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Sonderfahrt zum 175. Geburtstag der Berlin-Stettiner Eisenbahn / Dampflok hat auf der Rückfahrt einen Schaden

Bahnfahrt
Stolzes Stahlross zischt und pfeift

Eva-Martina Weyer / 15.03.2019, 21:12 Uhr - Aktualisiert 15.03.2019, 21:19
Tantow (MOZ) Ein Dampflokzug hat am Freitag in Angermünde und Tantow Station gemacht. Ganze Familien, Schulen und Kitas sind kostenlos mitgefahren auf der Strecke Berlin – Stettin. Sie ist 175 Jahre alt.Auf der Rückfahrt hatte die Dampflok einen Schaden und saß in Tantow fest.

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Für die meisten Passagiere war die Sonderfahrt ein ungetrübt schönes Erlebnis. Manche bekamen vom Lok-Schaden gar nichts mit, weil sie sowieso in Tantow ausgestiegen waren. Zu ihnen gehörte Barbara Sy: "Das war eine sehr schöne Fahrt. Niemand hat gerempelt. Von einem Schaden habe ich nichts gemerkt."

Dennoch kam in Tantow über Lautsprecher die Durchsage, dass die Lok einen Defekt hat. Manche Passagiere stiegen in den wartenden RE 66 nach Angermünde um. Andere telefonierten kurz und ließen sich von Verwandten abholen. Etwa 150 Fahrgäste harrten im Sonderzug aus und warteten bei Getränken auf sein Abschleppen. Bianka Sliwik aus Mescherin schildert: "Niemand hat geschimpft, und es kam keine Panik auf. Man war eher überrascht von der Durchsage." Sie hatte auf der Fahrt Kinder betreut und versicherte: "Kein Kind war von den Auswirkungen des Lok-Schadens betroffen." Ein kaputter Regler soll Schuld am Stranden des Sonderzuges gewesen sein.

Gudrun Pollex und ihre Bekannte Erika Mecklenburg aus Tantow hatten den Tag genossen. "Ich bin ehemalige Eisenbahnerin und habe die Dampflok-Zeiten noch miterlebt", erinnert sich Gudrun Pollex. 35 Jahre sei sie dabei gewesen. Erst als Schrankenwärterin in Tantow, später im Güter- und Reiseverkehr. Sie gab gern zu: "Ich wollte heute in Erinnerungen schwelgen, denn ich habe auch bei der deutschen Abfertigung in Polen gearbeitet."

Die beiden Frauen sind sich einig: Wir brauchen die Bahn. Erika Mecklenburg sagt: "Ich fahre noch immer gern Zug und erledige alle meine Arzttermine in Angermünde auf diese Weise. Ich finde es schrecklich, dass wir immer noch kein zweites Gleis haben zwischen Passow und Stettin."

Ihr zweites Gleis hatte die Magistrale nach 1945 verloren, weil Deutschland im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges Repara­tionszahlungen an die Sowjetunion leisten musste. Die einst stolze Strecke verlor an Bedeutung. Viola Bühring aus Petershagen war am Vormittag zum Zuschauen nach Tantow gekommen: "Ich finde es sehr schön, dass das Amt Gartz diese Sonderfahrt organisiert und dass das Amt sich so stark für die Zweigleisigkeit einsetzt. Wir haben viele junge Leute im Ort, die auf die Bahn angewiesen sind. Egal, ob zur Arbeit oder als Schulweg. Wir hoffen, dass unsere Station in Petershagen erhalten bleibt."

Auch die Eheleute Berndt aus Casekow ließen sich das Sonderzugerlebnis nicht nehmen. "Wir haben bei der Bahn gearbeitet. Ich als Gleisbauer, meine Frau als Schaffnerin", erzählte Winfried Berndt. "Wir fahren aus Nostalgie mit."

Die Dampflok ist Baujahr 1936. Sie zischt und pfeift. Ein Anblick wie aus dem Bilderbuch. Doch Lokführer Jürgen Kussagk ist am Freitag nicht ganz zufrieden mit ihr. Schon am Vormittag gab es Probleme beim Wassertanken. Kussagk ist Mitglied im Lausitzer Dampflokverein, echter Eisenbahner und geht in seiner Freizeit auf solche Sonderfahrten. Zwei Heizer standen ihm zur Seite, damit die Lok es auf 100 km/h bringen konnte. Vier Schaffner sorgten für Sicherheit und Fahrkartenkontrolle.

Das Amt Gartz hatte die Sonderfahrt bereits im Jahr 2018 angeschoben. Da eine Dampflok nicht im Katalog und ein Sonderfahrplan auch nicht einfach zu bestellen sind, hat das Ereignis erst ein halbes Jahr nach dem eigentlichen Streckenjubiläum stattgefunden.

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