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Tierschicksal
Aufregung um eine wilde Kuhherde

Vorbereitung für die Tötung: Die regionale Veterinärbehörde in Gorzów ließ die 185 Kühe einzäunen. Tierschützer wollen sie dagegen retten.
Vorbereitung für die Tötung: Die regionale Veterinärbehörde in Gorzów ließ die 185 Kühe einzäunen. Tierschützer wollen sie dagegen retten. © Foto: Arka dla zwierzat
Dietrich Schröder / 15.05.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 15.05.2019, 06:39
Gorzów (MOZ) Rinder in freier Wildbahn? Das gibt es vielleicht im Wilden Westen oder  auf bayrischen Almwiesen. Doch auch in der Nähe der polnischen Stadt Gorzów – nur 60 Kilometer östlich von Brandenburg – lebte bis vor wenigen Tagen eine Kuhherde ohne jegliche Aufsicht. Und dies seit Jahren.

Schauplatz des Geschehens ist das Dörfchen Ciecierzyce. Es entstand 1758, als Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. (der Nachfolger vom "Alten Fritz")  die Sümpfe des Warthebruchs trocken legen ließ.

Das heutige Ciecierzyce wurde nach dem preußischen Generalleutnant Ernst Heinrich Freiherr von Czettritz (1713 bis 1782) benannt, der damals das Dragonerregiment im nahen Landsberg (heute Gorzów) befehligt hatte. "Nur weil das Dorf in einem Winkel liegt, der im Norden und Osten von der Warthe umflossen ist, war es wohl möglich, dass die Herde so lange Zeit zusammen blieb", berichtet der Gorzower Journalist Dariusz Baranski.

Einst gehörten die Tiere einem privaten Bauern, der sie aber vernachlässigte und unbeaufsichtigt ließ. Im Laufe der Jahre hat sich ihre Zahl auf 185 vermehrt. In der Wildnis gab es auch Geburten und Todesfälle. Und immer häufiger tauchten Kühe bei der Nahrungssuche auf Feldern auf oder erschreckten auch Kinder und Wanderer. "Irgendwann hat jemand eine Anzeige gegen den früheren Besitzer gestellt", berichten Einheimische. Nachdem sich das Verfahren jahrelang hinzog, sei der Mann erst im März dieses Jahres wegen Tierquälerei verurteilt worden. Das Gericht im nahen Gorzów untersagte ihm für drei Jahre den Besitz von Nutztieren.

Anfang dieses Monats erklärten dann der Wojewode des Lebuser Landes, Wladyslaw Dajczak, und die Chefin der regionalen Veterinärbehörde, Zofia Batorczak, dass die Tiere getötet und in einer Tierkörperbeseitigungsanlage verbrannt werden sollen. Zur Begründung hieß es, dass die Herde jahrelang nicht untersucht worden sei und deshalb auch eine Gesundheits-Gefahr für andere Nutztiere darstelle. Das Landwirtschaftsministerium in Warschau hat bereits 350 000 Zloty (rund 80 000 Euro) für die Tötung zur Verfügung gestellt.

Erst durch diese Informationen  wurde die freilebende Herde in ganz Polen bekannt und sorgte landesweit für Schlagzeilen. Der Fall rief sofort Tierschützer auf den Plan: "Es ist doch kurios, dass der frühere Besitzer der Kühe wegen Tierquälerei verurteilt wurde. Und dass die Tiere nun – um sie von der Quälerei zu befreien – getötet werden sollen", argumentiert die Rechtsanwältin Karolina Kuszlewicz.  Die Warschauerin engagiert sich seit Jahren für die Rechte von Tieren und schaltete sich auch in diesen Fall ein.

Die Organisation "Arka dla zwierzat" (Eine Arche für Tiere) startete zudem einen Aufruf im Internet. Daraufhin meldeten sich angeblich bereits mehrere Interessenten, die einzelne Kühe übernehmen würden.

Doch das Tauziehen um die Rinder hält an. Die Veterinärbehörde ließ bereits eine Einzäunung errichten, in der die Tier zusammen getrieben wurden. "Die Kühe sind dadurch nervös geworden. Denn sie sind es nicht mehr gewohnt, auf so engem Raum zusammen zu leben. Einige haben auch Hunger, da sie sich ihre Nahrung nicht mehr frei suchen können", berichtet Grazyna Falana-Wowczko von einer regionalen Tierschutzorganisation in Gorzów.

Nachdem sich die Anwältin Kuszlewicz bereits am Montag mit Vertretern des Landwirtschaftsministeriums traf, wurde für heute ein zweites Gespräch anberaumt. Das letzte Wort über das Schicksal der Kühe scheint noch nicht gesprochen zu sein.

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