Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Beratung
Hilfe für Drogenkranke

Jens Hertrich: leitet die Jugendsuchtberatung der Arbeiterwohlfahrt
Jens Hertrich: leitet die Jugendsuchtberatung der Arbeiterwohlfahrt © Foto: Martin Stralau/MOZ
Martin Stralau / 11.04.2019, 22:45 Uhr
Strausberg (MOZ) Seit Februar ist Jens Hertrich bei der Awo im Otto-Grotewohl-Ring 1 mit der Aufgabe der Jugendsuchtberatung und Sucht-Prävention betraut. Von hier aus betreut er im Auftrag des Landkreises Märkisch-Oderland den Bereich vom Berliner Rand bis Müncheberg. Für die Regionen Seelow und Bad Freienwalde leistet diese Aufgabe die Diakonie mit ebenfalls einer Vollzeitstelle.

Beratungsbedarf ist enorm

Derzeit ist der 38-jährige Sozialarbeiter dabei, sein Angebot bekannt zu machen, geht dafür in Schulen, Ämter und Einrichtungen der Jugendhilfe. "Ich habe in den ersten zwei Monaten festgestellt, dass viele Eltern und Angehörige, die Jugendliche mit Suchtproblemen haben, unsere Beratung noch nicht kennen", erzählt Hertrich. Eine Zeit lang sei die Stelle unbesetzt gewesen. "Da haben diese Aufgabe meine vier Kolleginnen von der Drogen- und Suchtberatung für Erwachsene mit übernommen." Der Bedarf sei enorm. Allein im vergangenen Jahr seien 115 Fälle in der Beratungsstelle gelandet. "Die Dunkelziffer derjenigen, die eine Beratung bräuchten, liegt aber viel höher", sagt er.

Dabei gehe es vorwiegend um den Konsum von illegalen Substanzen wie Cannabis und Amphetaminen. Alkoholmissbrauch spiele eine eher untergeordnete Rolle. "Unsere Zielgruppe sind Zwölf- bis 27-Jährige mit Suchtproblemen", sagt Hertrich. "Grundsätzlich zielt unsere Arbeit auf ein drogenfreies Leben der Jugendlichen ab. Wenn sie jedoch zu uns kommen, und bereits Drogen konsumieren, versuchen wir zunächst, mögliche gesundheitliche und soziale Schäden zu minimieren und eine verantwortungsvolle Konsumkompetenz zu entwickeln", sagt er. "Wir zeigen auf, was passieren kann, wenn sie zehn Jahre so weitermachen." Dieses Bewusstmachen sei wichtig, denn die negativen Konsequenzen langjährigen Drogenkonsums seien für viele Jugendliche noch nicht spürbar. Sie bekämen beispielsweise auch vermittelt, dass ein Mischkonsum fatale Auswirkungen habe. "Wenn ich Cannabis und Amphetamine im Wechsel nehme, erhöht das die Wahrscheinlichkeit für drogenindizierte psychische Störungen, die chronisch werden können."

Daneben steht die Entwicklung von Alternativen zum Drogenkonsum. "Viele betroffene Jugendliche, mit denen ich spreche, berichten von den positiven Effekten. Sie sagen, Drogen helfen ihnen, einzuschlafen, sie zu entspannen. Sie kennen keine anderen Handlungsstrategien mehr, um ihre Probleme zu lösen", sagt Hertrich. Hier setze die Beratung an. "Wir sprechen mit ihnen über Hobbys und Interessen, die sie früher gelebt haben. Und dann versuchen wir, sie in Vereine zu vermitteln, wo sie sich im Sport ausleben können. Oder wir versuchen, Möglichkeiten im kreativen Bereich zu finden, beispielsweise der Musik. Natürlich vermitteln wir auch in Entwöhnungsbehandlungen oder andere therapeutische Angebote."

Die Suchtberatung richte sich aber neben den direkt Betroffenen auch an ihre Eltern und Angehörigen sowie an andere Sozialarbeiter, Lehrer und Mitarbeiter der Jugendhilfe. "Das sind Multiplikatoren für uns", sagt Hertrich. Er steht außerdem für Präventionsveranstaltungen in Schulen zur Verfügung. "Schulen sind eine wichtige Kontaktfläche für uns, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, Auffälligkeiten zu entdecken und ihnen die Angst zu nehmen, unsere Beratung zu nutzen." Alles, was bei der Beratung besprochen werde, unterliege der gesetzlichen Schweigepflicht, fügt Hertrich an.

Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten

Die Suchtberatungsstellen für Jugendliche in Strausberg und Seelow werden vom Landkreis und Land Brandenburg gefördert. Träger sind die Arbeiterwohlfahrt und das Diakonische Werk, die die Stellen im Auftrag des Landkreises betreiben. Außerdem gibt es eine Jugendsuchtpräventionsfachstelle der Caritas in Strausberg, finanziert vom Land. Die Awo-Beratung im Otto-Grotewohl-Ring 1 hat Mo.–Fr. von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Kontakt: Tel. 03341 4908821; E-Mail: hertrich­-awo@ewe.net. Es gibt auch eine Facebook-Seite: www.facebook.com/jugendsuchtberatungstrausberg⇥mst

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG