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An der Basdorfer Nelkenstraße drehen sich jetzt Bagger / Wandlitzer bedauern die Rodung

Bebauung
Kahlschlag für neue Häuser

Hier standen vor Wochen noch Bäume: Neben der Nelkenstraße entstehen nach dem Kahlschlag nun zehn Eigenheime.
Hier standen vor Wochen noch Bäume: Neben der Nelkenstraße entstehen nach dem Kahlschlag nun zehn Eigenheime. © Foto: MOZ/Hans Still
Hans Still / 17.03.2019, 11:15 Uhr
Wandlitz (MOZ) Das Abholzen von Wald führt regelmäßig zum Ärger. So drehen sich aktuell an der Nelkenstraße Bagger, um ein ehemaliges Waldgebiet für Eigenheime zu ebnen. "Der Ärger darüber kommt zu spät, die Bürger sollten sich früher für Bebauungspläne interessieren" reagiert Katrin Bornkessel vom Bauamt.

Der Wandlitzer Karl-Heinz Wulf gehört zu den Bürgern, die das Baugeschehen neben der Basdorfer Nelkenstraße mit einiger Verwunderung und gehörigem Ärger verfolgen. Dort wurde unlängst der Wald gefällt, um Platz für zehn neue Eigenheime zu schaffen. "Warum muss es immer ein Kahlschlag sein? Häuser hätten auch entstehen können, wenn einige Bäume stehen geblieben wären", ärgert sich der 70-jährige Wandlitzer.

Wie die Nachfrage im Wandlitzer Bauamt zeigt, wurde das Schicksal dieser Fläche offenkundig schon vor Jahren vorbestimmt. Im Zusammenhang mit den Planungen für den Rewe-Markt seien dort schon 1998 Eigenheime geplant worden. Nachdem die Fläche später den Eigentümer wechselte, kümmere sich nun der neue Eigner zügig um die Wohnbebauung, berichtet Katrin Bornkessel, Sachgebietsleiterin im Wandlitzer Bauamt. "Ich vergleiche das immer mit Stuttgart 21", sagt sie einigermaßen leidgeprüft und meint damit das zu geringe Interesse der Bürger an den laufenden Planungen in der Gemeinde. "Die Bürger werden oft erst wach, wenn die Technik anrollt. Aber das ist entschieden zu spät." Daher rät sie, die Veröffentlichungen in den Amtsblättern genauer zu verfolgen oder, besser noch, die Ausschüsse der Gemeindevertretung direkt zu besuchen.

Wer beispielsweise die Unterlagen für den gemeindeübergreifenden Flächennutzungsplan studiert, der stößt in Basdorf auf eine Entwicklung, die ebenfalls für Gesprächsstoff sorgen wird: Wenn dann die Sägen kreischen und die Bäume fallen, dürfte der Ärger groß sein. Südlich der jetzigen Einfahrt zum Gewerbegebiet werden nämlich auf der jetzt noch kräftig bewaldeten Fläche bereits sechs Hektar Gewerbegebiet ausgewiesen. Diese Fläche wurde laut Katrin Bornkessel von der Landesforstbehörde auf dem freien Markt verkauft, nunmehr steht die Umwidmung zum Gewerbeland bevor. "Der entsprechende Einleitungsbeschluss für den Bebauungsplan kommt im Mai in den Sitzungslauf, dann haben die Gemeindevertreter und die Öffentlichkeit die Gelegenheit, ihre Meinung zu sagen", weist die Sachgebietsleiterin auf die Möglichkeiten der demokratischen Einflussnahme hin. Demnach sei der "letzte Haken" noch nicht gesetzt. "Der Käufer ist über das Restrisiko informiert, die Gemeinde kann die Erweiterung auch versagen", heißt es dazu. Hintergrund dieser Entwicklung ist der Entwicklungswunsch eines Basdorfer Unternehmers, der dringend mehr Platz für weitere Hallen und die geplante Expansion benötigt.

Als "problematisch" bezeichnet Planerin Bornkessel die unterschiedlichen Zuständigkeiten. Geht es um Bauanträge im Innenbereich der Orte, zeichnet die Gemeinde verantwortlich. Bei Projekten im Außenbereich entscheidet die Untere Naturschutzbehörde und bei der Umwandlung von Wald in Bau- oder Gewerbeflächen genehmigt die Forstbehörde des Landes das Vorhaben. "Da wird in der Regel der komplette Kahlschlag genehmigt, die Fläche geht aus dem Bestand des Landesforst heraus, da spielt es möglicherweise keine Rolle mehr, ob noch Bäume stehen bleiben", vermutet Katrin Bornkessel.

Wie sie weiter sagt, sei es in Wandlitz mittlerweile eher selten der Fall, dass Wälder komplett gerodet werden.

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