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Verkehr
Die Bahn wird schneller und besser – bei der Reparatur

Wartung im stillen Örtchen: Ein Mitarbeiter der DB-Regio-Werkstatt Berlin-Lichtenberg überprüft die Funktionen der Toilettenanlage. 60 Mitarbeiter sind für die Reparaturen von 140 Zügen zuständig.
Wartung im stillen Örtchen: Ein Mitarbeiter der DB-Regio-Werkstatt Berlin-Lichtenberg überprüft die Funktionen der Toilettenanlage. 60 Mitarbeiter sind für die Reparaturen von 140 Zügen zuständig. © Foto: dpa/Bernd Settnik
Andreas Wendt / 17.04.2019, 06:00 Uhr
Berlin (MOZ) Jeder Bahnreisende kennt es aus eigener Erfahrung: Die Blase drückt, doch die Toilette im Waggon ist gesperrt, die nächste besetzt. Oder auf einem überfüllten Berliner Bahnhof will man in den Regionalzug einsteigen, doch an der Tür prangt nur ein gelber Zettel, auf den mit schwarzer Schrift geschrieben steht: "Tür defekt".

Für Pendler ist das ärgerlich, für die Bahn auch, doch sie nennt es Komfortstörung. In den Werkstätten der Deutsche Bahn-Tochter DB Regio befassen die Techniker zu etwa 70 Prozent mit solchen Komfortstörungen an den 550 Fahrzeugen, die in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind.

"Komfortstörungen" nehmen zu

Kaputte Türen, defekte Klimaanlagen, verstopfte Toiletten, aufgeschlitzte Sitzpolster oder fehlerhafte Fahrgastinformationen auf den Monitoren – in der Vergangenheit sind nach Aussagen von Bernd Schniering, Leiter Produktion bei der DB Regio Nordost, pro Tag bis zu 670 solcher Störungsmeldungen eingegangen und mussten möglichst zeitnah beseitigt werden. Mit der Folge, dass ein "gestörter" Waggon mal schnell abgekoppelt und in die Werkstatt gerollt werden musste und dieser Waggon mit seinen 125 Sitzplätzen im Berufsverkehr fehlte. Was wiederum der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg abstrafte, weil die vertraglich vereinbarte Kapazität nicht eingehalten wurde. Inzwischen hat sich die Fehlerquote halbiert, doch Schniering weiß, "dass die Bahn in der öffentlichen Wahrnehmung leider als nicht zuverlässig gilt".

Dieses Bild der Bahn ärgert Schniering genauso wie seinen Werkstattleiter in Lichtenberg, Olaf Möller, wenn der in funktionsunfähigen Toiletten Getränkedosen und sogar Kleidungsstücke findet. In der Werkstatt werden die Kloschüsseln aus Metall regelmäßig in einer riesigen Spülmaschine mit Zitronensäure gereinigt und die Rohrleitungen mit einer neuen, 40 000 Euro teuren Waschanlage von Rückständen befreit. Alle zwei Tage müssen die WCs entleert und die Wassertanks neu befüllt werden. "Entstandene Schäden werden in der Regel an einem Tag in der Werkstatt abgearbeitet", sagt Werkstattleiter Möller. Für akute Fälle hält DB Regio noch mobile Teams in Reserve, die bei Störungen auf Abstellgleisen in Frankfurt (Oder) oder Wünsdorf Schäden vor Ort beseitigen, ohne dass der havarierte Waggon in die Werkstatt muss. "Sie erhalten ihre Aufträge elektronisch über ihr Tablet und fahren dann zu den jeweiligen Abstellorten, wo wir auch die wichtigsten Ersatzteile lagern", erklärt er.

Im Normalfall steuert ein Zug nach jeweils 27 000 gefahrenen Kilometern eine Werkstatt an. Bei 1000 Kilometer Laufleistung am Tag steht also einmal monatlich ein Werkstattbesuch an. Die Werkstatt in Lichtenberg mit ihren 60 Mitarbeitern ist rund um die Uhr und an jedem Tag besetzt. Kommt ein Zug nach der letzten Fahrt nachts um 2 Uhr zum "Boxenstopp", müssen die Arbeiten bis 15 Uhr abgeschlossen sein. "Unser Ziel ist", betont Olaf Möller, "dass kein Wagen die Werkstatt mit einer Komfortstörung verlässt".

Um dem Vandalismus, gerade auf den Zug-Toiletten, vorzubeugen, hat DB Regio Nordost beim nach Rostock fahrenden RE5 zwei WCs komplett mit riesigen Folien beklebt. Wer dort seine Notdurft verrichtet, glaubt, mitten auf einer mit Blumen bewachsenen Wiese zu sitzen. Der Vorteil: Graffiti sind von der Folie leichter zu entfernen als vom üblichen Material, das im Zug verbaut worden ist. "Wir wollen mal schauen, ob sich das bewährt", sagt Möller.

Zug mit Folie beklebt

Und noch etwas anderes hat sich die Bahn einfallen lassen. Die Tücher zum Abtrocknen der Hände sind jetzt aus einem Material, das sich wie von Zauberhand im Wasser auflöst. Man habe den Anbieter gewechselt und hoffe nun auf weniger Störungen. "Eine WC-Störung kann mitunter auch zu Zugausfällen führen", sagt DB Regio-Produktionschef Bernd Schniering. Und genau das soll vermieden werden.

So wartet DB Regio seinen Fuhrpark

DB Regio Nordost verfügt über 550 Fahrzeuge und fünf Werkstätten. Die drei großen Standorte sind in Berlin-Lichtenberg, Rostock und Cottbus, außerdem werden die Fahrzeuge in Neuruppin und Neubrandenburg gewartet. Täglich fahren 1400 Züge durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie legen pro Tag 120 000 Kilometer zurück.

Die Pünktlichkeitsquote lag 2018 bei 94,3 Prozent (2017: 93,7 Prozent) und stieg 2019 bisher auf knapp über 96 Prozent. 140 Fahrzeuge werden in Berlin-Lichtenberg gewartet, wo 60 Mitarbeiter beschäftigt sind.⇥ndt

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