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Viele Besucher besichtigen Anlage bei Biesenthal / Stasi-Spitze sollte hier im Ernstfall zwei Wochen überleben können

Bunker
Hinterlassenschaften des Kalten Krieges

Spuren der Zeit: Im Dispatcher-Raum konnte der Bunkerkommandant alle technischen Anlagen zentral steuern. Hier wurde durch Vandalismus vieles zerstört.
Spuren der Zeit: Im Dispatcher-Raum konnte der Bunkerkommandant alle technischen Anlagen zentral steuern. Hier wurde durch Vandalismus vieles zerstört. © Foto: Angela Kowalick
Angela Kowalick / 18.03.2019, 06:45 Uhr
Biesenthal Von Bunkeranlagen geht eine besondere Anziehungskraft aus. Während einige dieser Bauwerke gut erhalten sind und regelmäßig besichtigt werden können, sind andere schon seit der Wendezeit versiegelt. Gerade diese gelten als geheimnisumwitterte Orte und sind, da sie nicht oft besucht werden können, besonders interessant.

Am Wochenende gab es die seltene Gelegenheit, den sogenannten "Mielke-Bunker" zwischen Biesenthal und Sophienstädt zu besichtigen. Bunkerexperte und Autor Paul Bergner organisierte gemeinsam mit einigen Mitstreitern erneut die kurzzeitige Öffnung der seit der Wendezeit versiegelten unterirdischen Anlage des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit.

Weit über hundert Interessierte reisten dazu schon am Sonnabend aus ganz Brandenburg, Berlin und sogar Polen an. Lutz Friedrich war einer von drei Bunkerexperten, die die vielen Besucher durch die Anlage führten. Das unterirdische Bauwerk sollte im Fall eines chemischen, bakteriellen oder atomaren Angriffs den führenden Köpfen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Schutz bieten. "Nur den ,Köpfen’, nicht den Angehörigen", betonte Friedrich. Ein Großteil der 185 im Bunker beschäftigten Menschen seien Einsatzkräfte und Techniker gewesen.

Da der eigentliche Zugang vom Keller eines unscheinbaren DDR-Gebäudes verschüttet ist, gelangten die Besuchergruppen über einen speziellen Zugang und eine provisorische Treppe hinab in die Tunnelgänge. Zu sehen waren während der Führung die Reinigungsschleuse beziehungsweise die Entgiftungsanlage, die Wohn- und Arbeitsräume der Führungsebene sowie die medizinischen Räume. Besichtigt werden konnten auch die Reste der technischen Anlagen, die den Bunker mit Luft, Strom und Wasser versorgten und die Kommunikation am Laufen halten sollten. Die Anlage war darauf ausgelegt, im Ernstfall autark zu funktionieren.

"Für 14 Tage", bemerkte Friedrich immer wieder mit Nachdruck. Und er fügt hinzu: "So lange hätten hier drinnen die Führungsköpfe des MfS den Ernstfall überlebt. Aber nach 14 Tagen hätten sie wieder hinaus gemusst und da wäre dann nichts mehr gewesen." Weder die eigene Familie noch andere Menschen wären dann vermutlich noch am Leben. Darüber hinaus wäre die gesamte Umwelt wahrscheinlich verseucht und lebensfeindlich.

Der langfristige Nutzen einer Bunkeranlage – wäre aus dem Kalten Krieg ein Heißer Krieg geworden – wäre also genau genommen recht gering oder zumindest zweifelhaft gewesen. Das war schließlich die Einschätzung der meistens Teilnehmer an der Führung. "Man muss das einfach mal gesehen haben und sich bewusst machen, wie viel Geld die in diese Anlagen gesteckt haben und dann hätten sie nur für zwei Wochen etwas genutzt", fasst ein Besucher aus Berlin seine Eindrücke zusammen.

Paul Bergner verweist darauf, dass aus den Unterlagen zu dem Bunker unterschiedliche Angaben zu den Kosten hervorgehen. So liegen die Angaben für den Gesamtkomplex zwischen 118,2 und 123 Millionen Mark der DDR.

Am 30. und 31. März besteht die Gelegenheit, den Nachrichtenbunker der NVA in Kunersdorf zu besichtigen.

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