Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Riesiger See
Flutung von ehemaligem Tagebau beginnt

Blick von einem Aussichtsturm über den ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord. Aus der Grube soll einmal der größte künstliche See Deutschlands mit etwa 19 Quadratkilometern Wasseroberfläche entstehen – der Cottbuser Ostsee.
Blick von einem Aussichtsturm über den ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord. Aus der Grube soll einmal der größte künstliche See Deutschlands mit etwa 19 Quadratkilometern Wasseroberfläche entstehen – der Cottbuser Ostsee. © Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild
dpa / 10.04.2019, 09:45 Uhr
Cottbus (dpa) Im ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord heißt es am Freitag (19.30 Uhr) "Wasser marsch!". Künftig soll dort nach Angaben des Betreibers Brandenburgs größtes Gewässer, der Ostsee, entstehen.

Durch eine 1,60 Meter dicke und 145 Meter lange Rohrleitung soll Wasser aus der Spree in das Tagebauloch fließen – insgesamt rund eine Million Kubikmeter. Mit knapp 19 Quadratkilometer Wasserfläche solle daraus ein riesiger künstlicher See werden, teilte der Braunkohlenkonzern Leag mit.

Auch ein neues Hafenquartier mit Wohnungen, Gewerbe, Tourismus und Wassersport soll dabei entstehen. Das Land fördert den Bau der Kaimauer nach eigenen Angaben mit mehr als fünf Millionen Euro, die Gesamtkosten liegen demnach bei knapp 6,8 Millionen. Im Oktober 2019 soll sie fertig sein.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch will das geplante Hafenquartier zu einem Öko-Stadtteil machen - CO2-neutral. Kelch nannte als Ideen für das neue Viertel Hochhäuser in Holzblockbauweise, Radwege auf Photovoltaik-Platten und Fernwärme aus Seewasser-Pumpen. Der Stadtteil solle in seiner Bilanz mehr Schadstoffe schlucken, als er produziere.

Das Wasser für den neuen See kommt nach Betreiberangaben zu etwa 80 Prozent aus der Spree, circa 20 Prozent werden aus dem Grundwasser bezogen. Der Ostsee wird demnach größer als Schwieloch- und Scharmützelsee – und gut zweieinhalb Mal so groß wie der Große Müggelsee.

Im Jahr 2025 wird das Wasser nach Angaben der Leag die notwendige Mindesthöhe von 2,70 Meter in der Mitte des Sees erreicht haben. An den Rändern des ehemaligen Tagebaus kann das Wasser durch die Gräben bis zu 30 Meter tief sein.

Die Füllmenge des Sees wird durch die Flutungszentrale des Bergbausanierers Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) gesteuert. Der Tagebau war Ende 2015 stillgelegt worden. Seitdem waren nach Leag-Angaben 20 Millionen Kubikmeter Erde zur Formung des Seebeckens und der Ufer bewegt worden.

Aus Sicht von Umweltverbänden in der Lausitz wäre es besser gewesen, man hätte einen etwas tieferen See mit kleinerer Oberfläche angelegt. Die Brandenburger Grünen warnten außerdem davor, die Leag zu schnell aus der Verantwortung für den See zu entlassen, damit nicht die öffentliche Hand für alle Folgeschäden haftet.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Hartmut Konipanzki 11.04.2019 - 13:41:50

Ich hatte nicht bis 10 gezählt!

Es sind natürlich nur 13 Jahre, bis der See voll gefüllt ist! Dann werden aber über 9 Mio m³ pro Jahr aus der Spree abgezogen, mein Problem bleibt: wird das für die Anrainer spreeabwärts ohne Folgen bleiben?

Hartmut Konipanzki 11.04.2019 - 13:35:34

Ich hätte bis 10 zählen sollen!

Es sind ja nur 13 - nicht 23 Jahre - bis zum Ende der Befüllung des Ostsee´s! Damit erhöht sich der jährliche Bedarf an "Spreewasser" auf etwas mehr, als 9 Mio m³. Mein Problem bleibt das gleiche: Verkraften das die Anrainer der Spree?

Hartmut Konipanzki 11.04.2019 - 13:25:26

(betrifft Artikel "Ehemaliger Tagebau läuft voll") Etwas mehr Präzision bitte!

In der Printausgabe vom heutigen 11.04.19 ist der Artikel gekürzt und macht folgenden Kommentar nötig: Der "Ostsee" wird eine Wassermenge von 150 Mio m³ beinhalten! Seine Flutung soll jetzt beginnen und 2030 abgeschlossen sein. Da ist die Einleitung von "insgesamt rund 1 Mio m³" aus der Spree ein Tropfen auf den heißen Stein (das heißt: sie dauert über 100 Jahre!) Wenn von den 150 Mio m³ 80% aus der Spree eingeleitet werden, sind das 120 Mio m³, verteilt auf die 23 Jahre bis 2030 sind das jährlich über 5 Mio m³. Kann diese 5-fache Menge dem Fluss ohne Folgen für die Anrainer (insbesondere Berlin) entnommen werden? Unpräzise ist auch die Information, der See werde in der Mitte eine Mindesttiefe von 2,70 m haben, bei der Form dieses Gewässers wird die Mitte nur schwer lokalisierbar sein! Richtig ist, dass er unter der Fläche von 1900 ha zwischen 2,5 und 30 Metern tief sein wird. Ich würde mich über entsprechende Erläuterungen in der MOZ freuen!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG