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Autodiebstahl
Gestohlen und abgefackelt

Das ist übrig: In der Nacht zum Dienstag ist Neuzelle dieser 5er-BMW gestohlen worden. Wenige Stunden später brannte das Fahrzeug in Polen lichterloh.  Türen und andere Teile fehlen.
Das ist übrig: In der Nacht zum Dienstag ist Neuzelle dieser 5er-BMW gestohlen worden. Wenige Stunden später brannte das Fahrzeug in Polen lichterloh.  Türen und andere Teile fehlen. © Foto: Katrin Neumann
Janet Neiser / 08.05.2019, 18:24 Uhr - Aktualisiert 09.05.2019, 06:55
Neuzelle (MOZ) Es ist gegen 3.25 Uhr in der Nacht zum Dienstag, als ein Auto die Dunkelheit und Stille auf dem Neuzeller Priorsberg durchbricht. Erst fährt es den Berg hinauf, wenige Sekunden später kommt es wieder herunter und bleibt vor einem Carport stehen.

Zwei Männer steigen aus, unterhalten sich polnisch. Einer bleibt vor dem angrenzenden Haus an der Straße stehen, der Zweite, der unter einer Kapuze versteckt ist, öffnet den BMW, steigt ein und fummelt an den Armaturen herum. Plötzlich taucht eine weitere Person auf, die hinter dem Carport vorkommt und mit einem elektrischen Gerät an der Hauswand herumläuft. Wieder werden Worte gewechselt, dann wird der Motor des BMW gestartet und beide Autos verschwinden in der Nacht. Der gestohlene Wagen wird wenige Stunden später von der polnischen Polizei bei Krosno Odrzańskie, etwa 30 Kilometer von Gubin entfernt, gefunden, fast komplett ausgebrannt.

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Video

Autodiebstahl in Neuzelle

Videothek öffnen

Die Polizei klingelte an der Tür

Der Diebstahl selbst, der insgesamt nur etwa eine Minute gedauert hat, wurde von einer privaten Videokamera im Carport aufgenommen. Die Filmsequenz, in der die offensichtlich jungen Männer ohne Panik und sehr professionell agieren, liegt der Märkischen Oderzeitung vor.

Katrin Neumann, die Autohalterin aus Neuzelle, ist auch einen Tag später noch immer geschockt. Gegen 6.30 Uhr am Dienstagmorgen klingelte bei ihr an der Tür die Polizei. "Die haben mich gefragt, wann ich mein Auto das letzte Mal gesehen habe", erzählt die 43-Jährige aus Neuzelle. Sie wollte noch aufs Carport weisen, doch dort steht der Wagen zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr. "Ich habe nichts gehört in der Nacht", sagt sie. Zudem fühlte sie sich relativ sicher. Das Auto ist mit einer Alarmanlage ausgestattet, das Carport mit einer Videokamera und einem Alarm gesichert. Alles war angeschaltet. "Ich habe das Auto abends abgestellt und abgeschlossen, die Außenspiegel waren hochgeklappt", erinnert sie sich. Dennoch haben die Diebe kein Problem, sie müssen die Funkwellen des "Keyless", also des schlüssellosen Systems abgefangen und das Auto so geräuschlos geöffnet und kurz darauf gestartet haben. Katrin Neumann vermutet, dass der dritte Mann auf dem Video, der mit einem elektrischen Gerät an der Hauswand entlangläuft, die Funkwellen verstärkt hat.

Die Videoaufnahmen hat nun die Kriminalpolizei. Ob sie bei den Ermittlungen helfen, wird sich zeigen. Katrin Neumann hilft das weniger. Sie ist – nachdem die deutsche Polizei noch nachträglich eine Fahndung nach dem bereits gefundenen ausgebrannten Auto herausgeben musste, damit die polnischen Kollegen offiziell mit den Ermittlungen beginnen können – selbst nach Polen gefahren, um sich ein Bild zu machen. Was sie sah, schockierte sie noch mehr.

Das Auto war ausgeschlachtet

"Die fünf Türen waren abgebaut, die Motorhaube fehlte, Stoßstangen und Kühler, alles war weg", erzählt sie und schüttelt den Kopf. Zunächst habe man nur den ausgebrannten Klumpen gesehen, die Details offenbarten sich erst auf den zweiten Blick.

Das Auto wurde mehr oder weniger komplett ausgeschlachtet und dann angezündet – wahrscheinlich, um keine Spuren zu hinterlassen. Die Fotos, die die Neuzellerin gemacht hat, sind nun auch für die Versicherung wichtig. Denn repariert werden kann da nichts mehr. Totalschaden. Aus dem Waldstück wurde das Wrack nach Gubin gebracht, dort steht es aktuell noch immer. In Polen selbst musste Katrin Neumann noch einmal Anzeige erstatten. Die Fahrt dorthin bezahlt ihr niemand, genauso wenig ihren Verdienstausfall.

Was sie bis dahin noch nicht weiß, in der selben Nacht ist auch in Eisenhüttenstadt in der Kirschplantage ein Auto gestohlen worden. Ein Honda HR-V, ebenfalls in einem Carport untergestellt, verschwand zwischen 23 Uhr und 7 Uhr morgens. Die Fahndung wurde umgehend eingeleitet. Für den Bereich Eisenhüttenstadt und das Umland sind die Auto-Diebstahlszahlen bereits im vergangenen Jahr wieder nach oben gegangen. Im gesamtem Polizeirevier Eisenhüttenstadt waren es 2018 immerhin 123 Fälle. Wesentlich mehr als in den Revieren Fürstenwalde, Erkner und Frankfurt.

"Was soll man denn noch machen?" fragt Katrin Neumann, die mittlerweile gehört hat, dass Nachbarn an den Vortagen junge Männer auf dem Priorsberg gesehen haben wollen, die sich dort umgeschaut haben. "Mein Mann hat in einer ersten Reaktion gesagt, er würde am liebsten wegziehen", sagt die Neuzellerin. Aber das sei ja auch keine Lösung. In dem Geschäft, in dem sie arbeitet, bekommt sie am Tag danach jede Menge Zuspruch und der ein oder andere erzählt seine eigene Geschichte vom gestohlenen Auto.

Deutsch-polnische Zusammenarbeit

In dem Gemeinsamen Zentrum (GZ) in Swiecko an der Autobahn A12 arbeiten deutsche und polnische Beamte von Polizei und Zoll gemeinsam im Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität – seit mehr als zehn Jahren. Bei der Fahndung nach Einbrechern, Autodieben oder Banden gab es bereits Erfolge. Seit 2015 regelt das deutsch-polnische Polizeiabkommen auch Einsätze von Polizisten im jeweiligen Nachbarland. Auch beim "Polizeiruf 110" spielte das GZ bereits wiederholt eine Rolle. Das Zentrum, das sich bisher in den früheren Abfertigungsanlagen am Autobahngrenzübergang Swiecko bei Frankfurt befindet, soll einen Neubau erhalten, hieß es 2018.⇥red

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