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Kunstwerk
Ein Traum in vielen Farben

Premiere: Yolanda Rother (l.), die Enkelin des Künstlers, am Mittwoch bei der Übergabe des Werkes "Neues Sternenbanner" von Thomas Rother an Museumsdirektorin Terri Lee Freeman
Premiere: Yolanda Rother (l.), die Enkelin des Künstlers, am Mittwoch bei der Übergabe des Werkes "Neues Sternenbanner" von Thomas Rother an Museumsdirektorin Terri Lee Freeman © Foto: National Civil Rights Museum
Inga Dreyer / 18.05.2019, 06:30 Uhr
Memphis Als Martin Luther King am 4. April 1968 in Memphis, Tennessee, erschossen wurde, erschütterte dieses Ereignis nicht nur die USA.

Die Nachricht von seinem Tod ging um die Welt. "Der feige Mord an Dr. Martin Luther King und seine gute Botschaft für Leben in Würde, Gleichheit und Freiheit haben mich in meiner Arbeit seit 1968 mehr als bewegt – bis heute", berichtet der Essener Künstler Thomas Rother, der aus Frankfurt (Oder) stammt und 2017 für sein Lebenswerk mit dem Ehrenpreis des Brandenburgischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet wurde.

Nach dem Mord an dem Bürgerrechtler schrieb Rother einen Liedtext, der vom Komponisten Rolf Hucklenbruch vertont, von Chören aufgeführt und 1970 auf Schallplatte veröffentlicht wurde. "Hab’ einen Traum mit vielen Farben, die sind so viel, da sieht ein jeder anders aus: Es wird, ich glaube dran, einmal dich niemand fragen nach der Haut", heißt es in dem Lied "I Have A Dream – Ich habe einen Traum."

Eine große Freude

Der Anfang 30-Jährige konnte damals noch nicht ahnen, dass 50 Jahre später eines seiner Werke an das National Civil Rights Museum in Memphis übergeben werden würde. Das Haus steht an der Stelle in Memphis, an der Martin Luther King ermordet wurde. Die Schenkung ist das erste Werk aus Deutschland, das in seine Sammlung aufgenommen wurde. Das sei eine große Freude, sagt Rother: "Ich bin mehr als glücklich."

Die 2015 entstandene, 107 mal 70 Zentimeter große Arbeit in Mischtechnik zeigt eine verfremdete amerikanische Flagge mit einem stilisierten Porträt von Martin Luther King. Die Idee dazu entstand bei der Arbeit an dem Sammelband "grenzen los" mit Texten Rothers. Der Gestalter habe sich zum Liedtext von "I Have A Dream" eine Illustration gewünscht, berichtet der Künstler. Lange habe er nach einem geeigneten Porträt Kings gesucht – und sei schließlich auf eine schwedische Briefmarke von 1986 gestoßen. Rother stellte Kings Kopf in die Sterne des amerikanischen Sternenbanners – als Stern für eine neue, freie Welt, erklärt der Künstler. "Überhöhung, Entrücktsein, nahezu das Bild eines Propheten", habe er ausdrücken wollen.

Um das Bild zu übergeben, reiste seine Enkelin, Yolanda Rother, nach Memphis. Die Berlinerin ist etwa so alt wie ihr Großvater war, als er das Lied für Martin Luther King geschrieben hat. Er konnte damals nicht wissen, dass seine Enkelin, deren Mutter aus Jamaika stammt, in Berlin eine deutsch-amerikanische Schule besuchen würde und später als Kulturmanagerin beruflich viel mit den USA zu tun haben würde. "Natürlich ist es etwas ganz Besonderes, dass sich mein Opa schon damals durch seine Arbeit für die Gleichberechtigung aller eingesetzt hat – so wie auch Martin Luther King", sagt sie. Mit diesem Werk sei es ihm ganz besonders gut gelungen, Menschen zu verbinden.

Ein anderes Beispiel für Thomas Rothers soziales und politisches Engagement sind seine "Grenzrosen" aus Stahl, die als Zeichen der Versöhnung und Freundschaft inzwischen an vielen Orten wie Kehl am Rhein, Straßburg, in Forst (Lausitz) und Bad Muskau stehen. Gerade im Hinblick auf die "Identitäre Bewegung" in Europa und die Politik von Donald Trump in den USA sei es wichtig, sich mit der Botschaft von Martin Luther King zu beschäftigen, betont Yolanda Rother.

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