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Premiere von "Alle meine Söhne" an Uckermärkischen Bühnen Schwedt wird zum Kriminalstück

Theater
Im Sog von Lüge und Hoffnung

Eine glückliche Familie? Nur scheinbar liegt Fröhlichkeit über der Szene im Wohnzimmer. Die Schauspieler Fabian Ranglack, Katarzyna ­Kunicka, Alexandra-Magdalena Heinrich und Uwe Heinrich (v.l.) offenbaren ein Gespinst aus Lügen und Verdrängung.
Eine glückliche Familie? Nur scheinbar liegt Fröhlichkeit über der Szene im Wohnzimmer. Die Schauspieler Fabian Ranglack, Katarzyna ­Kunicka, Alexandra-Magdalena Heinrich und Uwe Heinrich (v.l.) offenbaren ein Gespinst aus Lügen und Verdrängung. © Foto: Dina Schein
Eva-Martina Weyer / 18.03.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 17.03.2019, 19:42
Schwedt (MOZ) Erdrutschartig erzählt die neueste Theaterproduktion der Uckermärkischen Bühnen Schwedt vom Niedergang einer Familie. Das Stück "Alle meine Söhne" hat eine Premiere erlebt, die ein sichtlich bewegtes Publikum zurückließ. In den Beifall mischten sich Jubelrufe.

Schon in den ersten Spielszenen wird klar: Da ist etwas im Busche. Über der sommerlich leichten Atmosphäre auf der Wohnzimmerterrasse und den Scherzen der Familienmitglieder liegt etwas Bedrohliches. Der amerikanische Autor Athur Miller hat das in wenigen Dialogen skizziert.

Die Schauspieler um Regisseur Tilo Esche malen diese Skizze aus. Da ist Joe, Vater und Fabrikant von Flugzeugteilen im Krieg. Er hat eine fehlerhafte Produktion zu verantworten, in deren Folge 21 junge Piloten starben. Durch eine Lüge, in die auch Joes Frau Kate verstrickt ist, sitzt nun ein anderer im Gefängnis. Es ist Joes Geschäftspartner. Kate ahnt nicht oder will nicht wahr haben, dass auch ihr ältester Sohn Larry abgestürzt ist. Sie klammert sich an jeden Funken Hoffnung, er könnte noch leben.

Schauspielerin Alexandra-Magdalena Heinrich macht diese Kate zur brillantesten Rolle des Abends. Dünnhäutig, leidend und am Rande des Nervenzusammenbruchs geistert Kate durch den Alltag. Dabei ist sie elegant und hält liebend die Familie zusammen. Mit all diesen Nuancen stattet Alexandra Heinrich ihre Rolle aus.

Doch da ist auch Kates jüngster Sohn Chris, der Annie heiraten will, die Verlobte seines als vermisst geltenden Bruders Larry. Kate schleudert ihrem jüngsten Sohn entgegen: "Dein Bruder lebt, sonst hätte dein Vater seinen Sohn getötet."

Als die Schuld von Joe offenbar wird, gehen Mann und Frau, Vater und Sohn aufeinander los. Ihre so schönen Gesichter werden zu Fratzen. Hervorragend als Chris spielt Fabian Ranglack. Durch nuanciertes Spiel schaffen es Alexandra Heinrich und Uwe Heinrich als Bühnenpaar, dass man Kate und Joe nicht verurteilt, sondern die Gründe ihrer Lebenslügen verstehen kann. Doch da ist Chris, der von seinen Eltern einfordert, Verantwortung zu tragen.

In dem Maße, wie sich schleichend die Zerrüttung der Familie offenbart, zeigen sich auch Risse im Bühnenbild. Ein elegantes Wohnzimmer, Terrassenstufen, Blick nach draußen – Bühnenbildnerin Ulrike Reinhard lässt das alles schleichend bröckeln. Treppenstufen stehen plötzlich schief, Glas splittert auf dem Boden. Ein Sinnbild für die Zerstörung schönen Scheins. Am Ende haben Kate und Joe beide Söhne verloren. Joe wählt den Freitod.

Eine weitere Komponente des dramatischen Geschehens ist die von Enno Seifried komponierte Musik. Sie ergänzt ganz unterschwellig die Handlung, untermalt den ersten Kuss zwischen Chris und Annie oder begleitet drohend das Geheimnis um den Flugzeugabsturz von Larry. Hier wirkt Musik als Gefühlsverstärker. Was für ein Krimi!

"Alle meine Söhne" ist ein großer Theaterabend auf kleiner Bühne.

Vorstellungen: 22., 23. März, 19.30 Uhr, Karten: 03332 538111

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