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zu Reparationszahlungen
Schüren alter Wunden

Dietrich Schröder
Dietrich Schröder © Foto: Gerd Markert
Meinung
Dietrich Schröder / 17.04.2019, 18:45 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) In diesem Herbst wird es genau acht Jahrzehnte her sein, dass mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann. Nur noch die ganz Alten haben diese Zeit erlebt.

Deutschland hat nach seinem Zusammenbruch 1945 viel getan, um die politischen Lehren aus den damals verübten Verbrechen zu ziehen, um das Leid der Überlebenden zumindest etwas zu lindern und vor allem, um sich neues Vertrauen zu erarbeiten. Dass im Ergebnis des Krieges ein Drittel des deutschen Territoriums verloren ging, gehört zwar auch zur Wahrheit, doch selbst unter dieses schwierige Thema wurde 1990 ein Schluss-Strich gezogen.

Wenn jetzt die aktuelle polnische Regierungspartei sowie das griechische Parlament noch immer der Meinung sind, dass die Deutschen ihre Schuld nicht ausreichend beglichen hätten, ist das vor allem eins: bitter. Besteht nicht der gemeinsame Erfolg der Europäer gerade darin, dass sie – mit Ausnahme von Ex-Jugoslawien – noch nie so lange miteinander in Frieden gelebt haben, wie seit 1945?

Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass polnische oder griechische Zwangsarbeiter oder Hinterbliebene geringere Entschädigungen erhalten haben als etwa US-Bürger oder Israelis. Man könnte sich auch gut vorstellen, dass es gegenüber Polen und Griechenland weitere Gesten guten Willens gibt, etwa die Restitution von Kulturgütern oder den Wiederaufbau des 1944 von Deutschen zerstörten Sächsischen Palais in Warschau.

Doch dies sollte im Geiste des Miteinanders geschehen und nicht durch das Schüren alter Wunden. Oder mit absurd hohen Forderungen nach Hunderten Milliarden Euro. Gute Nachbarschaft und Vertrauen kann man mit Geld ohnehin nicht erkaufen.

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Piefke Saga 19.04.2019 - 11:08:06

Reparationsforderungen? Hmm, vielleicht sollten unsere Politiker darauf hinweisen,

dass sie den falschen Adressaten wählten? Wie wäre es mit den Reichsbürgern u.ä., die sich in unserem Lande tummeln. Für sie sollte gelten, wer "A" sagt, der sollte für das "B" nicht zu schade sein ...

kay-uwe granz 19.04.2019 - 09:25:37

Ich verstehe die Aufregung nicht,

…abzüglich der in Deutschland gestohlenen PKW, Landmaschinen, Bootsmotoren, Wohnmobile, Fahrräder, Fernseher, Kupferrohre und tausender anderer bewegliche Sachen.

Einar Wiewir 19.04.2019 - 05:17:31

Stettin und Danzig und Breslau und Allenstein und Pommern und Schlesien und Ostpreußen

waren ja nun schon einige Jahrhunderte mehrheitlich deutschsprachig besiedelt. Und Brandenburg endete bis neulich auch nicht an der Oder. Sind das die Reparationen, dass Polen jetzt sich eine große Scheibe vom Deutschen Reich abgeschnitten hat. Oder sollen diese Gebiete jetzt Zug um Zug gegen Reparationszahlungen zurück gegeben werden ? Da würde Polen ein gutes Stück kleiner werden ohne die beschlagnahmten Gebiete.

Paul Müller 18.04.2019 - 14:24:38

Von mir aus können wir Reparationen leisten ...

... wenn Italien die noch offenen Ausgleichszahlungen für das römische Reich geleistet hat, Frankreich für Napoleon / die Schweden überwiesen haben/ das Schmerzensgeld für die Hunnenkriege / das der Mongolen eingegangen ist ...

Ralf H. Janetschek 18.04.2019 - 09:44:09

Zweiter Weltkrieg - Plädoyer für einen Schlußstrich

Wahrscheinlich auf Grund von innenpolitischen Begehrlichkeiten wird von der polnischen Regierung die Frage nach erneuten Reparationen für den letzten Krieg aufgeworfen. Ich bin der Überzeugung, dass es das Beste ist, 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Thema von Vorwürfen und Forderungen gegenüber Deutschland endgültig fallenzulassen. Alles andere würde letztendlich eine Büchse der Pandora öffnen, welche von der polnischen Regierung nicht mehr zu bewältigen wäre. (Anmerkung: Die Büchse der Pandora ist ein Begriff aus der griechischen Mythologie für das Stiften eines Unheils, das sich nicht wieder rückgängigmachen lässt.) Mit der hier aufgeworfenen Frage nach erneuten Reparationen sind vor allem drei Probleme verknüpft, welche im Interesse eines friedlichen Zusammenlebens in Europa besser nicht in den Fokus des tagesaktuellen Geschehens gerückt werden sollen. Ersten betrifft es die Tatsache, dass Polen 1939 nicht nur von Deutschland, sondern auch von der Sowjetunion überfallen worden ist. Wenn Polen Forderung stellt, dann sollte hier auch Russland miteinbezogen werden. Allerdings dürften polnische Reparationsforderung in Moskau praktisch als de facto Kriegserklärung aufgefasst werden. Zumal das polnisch-russische Verhältnis alles andere als vorzüglich ist. Zweites ist festzustellen, dass allfällige Reparationen Gegenstand eines Friedensvertrages sind und einen solchen gibt es, trotz aller anderslautenden Interpretationen zwischen Deutschland und Polen nicht. Damit verknüpft ist, völkerrechtlich betrachtet die nicht unerhebliche Frage, wer den auf deutscher Seite Vertragspartner eines solchen Friedensvertrages sein sollte. Die Frage ob die BRD Rechtsnachfolger des Staates „Deutsches Reich“, des deutschen Staates der den Zweiten Weltkrieg geführt hat, wird unterschiedlich ausgelegt, es gibt hier drei Thesen: keine Rechtsnachfolge, Teilrechtsnachfolge und vollständige Rechtsnachfolge. Jede diese drei Varianten hat einen Rattenschwanz von sehr unterschiedlichen Konsequenzen. Letztendlich erschöpfend ist diese Frage bisher nicht geregelt worden. Im Bezug auf die abschließende Regelung der Reparationsfrage ist sie keinesfalls trivial, wird ein allfälliger Friedensvertrag von einem „falschen“ Vertragspartner unterzeichnet, ist er nichtig und in Kürze steht die nächste polnische Regierung „auf der Matte“ und will wieder Geld haben. Drittens führt natürlich eine Neuauflage der Reparationsfrage auch zu Begehrlichkeiten auf deutscher Seite, was niemand können wollen will. Polen hat nach dem Zweiten Weltkrieg große Teile Deutschlands annektiert. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis die Forderung nach Rückgabe dieser Territorien quasi als Gegenrechnung aufgeworfen werden würde. Völlig absurd wird die Sachlage, wenn Polen für die Zerstörung ehemals deutscher Städte wie Breslau, Danzig, Küstrin und Stettin Entschädigungen von Deutschland haben will, denn zum Zeitpunkt ihrer Zerstörung waren sie unbestrittenen ein Teil Deutschlands. Es ist der derzeitigen polnischen Regierung nur – vor allem in ihrem eigenen Interesse – zu empfehlen, ihre Reparationsforderungen an Deutschland fallenzulassen. Ralf H. Janetschek, Letschin

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