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Walter Ederer ist tot
Das Kloster war sein kleines Heiligtum

Walter Ederer (1955-2019)
Walter Ederer (1955-2019) © Foto: Gerrit Freitag
Janet Neiser / 14.03.2019, 19:55 Uhr
Neuzelle. (MOZ) Am Donnerstagmorgen tauchte über dem Haus von Walter Ederer in Neuzelle ein wunderbarer Regenbogen auf. Eine Brücke zwischen Himmel und Erde. An diesem Tag hatte sie einen ganz besonderen Symbolcharakter. Wenige Stunden zuvor war Walter Ederer nämlich von dieser Erde gegangen. Sein Körper hat ihm letztlich einen Strich durch seinen Lebensplan gemacht. Denn eines seiner Ziele, und Walter Ederer hatte viele davon, war es, die komplett sanierte Klosteranlage in Neuzelle zu sehen und auch erleben zu dürfen – als Rentner. Das bleibt ihm nun verwehrt.

"Neuzelle hat die Zukunft noch vor sich", das sagte er häufiger, der Mann, der 1997 in das Dorf in Ostbrandenburg kam, um dort die ein Jahr zuvor gegründete Stiftung Stift Neuzelle zu leiten. "Neuzelle ist ein Geschenk für die Region. In Bayern hat man aus solchen Orten Nationalheiligtümer gemacht. In dieser Art muss uns das hier auch gelingen." Für den gebürtigen Schwarzwälder, der nach seinem Studium der Philosophie, Geschichte und Germanistik unter anderem als Journalist und Publizist in West-Berlin gearbeitet hatte und nach der politischen Wende ins Kulturministerium nach Brandenburg wechselte, war das immer klar. Für ihn war das Kloster Neuzelle tatsächlich ein Heiligtum, wenn er davon redete, nein schwärmte, dann mussten seine Zuhörer Zeit mitbringen, dann leuchteten seine Augen.

Walter Ederer hat in und für Neuzelle viele Türen geöffnet. Er hat etliche Millionen Mark und Euro nach Neuzelle geleitet, weil er Visionen hatte und dazu die Gabe, andere dafür zu begeistern. Das Barockwunder in Ostbrandenburg, von dem heute gern gesprochen wird, das ist und bleibt mit dem Namen Walter Ederer verbunden. Er hat unter anderem frühzeitig die Bedeutung der barocken Gartenanlage erkannt. Trotz vieler Zweifler wurde ein großer Teil der Anlage bereits saniert, als die Gebäude drumherum alles andere als einladend aussahen. An die Freigabe des ersten Bauabschnittes im Jahr 2004 erinnerte er sich, als wäre sie gestern gewesen: "Etwa 2000 Menschen kamen die Treppe herunter, damit hatte keiner gerechnet. Das war wirklich ein unglaubliches Gefühl." Die Freigabe des nunmehr letzten und dritten Bauabschnittes wird er nicht mehr erleben. Sein Name aber, der wird an diesem Tag mit Sicherheit fallen.

Was er noch geschaffen hat? Eine Kulturmarke beispielsweise: Er hat die Oper in ein Dorf geholt – erneut trotz vieler Unkenrufe. 1998 gab es die erste Aufführung, damals noch in der Stiftskirche. Seit 2001 lockt die alljährliche Oper Oder-Spree Besucher aus nah und fern nach Neuzelle auf den Kreuzhof und unter anderem nach Beeskow. Er selbst stand übrigens auch auf der Bühne, als "Herr Winter" in der Revue vom "Haus Sonnenhügel". Dort konnte er seine künstlerische Ader auf diese Art  ausleben. Die Oper war ihm jedenfalls eine Herzensangelegenheit und genoss oberste Priorität. Auch noch als er nicht mehr Geschäftsführer der Stiftung, sondern seit 2006 nur noch Direktor für Marketing und Kultur war. Das war ein schwerer Schlag für ihn, gab er später zu. Doch er blieb in Neuzelle, in seinem kleinen Heiligtum – auch wegen seiner Frau und der beiden Kinder, die in dem Örtchen groß geworden sind, in dem er sogar als Lokalpolitiker aktiv war.

In der Stiftung war er fortan der "kleine Chef", seine Visionen aber, die sind geblieben. Das lässt sich auch an dem unterirdischen Museum "Himmlisches Theater" festmachen, das 2015 eröffnet wurde. Die Idee dazu hatte Walter Ederer bereits Ende der 1990er-Jahre, als er bei Sanierungsarbeiten am Turm der katholischen Kirche auf die Passionsdarstellungen stieß. Er sah, dachte und machte.

Sein Tod ist eine Zäsur für die Stiftung Stift Neuzelle. Aber sein Wirken klingt nach.

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