Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Schutz der 
Verbraucher noch lückenhaft

Das boomende Online-Geschäft birgt für die Verbraucher noch eine Menge Risiken in sich.
Das boomende Online-Geschäft birgt für die Verbraucher noch eine Menge Risiken in sich. © Foto: dpa
Andreas Wendt / 10.05.2010, 20:16 Uhr - Aktualisiert 10.05.2010, 20:17
Frankfurt (Oder) (In House) Bei der Angleichung des europäischen und nationalen Konsumentenrechts will Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Anita Tack (Linke) die Nachbarschaft zu Polen sowie die demografische Entwicklung im Blick behalten. Unter ihrem Vorsitz tagte am Montag in Frankfurt (Oder) die Verbraucherschutzministerkonferenz.

„Die europäische Verbraucherschutzpolitik wird zwar in Brüssel gestaltet, sie entfaltet ihre Wirkung aber nur, wenn sie vor Ort mit Leben versehen wird“, sagte Anita Tack im Senatssaal der Europa-Universität Viadrina. Hier debattierten Vertreter der EU-Kommission, des Europaparlaments, der Verbraucherverbände, des Bundes und der polnischen Regierung über das schwierige Zusammenwachsen von nationalem und europäischem Verbraucherrecht. Als beispielgebend für europäische Integration und grenznahe Verständigung bezeichnete Tack das auch aus EU-Mitteln finanzierte deutsch-polnische Informationszentrum, das zu grenzüberschreitenden Verbrauchergeschäften auf beiden Seiten der Oder berät. Die über 250 Kilometer lange Grenze zu Polen erfordere eine speziell auf die Bedürfnisse der Verbraucher im grenznahen Raum abgestimmte Informations- und Beratungstätigkeit.

Mehr Aufmerksamkeit will das Tack-Ministerium künftig auch Kindern und Jugendlichen sowie älteren Menschen widmen. Schüler sollen der Ministerin zufolge von klein auf einen kompetenten Umgang mit den eigenen Finanzen erlernen, damit sie nicht in die Schuldenfalle tappen. Mit der Brandenburger Verbraucherzentrale bereite man ein Aktionsprogramm vor, um verbraucherpolitische Themen in den Unterricht an den Schulen zu integrieren. Darin soll auch die Kritikfähigkeit an übersteigertem Konsumverhalten geschult werden. „Emanzipierte Jugendliche machen ihre eigene Anerkennung nicht davon abhängig, ob sie das aktuellste Handy oder den letzten Modeschrei besitzen“, sagte Anita Tack.

Die Konferenz an der Viadrina unter Brandenburger Vorsitz widmete sich vor allem Gefahren und unterschiedlichen Gesetzen, denen sich Verbraucher in Europa noch ausgesetzt sehen. Insbesondere das boomende Online-Geschäft birgt nach Ansicht von Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen noch eine Menge Risiken in sich. Vor allem so genannte Abo-Fallen, bei denen Internetuser unbewusst Verträge abschließen, ohne die Folgekosten abschätzen zu können, seien in Deutschland ein Problem. In Frankreich, berichtete Bernd Krieger vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland in Kehl, sei diese Falle längst beseitigt. Dort würden Internetnutzern detailliert die Kosten aufgeführt, die sie vor Vertragsabschluss zu bestätigen hätten.

Anita Tack forderte auf der Konferenz deshalb, bei einer Vereinheitlichung der europäischen Verbraucherrechte die Kunden jener Mitgliedsstaaten mit bereits hohen Verbraucherschutzstandards nicht schlechter zu stellen. Generelles Ziel müsse es sein, Informationen verständlicher und transparenter zu gestalten.

Internet- und Telefonverträge hätten nach wie vor für den Verbraucher einige Fußangeln. Bei Werbeanrufen seien zwar eine Einwilligung als Voraussetzung festgeschrieben, das Widerrufsrecht erweitert und die bis dahin übliche Rufnummernunterdrückung verboten worden. „Bislang vorliegende Erfahrungen lassen jedoch darauf schließen, dass die Widerrufsregelung die Verbraucher nach wie vor nicht ausreichend schützt“, betonte Anita Tack und kündigte an, gegenüber dem Bund Nachbesserungen einzufordern. So sollten telefonisch abgeschlossene Verträge noch einmal schriftlich bestätigt werden, bevor sie wirksam in Kraft treten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG