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Eingewanderte Kleinbären und Marderhunde werden trotz steigender Abschusszahlen zur Plage. Sie plündern die Nester geschützter Tierarten und dringen in Dörfer vor.

Räuber unterwegs
Waschbär erobert die Uckermark

Waschbären sind hervorragende Jäger: Sie breiten sich rasant aus, plündern Vogelnester, Blumenrabatten und Komposthaufen.
Waschbären sind hervorragende Jäger: Sie breiten sich rasant aus, plündern Vogelnester, Blumenrabatten und Komposthaufen. © Foto: Peter Steffen
Oliver Schwers / 12.04.2019, 06:30 Uhr
Prenzlau (MOZ) Er raubt junge Gänse, plündert Vogelnester auf Bäumen, verspeist Sumpfschildkröten und macht sogar vor Großvögeln nicht Halt: Der Waschbär ist zur Plage in der Uckermark geworden. Der Nachwuchs seiner Mitte des 20. Jahrhunderts in Hessen ausgesetzten Vorfahren hat sich fast überall in Deutschland verbreitet. In Ostbrandenburg fühlt er sich besonders heimisch. Der Kleinbär dringt bis in Gärten vor, tobt nachts auf Garagendächern herum, sitzt in Bäumen, schreckt Hunde und Katze auf.

Vor allem Niederwild ist den hungrigen Waschbären ausgesetzt, die in immer größerer Zahl auftreten. Genaue Zahlen gibt es nicht. Sogar Experten wie Harald Wendt, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung, trauen sich keine Schätzung zu. Doch schon die Zahl der durch Jäger geschossenen Tiere spricht für sich: Im Jagdjahr 2014/15 erlegten Jäger in Brandenburg 24 100 Waschbären. Im vergangenen Jahr waren es schon 35 785. "Obwohl so viele weggeschossen werden, steigt die Population", sagt Harald Wendt. Ironie der Natur: Durch den Abschuss wächst die Reproduktionsrate der Überlebenskünstler. Und er hat kaum natürliche Feinde – das ist das Hauptproblem.

Besondere Sorgen bereitet der Heißhunger auf geschützte Arten. In der Uckermark werden seit Jahren mit großer Mühe Sumpfschildkröten gehütet. Singvögel können noch so hoch bauen – der Waschbär klettert behende in den Wipfel. Er kann sogar greifen, um frei hängende Nester auszurauben. Er richte sogar Schaden bei Schwarzstorch und Schreiadler an, weiß Harald Wendt.

Es gibt offenbar nur wenige Möglichkeiten, sein Treiben einzudämmen. An Baumbändern mit einer schmierigen Klebemasse rutscht er zum Beispiel ab. Aber das sieht im Wald natürlich skurril aus. Und die Jäger – es gibt einige in der Uckermark, die schießen bis zu 90 Stück pro Jahr – schaffen es zeitlich kaum, zusätzliche Fallen aufzustellen. Eine Abschussprämie fehlt.

Abschussprämie fehlt

Doch damit nicht genug: Noch ein Neubürger ist auf dem Vormarsch, wenn auch nicht so extrem wie Kollege Waschbär. Der Marderhund fühlt sich ausgerechnet in der Uckermark wohl. 40 Prozent aller in Brandenburg geschossenen Tiere – es sind rund 8000 pro Jahr – gehen auf das Konto uckermärkischer Jäger. Auch der Marderhund richtet Schaden an, kann aber nicht klettern. Dafür holt er sich Bodenbrüter, Wassergeflügel, Amphibien – zum großen Ärger von Artenschützern. "Allerdings wachsen die Bestände nicht in den Himmel, weil sie durch die Räude dezimiert werden", sagt Harald Wendt. "Normalerweise muss das natürliche System damit klarkommen, aber wir wollen Waschbär und Marderhund das Feld nicht einfach kampflos überlassen." Damit sind weiter die Jäger gefragt. Der Waschbär wird aus 72 Prozent aller Jagdreviere gemeldet.

Waschbären

Die meisten Menschen empfinden Waschbären schon vom äußeren Erscheinungsbild als niedlich. In Deutschland sollen sie aus einer Gehegehaltung schon vor weit über 100 Jahren geflohen sein. In Brandenburg gab es einen Ausbruch aus einer Farm 1945 bei Strausberg. Seitdem erobern sie fast alle Gebiete. Grobe Schätzungen gehen von etwa einer Million Exemplaren in der Bundesrepublik aus.

Waschbären gelten als Kulturfolger, sind teilweise recht zahm. Sie wiegen zwischen drei und neun Kilogramm. Ihre schnell wachsende Population erklärt sich auch aus der kurzen Tragezeit von nur 65 Tagen, wobei bis zu fünf Jungtiere geboren werden.

Der Begriff Waschbär ist vermutlich auf sein Verhalten zurückzuführen, die Nahrung unter Wasser zu tauchen. Das lässt sich in Gehegen beobachten.

Jüngere Forschungen gehen davon aus, dass die Zahl der Tiere ab einer bestimmten Dichte nicht mehr zunimmt.⇥Oliver Schwers

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