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Down-Syndrom
Kampf um Kitaplatz für behindertes Mädchen

Ein Herz und eine Seele: Mutter Friederike Schley und das Töchterchen Louise sind bereits ein eingespieltes Team. Das Kind zeigt sich von seiner Schokoladenseite.
Ein Herz und eine Seele: Mutter Friederike Schley und das Töchterchen Louise sind bereits ein eingespieltes Team. Das Kind zeigt sich von seiner Schokoladenseite. © Foto: Thomas Pilz
Thomas Pilz / 17.04.2019, 11:49 Uhr
Fürstenberg (MOZ) Eine Wohltat ist es, den beiden zuzuschauen: Friederike Schley sitzt im Ratscafé am Markt in Fürstenberg, auf ihrem Schoß Louise, das sechs Monate alte Töchterchen. Die Frühlingssonne scheint, aber im Café mutet es noch heller an. Liegt es an Louise? Sie ist der reinste Sonnenschein, strahlt und lächelt, erkundet mit den winzigen Fingerchen, was sie schon zu greifen vermag. Vor allem sind es die Hände von Friederike, das personifizierte Mutterglück. Sie lacht übers ganze Gesicht, ein wachsames Auge stets aufs Kind gerichtet.

Ihre Wonne ist freilich getrübt. Louise hat Trisomie 21, wächst nicht nur mit dem Down-Syndrom auf. Die Behinderung wird ihr Leben bestimmen, so viel steht fest. Die Frage ist, wie sozial integriert und selbstbestimmt Louise leben wird.

Nach den Vorstellungen der Mutter sollte das Kind von Anfang an nicht nur behütet, sondern vor allem normal aufwachsen. In einer regulären Kindertagesstätte, möglichst der Kita Spatzennest in Fürstenberg. Die Leitung der Kita hat das Ansinnen abgelehnt. Zu schwierig und problematisch sei es,  Louise eine Integration in den engen Räumlichkeiten zu gewährleisten. Die Kapazitäten seien nicht vorhanden, den Erzieherinnen mangele es an der Ausbildung.

Friederike hat ein ärztliches Fachgutachten eingeholt, wonach es möglich sei, "Louise Wanda" in einer Regelkita zu betreuen. "Auch mein Facharzt hat das bestätigt", betont die Mutter. Ideal wäre es aus ihrer Sicht, könnte das Töchterchen demnächst im Spatzennest unterkommen, "ganz einfach, weil dort auch meine beiden Söhne schon betreut werden", erklärt die junge Frau. Der eine ist vier, der andere zwei Jahre alt. Mehr noch: Die gebürtige Fürstenbergerin ist selbst ein "Spatzenkind", genoss die Vorzüge der privat geführten Einrichtung kurz nach deren Gründung 1995.

Außerdem habe sie dort in den Ferien mehrmals Schülerpraktika absolvieren können. Gleichsam wie ein zweites Zuhause sei diese Kita für sie geworden. Eine gute Voraussetzung für den Beruf, den sie nun auch erlernt: Erzieherin. Ein Jahr noch dauert die Ausbildung, die sie ab dem Sommer fortsetzen möchte und in Neustrelitz beendet.

Wenn Louise in normalen Verhältnissen betreut werde, stellt sie klar. "Das ist das absolut Wichtigste zurzeit, dass die Kleine nicht von Anfang an Benachteiligung erfährt, nur weil sie eine Diagnose hat!" Was allein schon deshalb kompliziert sei, weil bei Louise unmittelbar nach der Entbindung ein Herzfehler festgestellt worden war, "obwohl es erst hieß, das Kind sei kerngesund", berichtet Friederike. Eine Operation war unausweichlich, doch das Baby verkraftete sie hervorragend, sei schnell wieder wohlauf gewesen, erzählt die Mutter und Tränen stehen in ihr in den Augen. Inzwischen sei sie wegen der Ablehnung der Kita in Widerspruch gegangen, habe mit der Stadtverwaltung gesprochen.

Petra Obst, die zuständige Fachbereichsleiterin betont, die Stadt verschließe sich nicht grundsätzlich dem Antrag von Frau Schley. Aber es müsse geschaut werden, was für das Kind das Beste ist.

Das bekräftigt auch die Sprecherin des Landkreises, Constanze Gatzke. Derzeit erfolge im Landratsamt eine sogenannte "Hilfebedarfsprüfung", denn es sei ein Antrag auf Eingliederungshilfe gestellt worden. "Schon jetzt lasse sich durchaus sagen, dass die Prüfung positiv ausfallen dürfte", lässt die Sprecherin durchblicken. Bei Bedarf könne daher eine Einzelfallhelferin engagiert werden, die das Kind im Alltag in der Kita begleitet. Im Mai gibt es ein weiteres Gespräch im Rathaus, denn eine Option wäre die Kita Kleine Strolche.

Die Gransee-Zeitung bleibt dran und wird den Weg von Louise weiterverfolgen.

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BegriffDown-Syndrom

Das Down-Syndrom ist eine bei Menschen vorkommende angeborene Kombination verschiedener geistiger Behinderungen und körperliche Fehlbildungen umfassender Symptome.

Auffallend viele Menschen mit Down-Syndrom haben besondere Fähigkeiten im Bereich des Sozialverhaltens und der Emotionalität, die bereits im Kleinkindalter beobachtet werden können.

Kinder werden therapiert mit heilpädagogischer Frühförderung, Ergotherapie, Psychomotorik und Krankengymnastik.⇥pilz

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