zu haben, dass sie sich in unseren Haaren verfangen", sagt Norbert Bartel lachend. "Das ist ein Märchen". So ganz genau wisse man nicht, wie viele Fledermäuse in dem Keller überwintern. Gezählt wurden etwa 1500, aber das sind nur die sichtbaren Tiere. "Es gibt so viele Nischen in dem Keller, dass man nicht alle sehen kann", erklärt der BUND-Vertreter.

Eine Warnung hat der Umweltschützer dennoch parat: Findet man eine Fledermaus, die auf der Erde liegt, sollte man sie nur mit Handschuhen anfassen. "Die können richtig beißen und übertragen eventuell die Fledermaustollwut. Daran kann man sterben", stellt Bartel klar.

Im fahlen Licht der Taschenlampe geht es für die Besucher teilweise über Bauschutthügel. Andere Kellerräume sehen fast aufgeräumt aus. Immer wieder hält Norbert Bartel an und weist auf Fledermäuse, die an den Wänden hängen hin. Auf dem Boden liegen Knochen von toten Fledermäusen. Sie sehen wie Gräten oder Blumenstengel aus.

Im Sommer wollen es auch Fledermäuse warm und trocken haben, dann meiden sie den kühlen Keller, erklärt Norbert Bartel noch. Solange die streng geschützten Tiere im Winterquartier sind, müssen die Bauarbeiten am Haus ruhen, sagt Bartel. Der oberirdische Baukörper solle stabilisiert werden und wieder "nett aussehen. Es ist aber keine Sanierung", stellt Norbert Bartel klar.

Fassaden sollen wieder schick gemacht, die Dächer, die teilweise durchbrochen sind, erneuert werden. Der Zerfall soll aufgehalten, die Bausubstanz stabilisiert werden. Es sei an der Zeit, dass etwas passiert, findet der Naturschützer. "Geredet wird darüber seit 30 Jahren".

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Kurt Cr. 15.03.2019 - 08:39:47

@Norbert Wesenberg

Dazu bedürfte es aber investigativen Journalismus und Recherchearbeit. Wer hier vor Ort sollte das den leisten können?

Norbert Wesenberg 15.03.2019 - 07:22:36

Endlich mal das Geheimnis lüften

Nicht mal die DDR hat sich seit Kriegsende an diese Ruine herangetraut, obwohl es eine exponierte Lage in der Innenstadt hat. Gemunkelt wurde damals, das amerikanisches Kapital in dem Grundstück der Ostquell Brauerei steckt. Wäre doch mal interessant wenn die Redaktion des Stadtboten mal recherchiert wem das Grundstück samt Fledermäusen gehört und ob sein jetziger Zustand für die Ewigkeit festgeschrieben ist. Gleiches trifft auch auf den Durchgang von der Spieckerstraße zum Ferdinandsberg zu, der immer noch in dem Zustand ist wie ihn der Krieg hinterlassen hat.

Kurt Cr. 14.03.2019 - 19:07:06

alles schön und gut ...

... aber trotzdem ein Trauerspiel, dass es auch 30 Jahre nach der politischen Wende immer noch kein Konzept für dieses Innenstadtareal gibt, was da vor sich hin gammelt.

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