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Neuer Erlass
Vogelsänger bringt Förster auf die Barrikaden

Millionenschaden: Nach dem Waldbrand soll in Treuenbrietzen mit der Aufforstung begonnen werden.
Millionenschaden: Nach dem Waldbrand soll in Treuenbrietzen mit der Aufforstung begonnen werden. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Ulrich Thiessen / 15.03.2019, 20:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) hat es wieder einmal geschafft: Mit einem Erlass bringt er seine Förster gegen sich auf. Ihr Tätigkeitsfeld soll deutlich eingeschränkt werden. Es regt sich Widerstand.

An diesem Samstag wird Minister Vogelsänger vor laufenden Kameras die Wiederaufforstung eines Waldstückes bei Treuenbrietzen starten, das im Rekordsommmer 2018 abgebrannt war und tagelang die Feuerwehren des ganzen Landes beschäftigte. Es könnte einer der letzten derartigen Aktionen des Landesforstbetriebes für private Waldbesitzer sein.

Ab kommenden Jahr ist es den brandenburgischen Förstern untersagt, Dienstleistungen für Privatwaldbesitzer zu erbringen, die mehr als 10 Hektar Fläche besitzen. Das Ministerium begründete diesen Erlass vom 9. Januar damit, dass Dienstleistungen zu den freiwillige Aufgaben des Landesbetriebes Forst gehören. Auf Grund des geplanten Personalabbaus müsse man sich auf die Kernaufgaben konzentrieren, allenfalls die Waldpädagogik und die Beratung  kleiner Waldbesitzer sei noch zu leisten, heißt es in der Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Abgeordneten Anke Schwarzenberg (Linke).

Der SPD-Abgeordnete Wolfgang Roick kritisiert das Vorgehen des Ministers. Immerhin seien die Beratungen keine Wohltaten, sondern kostendeckend kalkulierte und gut bezahlte Leistungen. Roick verweist zudem auf den Waldumbau, also das Durchmischen der Bestände mit Laubbäumen als Maßnahme gegen Waldbrände. Die Beratungen dazu fallen ebenfalls weg.

Immerhin nahm der Landesbetrieb in den vergangenen Jahren zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Euro durch entsprechende Dienstleistungsverträge ein. 47 Prozent dieser Verträge wurden mit Waldbesitzern mit mehr als 10 Hektar abgeschlossen. Darunter befinden sich auch 19 Kommunen, die nun eine Kündigung erhalten und sich private Dienstleister suchen müssen.

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) betont, dass das Land kleine Waldbesitzer jahrelang dazu aufgefordert hat, sich beispielsweise in Genossenschaften zusammenzuschließen um die Flächen besser bewirtschaften zu können. Diejenigen die das getan haben, wie in der Gegend von Treuenbrietzen brauchen jetzt neue Dienstleister. Selbst die Auszeichnung der zu fällenden Bäume wird dann nicht mehr der Förster vornehmen. Die Gewerkschafter befürchten, dass die Einschlagfirmen die Entscheidungen welcher Baum stehen bleibt und welcher nicht, von der Kanzel des Harvesters (Holzvollerntemaschinen) aus treffen.

Martin Krüger Landesvorsitzender des BDF sieht hinter dem Ministererlass den Einfluss der großen Waldbesitzer. Die haben die Service-Kapazitäten und erlangen so Einfluss auf die kleinen und mittleren Waldbesitzer. Früher oder später werden sie als Käufer der Flächen auftreten. Krüger warnt davor, dass die jetzige Streuung des Besitzes verändert wird.

Anke Schwarzenberg hofft, die Verordnung noch abschwächen zu können. Die Oberförstereien sollen selbst entscheiden, ob sie Dienstleistungen anbieten können.

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