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Arbeitsmarkt
Viele Hartz-IV-Empfänger im Nordkreis ohne Perspektive

Arbeitsförderung bei der Aqua Zehdenick GmbH: Wer ohne Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt ist, hofft nicht selten auf eine Fördermaßnahme bei einem kommunalen Träger.
Arbeitsförderung bei der Aqua Zehdenick GmbH: Wer ohne Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt ist, hofft nicht selten auf eine Fördermaßnahme bei einem kommunalen Träger. © Foto: Eva Eismann
Martin Risken / 21.04.2019, 08:01 Uhr - Aktualisiert 18.04.2019, 18:11
Zehdenick (MOZ) Für nicht immer wirklich zielführend hält es Staatssekretär a. D. Matthias Kahl (SPD), Hartz-IV-Empfänger zu sanktionieren, wenn sie Auflagen des Jobcenters nicht erfüllen. Kahls Äußerungen beim Bürgerdialog des SPD-Ortsvereines Zehdenick sorgten in dieser Woche für einige Diskussionen in der Runde. Beim kontrovers diskutierten Thema "Fördern und Fordern" vertritt Kahl, der im Landratsamt Oberhavel Dezernent für Arbeit und Soziales ist, eine sehr differenzierte Meinung. "Viele Leistungsbezieher sind demotiviert, ob wir sie sanktionieren oder nicht, ist dann egal. Wir brauchen zwar ein Druckmittel, aber es ist nicht immer wirklich zielführend gerade bei Menschen mit vielen Vermittlungshemmnissen", stellte der Arbeitsmarkt-Experte fest. Der Grundsatz "Fördern und Fordern" sei schwierig anzuwenden. "Es ist eine Frage des richtigen Maßes", so Kahl. Dem aber widersprach Karl-Heinz Jünger: "Wer als Arbeitnehmer nicht funktioniert, wird auch sanktioniert und verliert womöglich sogar seinen Job", sagte der Schulleiter. Gerade für junge Arbeitslose bis 25 Jahren tue der Landkreis mit verschiedenen Projekten einiges, um sie wieder in Beschäftigung zu bringen, betonte Kahl.

Schwierige Vermittlung

"Jemanden in Arbeit zu bringen, ist heute schwieriger als noch vor fünf Jahren", stellte Kahl fest. Wer wirklich arbeiten wolle und könne, der habe sich schon vor fünf Jahren eine Arbeit gesucht. Dass die Arbeitslosigkeit im Norden Oberhavels trotz niedriger Arbeitslosigkeit im Bundesdurchschnitt noch immer vergleichsweise hoch ist, begründete Kahl so: Unter den Beziehern von Hartz IV gebe es sehr viele schwierige Fälle. "Wer arbeiten will, hat sich längst integriert."

Überproportional stark von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind ältere Menschen im Norden Oberhavels, wie aus dem Arbeitsmarktreport der Agentur für Arbeit hervorgeht. Unter den gut 2 000 Leistungsbeziehern nach Sozialgesetzbuch II sind 36,8 Prozent, die älter als 50 Jahre sind sowie weitere 21,8 Prozent, die 55 und älter sind. Für öffentlich geförderte Beschäftigung gibt der Landkreis Oberhavel zwei Millionen Euro aus. Geld, das auch der Aqua Zehdenick GmbH zugute kommt. Sorgen bereitet dem SPD-Bürgermeisterkandidaten Hartmut Leib das niedrige Einkommensniveau in der Region. "Die Menschen, die wenig verdienen, die dürfen nicht das Gefühl haben: Warum gehe ich überhaupt arbeiten?", sprach er sein grundsätzliches Problem an.

Dass Arbeitslosigkeit in der Region ein großes Problem bleiben wird, deute sich bereits in der Oberschule an. "Das Schulschwänzen nimmt massiv zu", stellte Schulleiter Jünger fest. Ab der neunten Klassen gebe es Bemühungen, die Schüler mit Defiziten auf das spätere Berufsleben besser vorzubereiten, und zwar zusammen mit den Eltern.

Mehr als 2 000 Menschenleben von Hartz IV

Wer lange Arbeitslosenlosengeld II bezieht, hat es schwer, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Gut 2 000 Arbeitssuchende zählen im Geschäftsstellenbereich Gransee der Agentur für Arbeit zum "Rechtskreis Sozialgesetzbuch II".

Rund 55 Prozent der Bezieher von Arbeitslosengeld II sind im Altkreis Gransee seit vielen Jahren ohne Arbeit. Auffallend viele sind älter als 50 Jahre (36,4 Prozent im Januar 2019) sowie 55 Jahre und älter (21,8 Prozent). Vermittlungshemmnisse erschweren die Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt.⇥ris

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