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Am Dienstag mussten drei Mieter in Kupferhammer unter Polizeiaufgebot ihre Wohnungen verlassen. Das Ordnungsamt bietet nun Hilfe an.

Zwangsräumung
Polizei räumt Heimatstraße

Mieter müssen gehen: Lutz Herpel (4.v.l.) und Wilfried Schneider (oben links) müssen nach über vierzig Jahren in Kupferhammer ihre Wohnung verlassen. Herpel wehrte sich mit Worten und zeigte sogar den Hitlergruß, was eine Straftat darstellt. Neben dem Haus demonstrierte das Bündnis "Recht auf Stadt" gegen die Zwangsvollstreckung.
Mieter müssen gehen: Lutz Herpel (4.v.l.) und Wilfried Schneider (oben links) müssen nach über vierzig Jahren in Kupferhammer ihre Wohnung verlassen. Herpel wehrte sich mit Worten und zeigte sogar den Hitlergruß, was eine Straftat darstellt. Neben dem Haus demonstrierte das Bündnis "Recht auf Stadt" gegen die Zwangsvollstreckung. © Foto: susan hasse
Susan Hasse / 24.04.2019, 11:45 Uhr - Aktualisiert 24.04.2019, 12:12
Eberswalde (MOZ) Gegen 9.30 Uhr wurde am Dienstagvormittag unter großem Polizeiaufgebot die angekündigte Zwangsräumung in der Eberswalder Heimatstraße vollzogen. Die Mieter Lutz Herpel, seine Frau Kornelia Herpel sowie Wilfried Schneider mussten ihre Wohnungen verlassen. Knapp vierzig Einsatzkräfte der Polizei waren vor Ort. Im Vorfeld war eine Demonstration angemeldet worden und es wurde mit Protesten  gerechnet. Bis zuletzt hatten die Mieter in der Heimatstraße gehofft, das Blatt noch wenden zu können. Doch alle Versuche die Zwangsvollstreckung zu stoppen, scheiterten. Auch ärztliche Atteste, die belegen, wie krank Kornelia Herpel ist, halfen nichts.

Ein kleiner Rückblick: Seit fast drei Jahren versucht der Eigentümer die Mieter zum Auszug zu bewegen. Das Haus sei stark sanierungsbedürftig, das Dach undicht und der Hausschwamm greift die Statik an. Deswegen müsse das Haus wohl oder übel abgerissen werden, so die Argumente. Der Eigentümer hat das Haus 2016 von der kommunalen Wohnungsgesellschaft WHG gekauft. Seit Jahrzehnten wurde kaum in das alte Backstein-Haus in Kupferhammer investiert.

Seit 1978 wohnt Familie Herpel im Haus, sie haben zuletzt für über 100 Quadratmeter rund 300 Euro Warmmiete bezahlt. Wilfried Schneider zahlte für 40 Quadratmeter nur rund 109 Euro Miete. So wenig wird die Miete nie wieder, sind sich alle eins.

Die Behörden beriefen sich beim Vollzug der Zwangsräumung am Dienstag auf den richterlichen Beschluss. Danach hatten die Parteien, vor dem Landgericht in Frankfurt durch die Anwälte einen Vergleich abgeschlossen. Gegen Zahlung einer hohen vierstelligen Summe als Entschädigung, stimmten die Mieter dem Auszug aus dem Haus in der Heimatstraße zum 31. Dezember 2018 zu. Da dieser Auszug nicht geschah, beantragte der Vermieter die Zwangsräumung.

Doch Mieter Lutz Herpel (63) sagt, dass er über den Inhalt des Vergleiches von seinem Anwalt nicht in Kenntnis gesetzt worden sei. Überhaupt sei der ganze Prozess mit "ungleichen Mitteln" geführt worden. Familie Herpel und Wilfried Schneider hatten nach eigener Aussage nur teilweise und obendrein unzureichenden anwaltlichen Rat gehabt, während der Vermieter bestens beraten wurde. Niemand habe ihnen die juristischen Hintergründe und daraus folgenden Details erklärt, meint Herpel. Den Umzug in eine von der Stadt Eberswalde angebotenen Ersatzwohnung in die Potsdamer Allee ins Brandenburgische Viertel lehnt Lutz Herpel ab. "Meine herzkranke Frau kann nicht im 4. Stock wohnen."

Zudem wollen alle drei auch künftig möglichst nah beieinander wohnen. Auch das sei dort möglich, versichert Uwe Birk, Leiter des Ordnungsamtes Eberswalde. Seine Behörde hatte den Mietern mehrfach ersatzweisen Wohnraum angeboten. Auch der Vermieter hatte Ersatzwohnungen in Westend und sogar in Kupferhammer vermittelt, heißt es.

Hilfsangebote abgelehnt

Doch alle Angebote wurden abgelehnt. Die Situation für Familie Herpel und Wilfried Schneider ist verfahren: Sie stehen nun quasi auf der Straße, ihr Hab und Gut ist noch in der abgeriegelten Wohnung. Es herrscht Ratlosigkeit, wie es nun weitergehen soll. Unterstützung bekommen die drei Mieter vom Bündnis "Recht auf Stadt".

Rund 20 Demonstranten, viele von der LinksJugend versammelten sich am Dienstagvormittag vor dem Haus in der Heimatstraße. Lautstark protestierten sie gegen den Vollzug. Die Zwangsräumung sei "unmenschlich".  Immerhin lebten die Familie 40 Jahre in dem Haus.  "Es gibt ein Grundrecht auf Wohnraum", so Claudia Uhlmann. Die Demonstranten mussten anfangs von der Polizei vom Hauseingang weggetragen werden. Unweit des Hauses protestierten sie weiter. Doch es half nichts: Der Gerichtsvollzieher vom Amtsgericht ließ die  Schlösser tauschen und verriegelte schließlich die Wohnung. Es gibt kein Weg zurück.

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