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Derzeit 260 offene Kita-Anträge von Eltern / Akuter Handlungsbedarf für den Hort im Brandenburgischen Viertel

Kita-Plätze
Warteliste wächst weiter

Zeit fürs Mittagessen: Im Hort "Kinderinsel", der zur Grundschule Schwärzesee gehört, teilt Gerlinde Schröder, Mitarbeiterin  der Finesse GmbH, die Portionen aus. Links ist die Hortleiterin Mandy Müller zu sehen. In der Einrichtung stehen 60 Plätze zur Verfügung. Es werden aber mehr benötigt.
Zeit fürs Mittagessen: Im Hort "Kinderinsel", der zur Grundschule Schwärzesee gehört, teilt Gerlinde Schröder, Mitarbeiterin  der Finesse GmbH, die Portionen aus. Links ist die Hortleiterin Mandy Müller zu sehen. In der Einrichtung stehen 60 Plätze zur Verfügung. Es werden aber mehr benötigt. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 15.03.2019, 07:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) 260 Eltern warten aktuell in der Stadt auf einen Kita-Platz. Mehr noch als im September bei der vorherigen Erhebung. Besonders groß ist der Bedarf im Hortbereich. Auch mittelfristig. Gleichwohl gibt es freie Kapazitäten.

Wirklich überraschend war die Nachricht nicht, die Sozialdezernent Jan König am Mittwochabend im Fachausschuss verkündete: Eberswalde fehlen Kita-Plätze. Allein die Größenordnung erstaunte so manches Mitglied.

König hatte das Gremium vorgewarnt. Die Information zur aktuellen Situation leitete er mit den Worten ein: "Seien Sie jetzt nicht schockiert." Derzeit (Stand 1. März) gebe es in der Stadtverwaltung 260 offene Anträge von Eltern auf einen Kita-Platz. Im September waren es "nur" 180. König erklärte diesen Zuwachs damit, dass zum Schuljahresbeginn die Einrichtungen "aufgefüllt" werden. Im August/September sei am meisten Bewegung im Geschäft. Allerdings gingen eben auch im Laufe eines Jahres Anträge ein, beispielsweise durch Zuzug.

Von den 260 Anträgen beziehen sich 120 auf die Krippe, 120 auf den Kindergarten sowie 20 auf den Hort. Gleichzeitig gibt es momentan, so zeigte der Dezernent anhand der Statistik, in den städtischen Einrichtungen 94 nicht belegte Plätze. Im Kindergarten und im Hort liege man mit der Auslastung bei 99 bzw. 95 Prozent, in der Krippe jedoch nur bei 86 Prozent. König räumte ein, dass dies "suboptimal" sei. Wobei er sogleich einschränkte: "Wir werden nie 100 Prozent erreichen." Die Stadt lasse sich bewusst immer eine kleine Reserve, um bei akutem Bedarf Elternwünschen bzw. -ansprüchen gerecht zu werden.

Den scheinbaren Widerspruch zwischen Nachfrage und noch vorhandenem Angebot löste König so auf: "Mitunter passen die Elternwünsche nicht zum Angebot." Sowohl in puncto Standort wie auch bei der Öffnungszeit. Im Fall Hort etwa müssten die derzeit nicht versorgten Kinder "quer durch die Stadt fahren".

Mittelfristig (bis etwa 2030), so erläuterte der Dezernent mit Verweis auf die Prognosen zur Entwicklung der Kinderzahlen, fehlen in der Stadt "recht stabil jeweils 100 bis 110 Plätze in der Krippe sowie im Hort". Besonders groß sei der Bedarf im Brandenburgischen Viertel sowie in Stadtmitte. Die Rechnung berücksichtige die Angebote der freien Träger sowie die Kapazität der Tagesmütter. Insgesamt stehen derzeit in den kommunalen Einrichtungen 1657 Plätze zur Verfügung,  bei den freien Trägern 1365.

Wie nun soll der Bedarf gedeckt werden – kurzfristig und perspektivisch? König verwies auf die bekannten und teils bereits in der Realisierung befindlichen Projekte: insbesondere Erweiterung der Kita Spielhaus und des evangelischen Kindergartens (2019), Ersatzneubau der Kita Little England (2020) sowie Kita-Neubau der Johanniter (2022). Allein diese vier Vorhaben würden ein Plus von etwa 140 Plätzen bringen. Aber noch nicht das Hort-Problem lösen. Die Stadt, so versicherte der Rathausvertreter, arbeite intensiv an möglichen Optionen fürs Brandenburgische Viertel und für Stadtmitte.

Im Fall des Brandenburgischen Viertels laufe der Variantenvergleich Havellandstraße 15 – Neubau in Schulnähe. Beide Modelle würden sehr sorgfältig geprüft. Dies mit dem Ziel, im Quartier insgesamt 150 Hortplätze anbieten zu können. Um die aktuelle Not zu linden und den Engpass beim Hort zu überwinden, werde es eine "Übergangslösung" geben. Ein Provisorium für 40 bis 45 Plätze. Im April, so avisierte König, werde er dem Ausschuss diese Interimslösung präsentieren. Dies sei zumindest der Plan.

Trotz offener Anträge – Klagen von Eltern seien der Stadt nicht bekannt, hieß es auf Nachfrage. In der Pflicht steht laut Gesetz der Landkreis Barnim.

Zahlen, Fakten, Prognosen

■ Aktuelle Situation in den städtischen Einrichtungen: Krippe 333 Plätze Kapazität, 286 Plätze belegt (86 Prozent Auslastung); Kindergarten 583 Plätze, 576 belegt (99 Prozent); Hort 741 Plätze, 701 belegt (95 Prozent)

■ Aktuelle Lage bei freien Trägern: Krippe 274 Plätze, 252 belegt (92 Prozent); Kindergarten 654 Plätze, 582 belegt (89 Prozent); Hort 437 Plätze, 409 belegt (94 Prozent)

■ Prognosen für die gesamte Stadt: Krippe bis 2030 relativ stabiler Bedarf an 750 bis 760 Plätzen; Kindergarten schwankender Bedarf zwischen 1200 und 1280 Plätzen; Hort zwischen 1270 und 1330 Plätzen

■ Lücken: für Krippe und Hort sind laut Verwaltung jeweils um die 100 bis 110 Plätze zusätzlich zu schaffen; im Kindergartenbereich will man die Spitzen durch Ausnahmegenehmigungen "abfedern"

■ kurzfristige Maßnahmen: im Krippenbereich im April zusätzliche Gruppe im Nesthäkchen; eine noch nicht näher beschriebene Hort-Übergangslösung im Brandenburgischen Viertel

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