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Kreishandwerkerschaft Barnim spricht 47 Junggesellen und eine Junggesellin in sieben Gewerken frei

Gesellenfreisprechung
Ein Hoch auf die, die Hand anlegen

In traditioneller Kluft: Der Brodowiner Benjamin Rothe (r., 20) bekommt von Peter Weisse, dem Vorsitzenden im Prüfungsausschuss der Tischler, seinen Gesellenbrief als Zimmerer. Sogar mit Auszeichnung hat Tischler Stephan Matthes aus Panketal (M.) seine Ausbildung abgeschlossen.
In traditioneller Kluft: Der Brodowiner Benjamin Rothe (r., 20) bekommt von Peter Weisse, dem Vorsitzenden im Prüfungsausschuss der Tischler, seinen Gesellenbrief als Zimmerer. Sogar mit Auszeichnung hat Tischler Stephan Matthes aus Panketal (M.) seine Ausbildung abgeschlossen. © Foto: Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 16.03.2019, 11:30 Uhr - Aktualisiert 16.03.2019, 18:31
Eberswalde (MOZ) Das wäre geschafft. Gesellenstücke und Prüfungen sind gelungen, nun haben sie auch den Gesellenbrief in der Tasche. Eine junge Frau und 47 junge Männer haben am Freitag im Eberswalder Bürgerbildungszentrum "Amadeu Antonio" ihre Abschlusszeugnisse erhalten.

Ein halbes Jahr schneller als seine Mitstreiter war Benjamin Rothe. So kommt es, dass der 20-jährige Brodowiner, der in Eberswalde auch als erfolgreicher Turner bekannt ist, auf der Feier der Junggesellen der einzige Zimmerer ist. Und so auch optisch aus ihrer Schar heraussticht: Rothe ist standesgemäß in Kluft erschienen. "Auch wenn ich kein Vollblut-Zimmermann bin, fühle ich mich geehrt, sie tragen zu dürfen", sagt er.

Kein Vollblut-Zimmermann? Der junge Handwerker sagt das, weil er nach der Ausbildung gar nicht ins Berufsleben einsteigt. "Ich ziehe um nach Leipzig und studiere – wahrscheinlich Sport und Mathe auf Lehramt".

Im Eberswalder Bürgerbildungszentrum wurden am Freitag 47 Gesellen und eine Gesellin durch die Kreishandwerkerschaft Barnim freigesprochen.
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Gesellenfreisprechung 2019

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Während Rothe weiterzieht, wird der größte Teil der jungen Leute, die am Freitagvormittag im Saal des Bürgerbildungszentrums versammelt sind, bleiben. Die Kreishandwerkerschaft Barnim feiert hier ihren Nachwuchs. 53 Lehrlinge, die meisten nach dreieinhalbjähriger Ausbildung, hatten insgesamt an den Winterprüfungen teilgenommen. "48 Auszubildende haben die Prüfung mit Erfolg bestanden. Das sind 91 Prozent", freut sich Kreishandwerksmeister Uwe Manke. "Willkommen im Handwerk, willkommen bei den Profis", ruft er ihnen zu.

Unter anderem Elektroniker, Karosseriebauer oder Metallbauer dürfen sie sich nun nennen. Die meisten aber bekommen den Gesellenbrief als KfZ-Mechatroniker. Ein Bereich, auf den ganz bestimmt der Wandel zutrifft, den Manke für die gesamte Branche beschreibt. "Wenn Handwerker Pralinen mit dem 3-D-Drucker drucken, auf der Baustelle als erstes Tablet und Drohne aus dem Werkzeugkoffer holen und heute in Japan und morgen in Kanada arbeiten – ist das dann noch Handwerk?", fragt der Chef der Organisation, die alle Handwerks­innungen der Region vereint.

Eine mögliche Antwort: "Das Handwerk ist smarter, digitaler und internationaler als man denkt." Bei der Feier werden Mankes Worte mit einem neuen Imagefilm unterlegt, mit dem der Zentralverband des Deutschen Handwerks um Nachwuchs für die Branche wirbt.

Den Trend zur Digitalisierung im Handwerk unterstreicht auch Michaela Schmidt von der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Und wie Manke, der die Gesellen für ihre weitere Karriereplanung auch auf das Aufstiegsbafög  aufmerksam macht, ermuntert sie die Nachwuchskräfte, im Handwerk und in der Region zu bleiben. Es gebe genug sichere Arbeitsplätze, über 11 000 Handwerksbetriebe allein in Ostbrandenburg. "Auf den Fachkräftemangel gibt es heute eine Antwort", bekräftigt Landrat Daniel Kurth (SPD). "Und diese Antwort sind Sie."

Viele im Saal können das bestätigen, wurden wie Jonas Würfel (19) aus Bernau von ihrer Ausbildungsfirma als Gesellen übernommen. "Gefragt ist der Beruf auf jeden Fall", sagt der Metallbauer. Allerdings hat er Zweifel daran, dass sich ausreichend Nachwuchs findet. "In meiner Berufsschulklasse waren wir noch 20. Im neuen Jahrgang sind es nur noch sieben Leute."

Das Gegenstück zu Benjamin Rothes Berufsplanung – erst eine Ausbildung, dann studieren – gibt es übrigens auch in der Runde der Freigesprochenen, mehrfach sogar.  Andrea Plödt aus Dresden – die einzige Frau an diesem Tag – studierte erst Sozial- und Musikwissenschaften, bevor sie Orgelbauerin wurde. In Eberswalde sind sie und weitere sechs Zunftkollegen zugegen, weil die Innung der Musikinstrumentenbauer mehrerer Bundesländer in der Barnimer Kreishandwerkerschaft organisiert ist.

Der Panketaler Stephan Matthes hat Kommunikationsdesign studiert und war Werbetexter. Dass ihn der Wunsch, mit den Händen zu arbeiten, doch noch zur Tischlerei brachte, zahlt sich am Freitag aus. Er wird wie weitere zehn Gesellen für seine Prüfungsergebnisse ausgezeichnet.

Gesellenbriefe für 28 Barnimer

■Elektroniker/Energie- und Gebäudetechnik: Marc Bischoff, Sebastian Prause und Mathias Zober (Eberswalde), Christian Liesegang und Arne Petters (Bernau), Moritz Ullrich (Panketal)

■Kraftfahrzeugmechatroniker/Nutzfahrzeugtechnik: Michel Fröhlich und Sebastian Weinhold (Bernau), Julian Hinz und Alexander Schmidt (Eberswalde)

■Kraftfahrzeugmechatroniker/Personenkraftwagentechnik: Felix Berndt und Eric Panke (Bernau), Max-Robert Gericke, Kevin Nützschke und Henning Paech (Eberswalde), Oliver Herholdt und Eric Martens (Wandlitz), Jörn Lennert Lampson, Mike Ortmann und Laurin Peters (Ahrensfelde)

■Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker: Riccardo Warnke (Bernau)

■Zimmerer: Benjamin Rothe (Chorin)

■Tischler: Stephan Matthes (Panketal)

■Metallbauer/Konstruktionstechnik: David Albrecht und Justin Hiller (Eberswalde), André Ohmann und Dennis Vietzke (Finowfurt), Jonas Würfel (Bernau)

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