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Prisca Miculcy aus Eggersdorf bei Müncheberg lernt in Niederjesarer Firma Perlwitz den Beruf der Fahrzeugsattlerin

Frauen in Männerberufen
Polster nähen ist ihre Leidenschaft

Im Männerjob glücklich: Prisca Miculcy (22) ist Azubi im dritten Lehrjahr zur Sattlerin, Fachrichtung Kfz, in der Niederjesarer Perlwitz GmbH. Im Rahmen ihrer Arbeit färbt sie auch alte Polster von Autositzen um. Deutlich ist der Unterschied zwischen alt und neu.
Im Männerjob glücklich: Prisca Miculcy (22) ist Azubi im dritten Lehrjahr zur Sattlerin, Fachrichtung Kfz, in der Niederjesarer Perlwitz GmbH. Im Rahmen ihrer Arbeit färbt sie auch alte Polster von Autositzen um. Deutlich ist der Unterschied zwischen alt und neu. © Foto: Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 17.03.2019, 08:30 Uhr
Niederjesar (MOZ) Vergangenen Freitag wurde vielerorts der Internationale Frauentag gefeiert. In Berlin gab es dafür erstmals sogar einen Feiertag. Den Hype um den Geschlechter-Kampf kann Prisca Miculcy nicht verstehen. Die 22-Jährige liebt es mit ihren Händen zu arbeiten. Sie lernt Fahrzeugsattlerin.

"Wir müssen hier genauso ran wie die Männer, da wird kein Unterschied gemacht, und das ist auch gut so", sagt Prisca Miculcy. Die 22-jährige ist gerade im dritten Lehrjahr zur Sattlerin, Fachrichtung Kfz, in der Niederjesarer Firma Perlwitz. Dass sie sich einen handwerklichen Beruf auswählen würde, das war der jungen Frau mit dem schönen alten lateinischen Namen schon immer klar. "Mein Opa war Raumausstatter, da habe ich schon als Kind bei den Möbeln mitgeholfen", erinnert sich die Münchebergerin aus dem Ortsteil Eggersdorf. Für ihre Ausbildung ist sie extra nach Seelow gezogen. Nach dem Abitur im OSZ in Strausberg habe sie daher ganz genau geguckt, was es beruflich mit Möbeln da für sie gäbe. "Und ich bin hier gelandet", sagt sie. Und ist ganz glücklich über ihren Arbeitgeber, die seit 1845 bestehende Fahrzeugsattlerei Perlwitz in Niederjesar. Hier lernt sie alles von der Pike auf. Das sei weit mehr als Raumausstattung, denn hier muss sie auch mit großen Planen für Lkws hantieren, Ledersitze umfärben und damit oftmals Oldtimer wieder zu neuem Glanz verhelfen. Alle acht Wochen fährt sie zudem zur Berufsschule nach Thüringen, bleibt dort für 14 Tage. "Die nächste Anlaufstelle wäre dann noch Bayern gewesen. "Hier gibt’s ja so etwas gar nicht mehr, der Beruf ist selten geworden." Ihre Arbeit mache ihr immer noch sehr viel Spaß. Da störe auch nicht die körperlich schwere Plackerei wie das Schleppen der Materialien. "Ich mag besonders Polster nähen", sagt sie. Nähen, das macht sie auch zu Hause sehr gerne. Auch diese Leidenschaft hat sie von den Großeltern vererbt bekommen. "Mal mache ich mir eine Hose selbst, mal ein Oberteil und besonders gerne Mittelalter-Kleidung. Die gibt’s ja nicht so einfach zu kaufen." In den Genuss ihrer Fähigkeiten kommt auch die Familie. "Ich hab’ schon für meinen Neffen mal einen Esel gehäkelt." Das Nähen ist für Prisca Miculcy eine Leidenschaft, aber auch Beschäftigungstherapie.

Geschickt mit der Nähmaschine umgehen muss sie auch während ihrer Ausbildungszeit. Was in der Niederjesarer Firma – mit Chef Guido Perlwitz mittlerweile schon in sechster Generation – im Vordergrund steht ist kreative Handarbeit. Oft schauen Besitzer von Oldtimern vorbei, die ihre alten Fahrzeuge und Motorräder wieder mit neuen Sitzen und Innenraumverkleidungen verschönern lassen wollen. "Wir gucken uns das an, können dann entscheiden, ob man beispielsweise das Leder durch entsprechende Behandlung umfärben kann und damit alte Risse auch gleich geschlossen werden, oder ob ein neuer Bezug fällig ist."

Aber auch Lastkraftwagen, die ständig im Betrieb sind, versieht Prisca Miculcy mit neuen Planen. Im Juli steht die Abschlussprüfung an. Und dann? "Ich suche mir einen neuen Betrieb, ich mag die Berge, will raus." Wohl in Richtung Österreich oder Südtirol zieht es sie, dort gibt’s familiäre Kontakte. "Aber dann muss ich schon gucken, was mit den Freunden hier wird." Und mit der Familie. "Zuhause waren sie vier Kinder. Wir alle haben den Hang zu ungewöhnlichen Berufen. Mein Bruder ist Glasmacher geworden, dafür ist er nach Thüringen gezogen." Dass sie als ausgebildete Sattlerin mit Fachrichtung Kfz eine Anstellung bekommen wird, davon ist sie fest überzeugt. "Wir werden überall gesucht, da findet sich sicher was."

Dessen ist sich auch Ramona Knaak sicher. Die Bürokraft berichtet stolz, dass es Sattlerinnen bei Perlwitz schon immer gegeben hat. Wie Anett Mundt: Seit 2013 im Unternehmen, hat hier gelernt und ist geblieben. "Ich bin sehr zufrieden", sagt die junge Frau und schneidet Planen zu. Dabei packt sonst auch Isabell Mater an. "Aber unser Azubi im 1. Lehrjahr ist gerade in der Schule", erzählt Ramona Knaak.

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