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Schulprojekt
Erinnerung an Zwangsarbeit

Sichtung von Fotos und Karten: Lehrerin Jana Rieger und die Schülern Marcelo Franjev, Luca Rosemann und Neele Reiter (v.l.) wählen Material für eine Ausstellung aus.
Sichtung von Fotos und Karten: Lehrerin Jana Rieger und die Schülern Marcelo Franjev, Luca Rosemann und Neele Reiter (v.l.) wählen Material für eine Ausstellung aus. © Foto: Wolfgang Rakitin
Olav Schröder / 10.04.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 10.04.2019, 08:19
Biesenthal (MOZ) Mit einem Erinnerungsprojekt wollen drei Schüler der Freien Naturschule Barnim in Biesenthal an das Schicksal von Zwangsarbeitern während des Nationalsozialismus erinnern. Im Rahmen dieses deutsch-tschechischen Kooperationsprojektes bereiten sie eine Ausstellung und die Aufstellung von Stelen vor.

Neele Reiter, Marcelo Franjev und Luca Rosemann beugen sich mit ihrer Lehrerin Jana Rieger über Karten, Texte und Fotos, die sich alle auf das Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus beziehen. Die drei Schüler aus der Sekundarstufe II befassen sich seit mehreren Monaten mit dem Projekt, das den Titel trägt "Die Würde des Menschen ist (un)antastbar". Sie wollen speziell den vergessenen Opfern der Zwangsarbeit in Biesenthal nachgehen. Wie sie sagen, haben sie in der Stadt große Unterstützung gefunden. Als sie ihr Vorhaben in der Stadtverordnetenversammlung vorstellen, nennen sie die Ortschronistin Gertrud Poppe. Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch ist Schirmherr des deutsch-tschechhischen Projekts.

Ziel des Erinnerungsprojektes sei es, "Unrecht sichtbar zu machen, damit die Erinnerung daran nicht verloren gehen kann", sagen sie. Und sichtbare Ergebnisse sollen am Ende des Vorhabens über viele Jahre bestehen bleiben. So ist geplant, im Sommer sieben Steinstelen in und um Biesenthal an Orten der Zwangsarbeit aufzustellen. Vorgesehen ist, dass dies zusammen mit tschechischen Jugendlichen aus Semily im Böhmischen Paradies, das etwa 50 Kilometer von Prag entfernt liegt, geschieht. Tschechische Zwangsarbeiter wurden auch in Biesenthal eingesetzt, berichten die Schüler. Unterstützung erhielten sie auch von der gemeinnützigen Opfer-Organisation "Ziva pamet" aus Prag, die Bild- und Fotomaterial aus ihren Archiven zur Verfügung stellte. Außerdem wurde der Kontakt zu zwei ehemaligen Zwangsarbeitern aus Biesenthal vermittelt. Mit den heute über 90-Jährigen wurden Interviews gedreht. Alle Ergebnisse sollen in einer Ausstellung zusammengetragen und in einer Ausstellung im Rathaus sowie auf einer eigenen Webseite dargestellt werden.

Das Projekt wird insgesamt durch die Stiftung "Erinnern, Veranstwortung, Zukunft" und durch den Jan Palach-Fonds der Freien Gemeinschaftsbank gefördert.

Orte der Zwangsarbeit

Mehrere Standorte sind für die Aufstellung von Gedenksteinen im Gespräch. Wie die Biesenthaler Stadtverordnetenversammlung festgelegt hat, soll der Sozialauschuss das Projekt und die Auswahl von einzelnen Standorten begleiten. Die Nachforschungen ergaben, dass in und um Biesenthal Tschechen, Italiener, Franzosen, Flamen, Serben, Belgier und Holländer Zwangsarbeit leisten mussten. Auf Bauernhöfen wurden demnach Polen, Ukrainer und Sowjetbürger eingesetzt.

Als Standorte wurden unter anderem der Heideberg, der Hellmühler Weg und die Naturschule selbst (stellvertretend für Bauernhöfe) vorgeschlagen.⇥fos

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