Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Obwohl er gar nicht vor Ort war, soll ein 24-jähriger Fürstenwalder beim Dorffest in Steinhöfel zugeschlagen haben.

Gericht
Unschuldig auf der Anklagebank

Eine Justitia-Statue auf dem Dach des Justizpalastes in München
Eine Justitia-Statue auf dem Dach des Justizpalastes in München © Foto: Sven Hoppe
Annemarie Diehr / 17.04.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Die Erleichterung ist ihm ins Gesicht geschrieben. "Ich freue mich, dass jetzt alles aufgedeckt ist", sagt der Fürstenwalder. Knapp drei Jahre liegen zwischen dem Moment, in dem er zum Gewalttäter geworden sein soll und der Verhandlung am Amtsgericht Fürstenwalde. Monatelang lastete die Anschuldigung auf ihm, eine Frau beleidigt und einen Mann bewusstlos geschlagen zu haben. Wenige Tage nach seinem 24. Geburtstag dann der Freispruch: Ein anderer wurde im August 2016 zum Schläger.

Die Sommernacht ist lau, die Stimmung aufgeheizt, als sich zwischen einer Gruppe von Freunden Streit entspinnt. In Steinhöfel haben sie Dorffest gefeiert, jetzt wollen sie im Auto zurück nach Hause. "Eigentlich hatte ich versprochen, ihn mitzunehmen. Als kein Platz war, hat er Streit gesucht", beschreibt eine Zeugin die Ereignisse. Ihre Aussage ist für den Fall zentral. Als einzige aus der Gruppe gab sie bei der Polizei an, sicher zu sein, wer der Mann war, der nach ihrer Abfuhr eine Frau mit den Worten "du hässliche Ratte" beleidigt und ihren Begleiter bewusstlos geschlagen hat. Das Problem: Der Beschuldigte ist nicht der Täter – und das wusste sie auch.

Sie habe damals bei der Polizei eine Falschaussage gemacht, weil der Täter ihr Ex-Freund war und "ich Schiss hatte". Zwischen ihnen sei einiges vorgefallen, erzählt die 24-Jährige vor Gericht. Es sei ihr unangenehm gewesen, so jemanden als Ex-Freund zu haben, deshalb habe sie ausgesagt, sie kenne ihn nicht und stattdessen einen anderen beschuldigt – der gar nicht dabei war. Auch der Angeklagte wollte eigentlich zum Dorffest. "Meine Freundin war damals schwanger und hatte Rückenschmerzen, deswegen habe ich in Berlin übernachtet", erklärt er vor Gericht. "Sie hat sich schon bei mir entschuldigt", fügt er mit Blick auf die Zeugin noch hinzu.

Ein Profilbild bei Facebook diente den Zeugen bei der Gegenüberstellung bei der Polizei als Grundlage für ihre Aussagen. Obwohl die fünf übrigen der Gruppe nicht sicher waren, ob es sich um den Täter handelt, reichte die Aussage der Ex-Freundin des tatsächlichen Täters, um Anklage zu erheben. Es sei äußerst ungewöhnlich, den Falschen auf der Anklagebank sitzen zu haben, sagt Sylvio Seidel, Direktor des Fürstenwalder Amtsgerichts. Nicht nur den mutmaßlichen Täter dürfte nun ein Strafverfahren erwarten, sondern auch die Zeugin, die bei der Polizei falsch ausgesagt hat, vermutet Seidel. "Sie hat sich der falschen Verdächtigung strafbar gemacht."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG