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Harry Reusser aus Kieselwitz stellt in seiner kleinen Werkstatt Räuchermännchen, Osterhasen und andere Dinge her.

Drechseln
Mit einem Nachtwächter fing alles an

Frank Groneberg / 21.04.2019, 12:00 Uhr
Kieselwitz (MOZ) Zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass die MOZ im Juli 2016 über den Eisenhüttenstädter Tilo Schönherr, der in seiner Freizeit Mönche und andere Figuren drechselte, berichtete. Den Beitrag hatte auch Harry Reusser gelesen. Der Kieselwitzer fertigte schon lange in seiner kleinen Werkstatt Kerzenhalter und anderes aus Holz, auch mal ein Steuerrad oder kleine Wagenräder. Aber Figuren – die hatte bis dahin noch nicht gedrechselt.

Doch der MOZ-Beitrag ermutigte ihn dazu, sich an Neues zu wagen. "Das hat mich interessiert, ich bin dann einfach zu Herrn Schönherr gefahren und habe mir angesehen, was er da so macht", erzählt Harry Reusser. "Er hat mir einige Sachen gezeigt, die fand ich wirklich ganz gut." Und zu Hause in Kieselwitz hat er sich dann sofort hingesetzt und einen ersten Entwurf gemacht. Einige Tage später war er fertig – ein Nachtwächter, die erste selbst gedrechselte Figur. Kieselwitzer und Gäste des Ortes haben ihn möglicherweise schon mal gesehen. Der 48 Zentimeter hohe Kamerad, mit Laterne, Hellebarde und Stadtschlüssel bewaffnet, steht fast das ganze Jahr über in einer großen Vitrine vor dem Haus, in dem Harry Reusser wohnt. Einer Vitrine, die er ebenfalls selbst angefertigt hat.

Zurzeit ist diese Vitrine natürlich österlich geschmückt. Zwei große hölzerne Osterhasen sind die Hingucker in dem mit zwei gläsernen Türen versehenen Holzkasten. Ein dritter Osterhase steht direkt vor dem Hauseingang. Mit 1,20 Meter Körpergröße deutlich höher als viele der Kinder, die oft staunend vor ihm stehen. Und eigentlich sollte ihm längst auch eine Osterhäsin Gesellschaft leisten, aber wie das so ist: "Rentner haben niemals Zeit – das stimmt wirklich", sagt Harry Reusser und lacht. "Ich habe schon im vergangenen Jahr alles vorbereitet, das Holz liegt auch schon bereit, aber ich bin einfach noch nicht dazu gekommen." Im nächsten Winter werde er vielleicht Zeit finden für die Osterhäsin, hofft er. Wenn nicht wieder was dazwischenkommt.

Das Drechseln war für ihn immer Hobby, erzählt der 65-Jährige, "und es soll auch ein Hobby bleiben". Eines von mehreren. Seine Lebensgefährtin und er gehen beispielsweise auch sehr gern angeln, und das nimmt ja auch Zeit in Anspruch. Und trotzdem – das Holz, die Bearbeitung von Holz hat es ihm angetan. Und zwar schon in frühester Kindheit. "Eigentlich habe ich den falschen Beruf erlernt", sagt Harry Reusser, der in Aurith groß geworden ist, später nach Wiesenau geheiratet hat und seit 1982 in Kieselwitz lebt. Maurer hat er gelernt, und als solcher auch gearbeitet, zuletzt bis 1990 in der Baubrigade der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) in Kieselwitz. Mit dieser Baubrigade hat er auch mitgebaut an dem Mehrfamilienhaus, in das er 1989 als erster Mieter einzog und in dem er bis heute lebt. Als Fliesenleger blieb er dann auch nach 1990 dem Bauen treu.

Seine Leidenschaft aber gehörte immer dem Holz. Noch in der DDR hat er sich eine Drechselbank bauen lassen, hat darauf mit Kerzenständern – "sowas wollten ja damals viele Leute" – angefangen. "Die Leute sind dann zu mir gekommen. ,Kannst du uns nicht mal das und das machen?‘. Einen schönen Kerzenständer. Ohne eine Gardinenstange. Was es eben nicht zu kaufen gab."

Jetzt kommen die Strickschalen

Nach dem Nachtwächter hat Harry Reusser ein paar Räuchermännchen gedrechselt. Einen Förster zum Beispiel, dem es aus dem Hut raucht. Oder einen Matrosen mit Pfeifchen im Mund. "Die stellen wir uns zu Weihnachten in die Wohnung, ein paar draußen in die Vitrine", sagt ihr Schöpfer. Die Osterhasen, die gar nicht alle in der Wohnung Platz finden, hat er zuletzt gefertigt. Momentan ruht die Drechselbank, weil im Haus und im Garten viel zu tun ist. Aber wenn er wieder ein bisschen Zeit hat, wird er ein paar Strickschalen aus Holz drechseln, mit Führungen für die Wollfäden. "Die hat sich meine Frau gewünscht", sagt er, "und in der Verwandtschaft gibt es auch schon mehrere Abnehmer."

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