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Speziell auf Senioren zugeschnitten: Der Ü-50-Block der Wohnungswirtschaft /  Konzept erweist sich als Erfolg

Wohnen im Alter
Junge Mieter werden abgelehnt

Alles in Ordnung? Hausmeister Axel Piehl besucht Barbara und Siegfried Liebe in ihrer Wohnung im Ü-50-Block. Seit 2012 wohnt das Paar in der Juri-Gagarin-Straße 44.
Alles in Ordnung? Hausmeister Axel Piehl besucht Barbara und Siegfried Liebe in ihrer Wohnung im Ü-50-Block. Seit 2012 wohnt das Paar in der Juri-Gagarin-Straße 44. © Foto: Manja Wilde
Manja Wilde / 15.03.2019, 09:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Damit auch ältere und kranke Menschen zufrieden und selbstbestimmt wohnen können, bedarf es besonderer Konzepte. Der Ü-50-Block der Wohnungswirtschaft GmbH in der Juri-Gagarin-Straße 44 ist so eins. Seit rund zehn Jahren gibt es ihn. Die Wohnungen sind begehrt.

In Tempelberg, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Steinhöfel, waren Barbara und Siegfried Liebe früher zu Hause. "Die Wohnung war nicht ganz in Ordnung, den Konsum gibt es nicht mehr und Busse fahren auch so gut wie gar nicht", nennt Barbara Liebe, 74 Jahre alt, Gründe, die das Paar veranlassten, sich nach einem neuen Zuhause umzusehen. In Fürstenwalde wurde es fündig. In der Juri-Gagarin-Straße 44. "Wir haben gesehen, dass eine Wohnung leer stand", erinnert sich Barbara Liebe. Der Umzug ist jetzt sieben Jahre her. Der gepflegte Block war und ist genau auf die Bedürfnisse der Senioren zugeschnitten.

"Ü-50-Block", nennt ihn Thomas Buhl, Geschäftsführer der Wohnungswirtschaft Fürstenwalde GmbH, einer städtischen Tochter. Aktuell liegt der Altersdurchschnitt der Bewohner bei 67 Jahren. Die Verweildauer ist hoch. Nur Todesfälle oder Umzüge in Seniorenheime, sagt Buhl, führten dazu, dass etwas frei werde. 50 Wohnungen gibt es in dem Block – 43 Ein- und sieben Zwei-Raum-Wohnungen.

Die Mieter kennen sich, helfen einander. An den Briefkästen am Eingang treffen sie sich zu Schwätzchen. Der Aufzug bringt sie in alle Etagen. Schwellen gibt es nicht. Die Wände der Flure sind auffällig sauber, eine Firma reinigt die Böden. "Wenn ich alles so’ ne Blöcke hätte, hätte ich schon einen dicken Bauch", sagt Hausmeister Axel Piehl lachend.

Er steht bei Barbara und Siegfried Liebe an der Tür und erkundigt sich gleich, wie es den beiden geht. "Die lauten Gespräche der Obermieter, die nicht mehr so gut hören, stören manchmal", sagt der Senior. Auch der Fernseher laufe manchmal so laut, dass es störe. "Man könnte ihnen empfehlen, Kopfhörer beim Fernsehen zu tragen", sagt Anke Thieme, die bei der Wowi für die Vermietung zuständig ist. Sie notiert sich das Problem.

Gut zehn Jahre ist es her, dass die Wohnungswirtschaft sich den Block vornahm, um das spezielle Konzept umzusetzen. "Rund zwei Millionen Euro haben wir dort verbaut", erinnert sich Thomas Buhl. Der Wowi sei es damals "grottenschlecht" gegangen. Sie habe etwas unternehmen müssen, um Gebäude aufzuwerten. Und die Nummer 44 sollte ein Haus speziell für ältere Menschen werden. Außerdem wurde eine Etage an Menschen, die die LebensMut gGmbH betreut, vermietet. Die gemeinnützigen GmbH hat dort ein Büro. Zudem gibt es ein Pflegebad.

"Heute haben wir elf Mieter auf verschiedenen Etagen", sagt Lebensmut-Geschäftsführerin Sabine Frank. Das Büro ist rund zehn Stunden pro Woche besetzt. "Außerdem begleiten wir Menschen zum Arzt und zum Einkaufen, besuchen mit ihnen Veranstaltungen oder gehen spazieren", ergänzt Sozialbetreuerin Kristin Malitzke. Das Angebot richtet sich an chronisch psychisch kranke Menschen, die keiner stationären Hilfe mehr bedürfen, aber auch nicht völlig eigenständig leben können.

Die anderen Senioren begegnen ihnen mit Respekt. "Mal die Tür aufhalten oder dabei helfen, den Schlüssel ins Schloss zu stecken", nennt Kristin Malitzke kleine Gesten. Außerdem hat die Wowi die Eingänge mit Kameras ausgestattet, damit die Senioren schauen können, wer vor der Tür steht, bevor sie sich auf den Weg machen oder einem Unbekannten einfach öffnen.

Das Konzept geht auf. "Es ist selten etwas frei", sagt Anke Thieme. "Die Wohnungen sind wie Goldstaub", betont Kristin Malitzke, sobald eine frei sei, sei sie auch wieder weg. Manchmal gebe es auch Nachfragen von jüngeren Menschen, weiß Anke Thieme. Doch diese würden abgelehnt. Das Konzept soll erhalten bleiben. Sabine Frank kann das für ihren Bereich nur unterstreichen. "Diese Menschen haben es einfach verdient, dass sie eigenständig in ihrer Wohnung leben dürfen", betont sie.

Auch Thomas Buhl zieht nach zehn Jahren eine positive Bilanz: "Es funktioniert und rechnet sich mit einer schwarzen Null." Aus diesem Grund wurde vor fünf Jahren auch ein ähnliches Wohnprojekt mit der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal in der Küstriner Straße gestartet. Und 2020, sagt Buhl, komme vielleicht ein neues hinzu. "Wir müssen in dieser Richtung weitermachen", betont er.

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