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Der Eberswalder Hans Blahm frönt der "kurzlebigsten Kunst", dem Zeichnen von Karikaturen. Einige Arbeiten sind ab Montag in Finow zu sehen.

Kunst
Mit spitzem Stift

Schaffensfreudig: Hans Blahm. Ab Montag zeigt der 80-jährige Karikaturist, der sich längst als "echter Eberswalder" betrachtet, einen kleinen Ausschnitt im Bahnhofstreff Finow.
Schaffensfreudig: Hans Blahm. Ab Montag zeigt der 80-jährige Karikaturist, der sich längst als "echter Eberswalder" betrachtet, einen kleinen Ausschnitt im Bahnhofstreff Finow. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 18.05.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 18.05.2019, 13:38
Finow (MOZ) Ob Abriss von Wohnblöcken im Brandenburgischen Viertel, Debatte um Ehrenbürgerschaft Forßmanns, Energiewende oder Integration – Hans Blahm ist für seinen spitzen Stift bekannt. Am 20. Mai eröffnet er seine erste kleine Personalausstellung in Eberswalde. Der 80-Jährige zeigt Karikaturen, in denen er sich bissig-humorvoll mit seiner Heimatstadt auseinandersetzt.

"Ich bin der bestassimilierte Eberswalder", sagt Hans (bzw. Ioan) Blahm von sich. Womit er auf seine deutschen Wurzeln und etwaige Irritationen um seinen Vornamen zu sprechen kommt. Hans Blahm ist Siebenbürger, das heißt er ist im Dracula-Land, in Rumänien, geboren und aufgewachsen. In seiner kirchlichen Geburtsurkunde stehe als Vorname Johann, in der staatlichen Ioan, die rumänische Form von Johann und Hans. In seinem heutigen deutschen Ausweis sei Ioan zu lesen. "Aber man kennt mich eigentlich nur als Hans." Zuhause, groß geworden ist er bei den Großeltern, wurde siebenbürgisch-sächsisch gesprochen. Er habe auch ein deutsches Gymnasium besucht.

Studium zwangsweise beendet

Nach dem Abitur wollte er eigentlich Kunst studieren, hat sogar die Aufnahmeprüfung bestanden. Über ein paar Semester kam er jedoch in Bukarest nicht hinaus. Aufgrund "einer politisch ungesunden Vergangenheit", so die Begründung der sozialistischen Staatsführung, musste er abbrechen. Die Vergangenheit seines Vaters in der NS-Zeit beendete jäh seine Laufbahn. Stattdessen studierte Blahm dann Maschinenbau und Metallurgie. Da war die Vergangenheit nicht hinderlich. Und, Ironie des Schicksals: "Nach dem Studium arbeitete ich in einem Hüttenkombinat, vergleichbar mit dem damaligen EKO in Eisenhüttenstadt, nur viel größer. Ein Vorzeigebetrieb der Kommunistischen Partei Rumäniens."

Einige Jahre später, 1970, kam er als Ingenieur nach Eberswalde. In Rumänien hatte er eine Deutsche kennengelernt und geheiratet. Blahm erhielt einen Job im VEB Schiffsarmaturen und Leuchtenbau in Finow (in der Abteilung Forschung und Entwicklung), wo er bis zur Rente (dann im Nachfolgeunternehmen) in Lohn und Brot stand. "Ich habe dort mit das Licht ausgemacht."

Das Zeichnen habe ihn nie ganz losgelassen. 1971 schaffte er es sogar mal mit einer Karikatur in die Wochenpost, eine Wochenzeitung in der DDR. Mit einer Zeichnung, in der es um Bienen und die Imkerei geht. Ausgerechnet Bienen. Ein Thema, das aktueller denn je ist. Gleichwohl erklärt Blahm: "Karikatur, das ist die kurzlebigste Kunst."

Natürlich lese er die Märkische Oderzeitung. Die Kommunalpolitik, die er mit Leidenschaft verfolgt, sei sozusagen ein "gefundenes Fressen" für den Künstler, der Themen zuspitzt und gern übertreibt. "Aber sie  liegen auch auf der Straße", sagt er auf die Frage, was die Quelle seiner Inspiration ist, wo er seine Anregungen findet. Manchmal habe er nachts eine Idee. "Dann stehe ich auf und skizziere die kurz."

Er selbst bezeichnet sich als "kritischer Lokalpatriot" mit "bekennendem Hang zum hintersinnigen Humor". Mit seinen Karikaturen, hin und wieder in der MOZ zu sehen, beteiligt sich Blahm praktisch auch am politischen Diskurs, bezieht Stellung. 1993 etwa hatte er, als Eberswalde auf der Suche nach einem neuen Stadtwappen war, sechs Entwürfe eingereicht. Klar: nicht ganz ernst gemeinte Entwürfe. In seinen Alternativvorschlägen hatte er den Adler durch einen Pleite-Geier ersetzt.

Seit er Rentner ist, zeichne er eigentlich jede Woche. Allein in seinem Rechner seien inzwischen 500 Arbeiten gespeichert. Früher habe er sich des Öfteren an den Freizeitkünstler-Ausstellungen im Oberbarnim  beteiligt. Die Exposition im Bahnhofstreff Finow ist trotz der Fülle seiner Werke, viele habe er verschenkt, die erste Personalausstellung. Inzwischen habe aber auch das Eberswalder Rathaus Interesse signalisiert. Wenn den Stadtoberen der Stift nicht zu spitz ist, wie Blahm einwirft.

Der Stift ist übrigens auch für sein zweites Hobby das Haupt-utensil. Denn Blahm schreibt gern Geschichten. Er ist Mitglied bei den "Geschichte(n)Schreibern" der Barnimer Volkssolidarität. "Schon in der Schule habe ich die besten Aufsätze geschrieben, sagte meine Lehrerin." Hans Blahm, er hat immer etwas zu sagen. Streitbar und unterhalt-sam.

Ausstellungseröffnung am Montag, 14 Uhr, im Bahnhofstreff Finow der Volkssolidarität, Bahnhofstraße 32; am 23. Mai, 17 Uhr, ebenda Gespräch mit Hans Blahm

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