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Pflanzung
Baum des Jahres 2019 am Schwanebecker Gesundbrunnen gepflanzt

Das Bäumchen wurde in die Erde gebracht, gegossen und mit einem Zäunchen geschützt.
Das Bäumchen wurde in die Erde gebracht, gegossen und mit einem Zäunchen geschützt. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 24.04.2019, 12:32 Uhr
Schwanebeck Auf Stieleiche und Rotbuche, Sommerlinde und Speierling, Eibe und Eberesche, Wildapfel und Esskastanie rief die Stiftung Baum die Flatterulme zum Baum des Jahres 2019 aus. Ein Exemplar der Art wurde im 31. Jahr der Aktion am Gesundbrunnen in Bad Belzigs Ortsteil Schwanebeck gepflanzt.

Gut 30 Naturliebhaber waren trotz eines von Wolken verhangenen Himmels mit dabei, als das Bäumchen in die Erde gebracht wurde. Mariella und Alexandra Grünthal sowie Christin Marohn und Raimund Rudolph packten als Baumpflanzer mit an. Im Anschluss wurde mit tatkräftiger Hilfe der Anwesenden die junge Flatterulme sogleich umzäunt und damit vor Wildverbiss geschützt.

Allerlei Wissenswertes über die Flatterulme konnte Bärbel Kraemer berichten, die zur Pflanzaktion eingeladen hatte. So unter anderem, dass Flatterulmen in Deutschland vorrangig in den östlichen Bundesländern zu finden sind. Das größte Exemplar steht wiederum in einem kleinen Ort im Nordwesten Brandenburgs. Ihr Alter wird auf etwa 400 bis 500 Jahre geschätzt. Dieser Rekordbaum hat einen Stammumfang von fast zehn Metern und ist damit Deutschlands dickste Flatterulme.

Am geschichtsträchtigen Pflanzort, dem Schwanebecker Gesundbrunnen, wurde natürlich auch ein Rückblick gehalten. "Die Blätter der Flatterulmen fanden früher oft auch als Viehfutter Verwendung", so Kraemer. Die dazu im Herbst geschnittenen Zweige wurden getrocknet und im Winter als eiweißreiches Viehfutter geschätzt. Aus der Rinde wurde wiederum Bast gewonnen und das Holz für Gerätschaften mit hoher mechanischer Beanspruchung wie Glockenstühle, Räder oder Karren verwendet.

Im Volksmund wird die Ulme auch Rüster genannt. Alte Aufzeichnungen aus hiesiger Region belegen, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen Dörfern noch stattliche Ulmenbäume standen. Diese Bäume werden vielfach in Verbindung mit Störchen genannt, die auf ihnen nisteten.

Am Pfingstmontag soll der jungen Flatter-Ulme am Schwanebecker Gesundbrunnen abermals ein Besuch abgestattet werden. Die Pfingstwanderer der Martinskirchengemeinde Lütte und der Trinitatiskirchengemeinde Ragösen planen dort einen Halt einzulegen.

Eine gute Gelegenheit, auch an den in Vergessenheit geratenen Quell zu erinnern. In alten Aufzeichnungen heißt es, er hätte Blinde wieder sehend und Lahme wieder gehend gemacht. Infolge der ihm nachgesagten wundersamen Kräfte reisten viele Menschen nach Schwanebeck, die auf der Suche nach Heilung und Linderung ihrer Beschwerden waren. Die "Kurortentwicklung" nahm ihren Lauf. Nachweislich linderte das Wasser des Brunnens Magenbeschwerden, Arthritis, Gicht, Hüft- und Lendenschmerzen. 1714 wurde über die Heilkraft des Gesundbrunnens, dessen Wasser zur innerlichen und äußerlichen Anwendung empfohlen wurde, ein Schriftsatz verfasst. 1715 wurde eine zweite mit Schwefel versetzte Quelle entdeckt, die der ersten in nichts nachstand. Dennoch endete Ende des 18. Jahrhunderts Schwanebecks glorreiche Zeit als Kurort. Der Wunsch des Arztes Dr. Johann Adam Külbel, dass "der Herrgott dem Brunnen und dessen Kräfte beständige Continuation" geben möge, erfüllte sich nicht. Der Gesundbrunnen geriet in Vergessenheit.

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