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Unterirdisch
Keller mit berauschendem Ausblick

Marco Marschall / 18.05.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 18.05.2019, 13:04
Eberswalde (MOZ) Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, geht das Volkslied. Am Zainhammer klappert nichts. Aber es rauscht. Und zwar nur Zentimeter unter unseren Füßen.

"Da können sie hingehen. Das bricht nicht ein", beruhigt uns Eckhard Groll, Gründungs- und Vorstandmitglied des Mühlenvereins. An der Stelle, an der die alte Francis-Turbine aus der Wand ragt, sind Gucklöcher im Boden. Darunter Wasser. Die Turbine, vermutlich aus dem beginnenden 20. Jahrhundert,  hat einst gewaltige Wellen und Transmissionsriemen, später einen Generator in Gang gesetzt, um Getreide zu mahlen. Erbaut wurde die Mühle 1780 als Eisenhammer. Wasserräder trieben vor mehr als 200 Jahren Hammer und Blasebalg fürs Glühfeuer an. Unter den Hämmern wurden aus glühendem Eisen dünne Stäbe, sogenannte Zaine gezogen – für die Weiterverarbeitung zu Werkzeug und Waffen. Später wurden auch Knochen für die Düngemittelherstellung zermahlen. Das alles auf der Ebene, die heute Keller ist, früher aber, wie der jüngere Anbau der Mühle immer noch, ebenerdig erreichbar war.

Der Keller der 1780 erbauten Zainhammer Mühle in Eberswalde hält überraschende Ausblicke bereit.
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Im Keller der Zainhammer Mühle

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Anna und der Rotwein

"Wir träumen noch davon, die Wasserkraft irgendwann wieder zu nutzen", sagt Eckhard Groll. Die Turbine drehte sich zu schnell und darf wegen des dadurch gefährdeten Fischbestands in der Schwärze nicht mehr betrieben werden. Groll könnte sich ein in den Kellerboden eingelassenes langsameres Mühlrad vorstellen. Noch ist das ein Traum, doch mit Träumen hat alles angefangen. Und mit Poesie. An der Wand im Hauptraum des Kellers sind Fragmente von Versen zu erkennen. "Rote Blume, rote Anna" ist da unter anderem zu lesen. "Bei Kerzenschein und Rotwein wurden hier Liebesgedichte geschrieben", berichtet Eckhard Groll. Alles aus der Zeit als die Mühle in den 90ern instandbesetzt wurde. Holzgestalter und Künstler waren damals eingezogen – die Geburtsstunde des Mühlenvereins, der das Haus heute als Kunst- und Kulturstätte betreibt.

Werden Besucher durchs Gebäude geführt, wird der Keller des Hauses dabei nicht ausgespart. Das wäre auch schade, denn jenseits von Turbine und Liebesgedichten haben die Räume noch mehr Hingucker zu bieten. In einem Abteil mit roten Wänden steht noch ein Heißluftofen, der einst zum Getreidetrocknen genutzt wurde. Aus dem Fenster ist die Schwärze zu sehen. Auch in einem Teil auf der anderen Seite des Gebäudes. Dort befindet sich ein kleiner Raum, in dem einmal Bleiakkumulatoren standen, um den mittels Turbine und Generator erzeugten Strom zu speichern. In der Wand gibt es einen kleinen Ausguck, durch das das Wehr, ein kleiner Wasserfall, zu sehen ist. Jetzt wird deutlich: wir befinden uns unterhalb des Mühlteichs, von dem das Wasser hinab unter das Gebäude fließt, nur ein paar Zentimeter unter unseren Füßen entlang.

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