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Erneuerbare Energien
Mit vier Ballen Stroh ein Jahr flott unterwegs

Mobilität der anderen Art:  Bioenergie-Erzeuger Verbio produziert in der Uckermark Biotreibstoffe.
Mobilität der anderen Art:  Bioenergie-Erzeuger Verbio produziert in der Uckermark Biotreibstoffe. © Foto: Ina Matthes
Ina Matthes / 10.05.2019, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach schaute sich bei einem Biokraftstoffhersteller in der Uckermark um.

Mit der Energie aus vier Ballen Stroh kann ein Audi A4 ein Jahr lang fahren, sagt Klaus-Dieter Bettien, Manager bei Verbio in Schwedt. Der Erzeuger von Bioenergie mit Hauptsitz in Sachsen-Anhalt produziert am Standort Schwedt Biokraftstoffe und Biogas aus Stroh, Roggen oder Raps. Die Vereinigte Bioenergie AG ist nach eigenen Angaben einer der größten Erzeuger von Bio­treibstoffen in Europa.

Doch mit dem Geschäft in Deutschland ist das international agierende Unternehmen nicht zufrieden, wie bei einem Besuch von Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach am Donnerstag deutlich wurde. Deutsche und europäische Regulierungen haben die Konkurrenzbedingungen für Biokraftstoffe gegenüber fossilem Treibstoff verschlechtert. Wenn sich an den politischen Rahmenbedingungen nichts ändere, dann könnte Verbio ein Rückgang der Produktion drohen, sagte Elmar Baumann vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. "Es gibt eine sehr einseitige Förderung der Elektromobilität", beklagte Baumann – und hatte Wirtschaftsminister Steinbach dabei auf seiner Seite: "Ich halte das für einen Fehler."

Steinbach setzt auf einen Mix aus erneuerbaren Energien im Verkehr und will vor allem mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen fördern. Unter jedes Windrad würde er am liebsten einen Elektrolyseur stellen, eine Anlage, die aus Wasser speicherfähigen Wasserstoff produziert. Steinbach kritisierte, dass Abgaben auf erneuerbare Energien diese derzeit wirtschaftlich unattraktiv machen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) müsse umgeschrieben werden. Das Gesetz entspreche nicht den Bedingungen einer dezentralen Versorgung. Steinbach forderte zunächst 100 Pilotprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland, die von den Auflagen des EEG befreit werden und die Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren unter Beweis stellen können. "Da muss ein Signal vom Bund ausgehen."

Auch Bioenergie soll nach Ansicht Steinbachs eine deutlich größere Rolle in Brandenburg spielen. Vor allem die Biogasgewinnung aus Gülle brauche eine stärkere Lobby, sie erlebe "nicht die wirtschaftliche Entwicklung, die sie haben müsste."

Deutschlandweit spielen Biokraftstoffe derzeit keine große Rolle im Verkehr. Dort kommt 96 Prozent der Energie aus fossilen Quellen, nur sechs Prozent aus erneuerbaren und da ist es größtenteils Biokraftstoff. Verbio produziert in Schwedt Biodiesel aus Raps und Bioethanol vor allem aus Roggen und Biogas. Letzteres kann sowohl als Treibstoff für Fahrzeuge eingesetzt als auch ins Gasnetz eingespeist werden.

Die Einspeisekapazitäten will Verbio erhöhen, kündigte Bettien an. Das Gas gewinnt Verbio aus Abfallstoffen aus der Landwirtschaft wie Stroh. Dafür hat Verbio eine neue Anlage in Pinnow nahe Schwedt gebaut, die 80 000 Tonnen Stroh im Jahr verarbeiten kann. Es ist eine Demonstrationsanlage für die Technologie, die Verbio auch Interessenten aus dem Ausland vorstellen will. Denn auch da ist Verbio aktiv – in Indien und den USA. Die wenig verlässlichen politischen Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe hierzulande haben die Firma bewogen, sich verstärkt ins Ausland zu orientieren.

VielseitigerEnergieproduzent

Verbio ist ein Hersteller und Anbieter von Biokraftstoffen. Rund 580 Mitarbeiter produzieren an drei Standorten – in Bitterfeld, Schwedt und Zörbig – im großindustriellen Maßstab Biodiesel, Bioethanol und Biomethan. Diese Hersteller gehören zur Verbio Vereinigte Bioenergie AG mit dem Verwaltungssitz in Leipzig. Der Holding zugehörig sind außerdem auch Agrar- und Logistikunternehmen. Zu den Produkten von Verbio gehören darüber hinaus auch Dünger sowie Stoffe für die Lebensmittelindustrie und Pharmazie. Gegründet wurde das Unternehmen 2001 in Bitterfeld. Seit 2005 wird auch in Schwedt produziert. ⇥red

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