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Beim Vor-Ort-Termin des blauen rbb-Roburs am Strandbad Stienitzsee bleiben die Gegner  einer Bauschutthalde unter sich.

Protest
Eine Wand der Ablehnung

Die Gegenspieler blieben aus: Einwohner mehrerer Ortsteile der Gemeinde Rüdersdorf protestieren gegen eine neue Bauschutthalde zwischen Hennickendorf und Herzfelde. rbb-Reporter Michael Scheibe (r.) hat den HKV-Chef vorher befragt.
Die Gegenspieler blieben aus: Einwohner mehrerer Ortsteile der Gemeinde Rüdersdorf protestieren gegen eine neue Bauschutthalde zwischen Hennickendorf und Herzfelde. rbb-Reporter Michael Scheibe (r.) hat den HKV-Chef vorher befragt. © Foto: Jens Sell/MOZ
Jens Sell / 14.04.2019, 23:19 Uhr
Hennickendorf (MOZ) Jürgen Rudorf ist Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Gesund leben am Stienitzsee und gleichzeitig deren akribischer Rechercheur. Wenn er auf Fakten verweist, dann hält er einen Packen Papier hoch, wo zum Beispiel aufgelistet ist, welche Abfallstoffe die Herzfelder Kreislaufwirtschafts- und Verwertungs GmbH (HKV) auf dem Gelände zwischen Hennickendorf und Herzfelde bis zu 40 Meter hoch auftürmen will. Auch am Freitagabend hat Rudorf seine Argumente schwarz auf weiß zum Strandbad Stienitzsee mitgebracht, wo sich der blaue rbb-Robur-Bus zum Vor-Ort-Termin angemeldet hat. Zwar fragt rbb-Reporter Michael Scheibe, nachem er aus dem Bus gesprungen ist, zuerst Zinayida Unglaube, doch sie steht als Mitglied der Bürgerinitiative ebenfalls gut im Stoff: "Wir sind hier ein Naherholungsgebiet, die grüne Lunge Berlins, und wenn die Deponie kommt, haben wir Angst vor Schadstoffen und Feinstaub." Diese Belastung werde Rüdersdorf zum schmutzigsten Ort in Brandenburg machen. Jürgen Rudorf lenkte das Augenmerk auf den Lkw-Verkehr: "Alle ein­einhalb Minuten wird ein Schwerlaster durch unseren Ort rollen."

Nur kurz sind die später gesendeten Zitate. Mehrmals geriet das Rathaus unter Beschuss, so von Dirk May: "Die Verwaltung schläft, der Bürgermeister schreitet nicht ein!" Viel Beifall gibt es für jede Äußerung, in diesem Falle aber nicht von Bürgermeister André Schaller (CDU), an den sich Michael Scheibe ebenfalls wendet. "Die Firma HKV hat noch keinen Antrag eingereicht, dennoch haben wir ihr schon mitgeteilt, dass es hier keine Halde geben wird." Der gültige Flächennutzungsplan der Gemeinde weise an der Stelle der Tonlöcher Grünland aus, und die gemeinde habe noch immer die Planungshoheit in ihrer Gemarkung, betonte Schaller. Zu dem von Teilnehmern geäußerten Vorwurf der mangelnden Transparenz sagte er: "Jeder Gemeindevertreter hat Zugang zu allen unterlagen. Die Firma hat bis jetzt nur eine Beratungsvorlage an das Landesumweltamt gesandt. Sobald der Antrag gestellt wird, werden die Unterlagen für jeden Bürger in der Gemeinde ausgelegt." Bisher sei das Vorhaben von der HKV nur verfahrenstechnisch ausgelotet worden, was die Gemeinde aber genutzt habe, ihre ablehnende Haltung auszudrücken, sagt der Bürgermeister.

Ministerpräsident eingeladen

Der Reporter  hatte zuvor den HKV-Geschäftsführer interviewt und bringt dessen Behauptung, es werde kein Lkw mehr als heute fahren, zur Sprache. Höhnisches Gelächter und Kopfschütteln sind die Reaktion. Auch der HKV-Vorschlag, die künftige Halde zu einem parkähnlichen Naherholungsgebiet zu machen, wird verlacht. Die zweite Vorsitzende der BI, Katharina Wendel, nennt es zynisch, Bürgermeister Schaller makaber: "Wir wollen die Renaturierung des Bergbaugeländes und dann einen Schutzstatus erreichen. Wir haben diese Fläche als grün ausgewiesen, und wir werden diesen Plan fortschreiben."

Als rbb-Reporter Michael Scheibe gespielt ratlos fragt. "Aber wo soll denn der Bauschutt hin?", ruft ein Teilnehmer "Vor den Bundestag!" und erntet Lachen und Beifall.

Katharina Wendel informiert noch darüber, dass die Bürgerinitiative Ministerpräsident Dietmar Woidke zum Umweltdialog am 16. Mai einladen werde. Die rund 100 Teilnehmer der Protestaktion sind entschlossen, alle Hebel gegen die Deponie in Bewegung zu setzen.

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Stephan Meyer 15.04.2019 - 20:32:37

Wohin mit mineralischen Abfällen?

Alleine in Berlin fallen jährlich bis zu 4,3 Millionen Tonnen mineralische Abfälle in der Bauwirtschaft an. Tendenz steigend, da in Berlin und Speckgürtel massiv neuer Wohnraum geschaffen werden muss. Die Deponierungskapazitäten haben durch die Schließung diverser Deponien im Umland von Berlin abgenommen. Also müssen zwangsläufig neue Kapazitäten geschaffen werden. Sonst wird die Wohnungsmangel weiterhin anhalten oder die Kosten für den Wohnungsbau werden zwangsläufig weiter steigen. Hohe Entsorgungskosten führen auch vermehrt zu einer illegalen Entsorgung von Abfällen auf nicht genehmigten und behördlich überwachten Ablagerungsflächen (Wald und Wiesen). Irgendwo müssen diese Abfälle einer geregelten und überwachten Entsorgung zugeführt werden. Aber in Deutschland herrscht nun mal die „Not in my backyard Mentalität“ vor!

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