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Klinik Rathenow
Geriatrie und Traumatologie ab Montag auf einer Etage

Belal Othman (3. v.li.) ist Facharzt für Unfallchirurgie und gehört zum Team, das ab Montag im Alterstraumazentrum (ATZ) in Rathenow tätig wird.
Belal Othman (3. v.li.) ist Facharzt für Unfallchirurgie und gehört zum Team, das ab Montag im Alterstraumazentrum (ATZ) in Rathenow tätig wird. © Foto: René Wernitz
René Wernitz / 25.04.2019, 15:32 Uhr
Havelland (MOZ) Ein hochbetagter Rentner stolpert, bricht sich die Nase - es blutet, der Kopf brummt. Im Rettungswagen geht es ins Krankenhaus. Der Unfallchirurg operiert die Nase, doch für ältere Menschen typische Begleiterkrankungen nach  Knochenbrüchen und Operationen stellen sich ein. Folgebehandlung in der Geriatrie (Altersmedizin) wird nötig. In Rathenow befindet sich beides unter einem Dach.

In Brandenburg an der Havel etwa führen unerwünschte Komplikationen zur Überstellung aus der Unfallchirurgie (Traumatologie) des Städtischen Krankenhauses ins auf Geriatrie spezialisierte Marienkrankenhaus. Es ist also keinesfalls selbstverständlich, dass sich Unfallchirurgie und Geriatrie wie in der Klinik Rathenow in einem Objekt befinden. Die Havelland-Kliniken-Unternehmensgruppe geht an ihrem kreisstädtischen Standort nun einen Schritt weiter.

Die Kompetenzen werden auf einer Ebene der Klinik verknüpft. Angestrebt ist eine Zertifizierung zu einem Alterstraumazentrum (ATZ). Ende dieses Jahres solle das ATZ reif zur Zertifizierung sein, so Unfallchirurg Belal Othman, der seit elf Jahren in Rathenow tätig ist und mit am Konzept geschrieben hat. Die Umsetzung beginnt am Montag.

Laut seinen weiteren Angaben gibt es aktuell etwa 70 Kliniken in Deutschland, die so eine Zertifizierung anstreben. Im märkischen Umfeld befinden sich nur die Krankenhausstandorte Hennigsdorf und Luckenwalde ebenso in ATZ-Vorbereitung. Etablierte Standorte in der Region gibt es nur drei, alle in Berlin - darunter das Waldkrankenhaus in Spandau. Die medizinische Versorgung von Senioren wird am Klinikstandort Rathenow also ein regionales Alleinstellungsmerkmal erhalten.

ATZ-Zielgruppe sind Menschen über 70 Jahre. Laut Facharzt Othman neigen Leute zu mehr Stürzen und einher gehenden Frakturen, je älter sie werden. Er spricht von Prognosen für das Land Brandenburg, nach denen die Zahl der über 65-Jährigen  bis 2025 um 27 Prozent auf rund 747.000 steigen werde, die Zahl der über 80-Jährigen um 52 Prozent auf etwa 243.000. Zudem sollen Frakturen bis 2030 um 37 Prozent zunehmen. Othmans Quellen sind das Weißbuch Geriatrie von 2016 und das Weißbuch Alterstraumatologie von 2018.

Rüstig und aktiv sind sehr viele Rentner, selbst Hochbetagte. Kommt es nach einem Unfall zum Krankenhausaufenthalt, vereint alle der gleiche Wunsch: schnellstmöglich wieder  fit werden und ins vertraute Lebensumfeld zurückkehren können. Das ATZ soll zur Verkürzung der Verweildauer beitragen. Die dafür vorzunehmenden Verknüpfungen der Kompetenzen der Fachbereiche führen zwangsläufig zu ganzheitlicher Betrachtung der Patienten. Angekündigt sind sogar gemeinsame Visiten von Unfallchirurgen und Altersmedizinern. Zum ATZ-Team gehören ferner Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen sowie Pflegekräfte mit entsprechender Zusatzqualifikation. Auch Sozialdienst kommt auf die gemeinsame ATZ-Etage.

Neben der Verknüpfung vorhandener Kompetenzen, nebst Qualifizierung, wird auch investiert. In der ersten Phase der Umsetzung, die wie gesagt am Montag beginnt, steht zunächst ein neu eingerichteter Therapieraum für Reha-Behandlungen zur Verfügung. Es wird sich zeigen, ob dieser genügt oder ein weiterer benötigt wird. Laut Belal Othman werde sich auch zeigen, ob eine Aufstockung von Betten und Personal erfolgen muss.

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