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Unternehmer
Umtriebig über Ländergrenzen hinweg

Deutsch-polnische Allianz: Steffen Knauthe (links) und Bogdan Debowski leben Europa nicht nur auf geschäftlicher Ebene.
Deutsch-polnische Allianz: Steffen Knauthe (links) und Bogdan Debowski leben Europa nicht nur auf geschäftlicher Ebene. © Foto: x
Kathrin Busch / 18.05.2019, 08:30 Uhr
Schwedt/Stettin (MOZ) Für viele Unternehmer dies- und jenseits der Oder ist der Fluss mehr Herausforderung und Chance als eine Grenze. Sie verstehen sich dabei nicht nur als Mittler zwischen den verschiedenen Branchen und Kulturen. So auch der Unternehmer Steffen Knauthe.

Den ehemaligen deutsch-polnischen Grenzübergang nahe Stettin passiert er regelmäßig.  Seit mittlerweile 15 Jahren fährt Steffen Knauthe mehrmals wöchentlich von Schwedt nach Stettin und zurück. Grund dafür sind die geschäftlichen Beziehungen, die er zu zahlreichen polnischen Firmen in der 400 000-Einwohner-Stadt  unterhält.

Steffen Knauthe ist Inhaber der Firma SK Diamond. Seinen Sitz hat das Unternehmen im Schwedter Gewerbegebiet. Mit seiner Werbedruckerei ist der 49-Jährige seit 15 Jahren tätig. "Dank des Internets finden Kunden aus ganz Brandenburg und Deutschland und manchmal sogar aus dem Ausland, auf unsere Seite", berichtet der Schwedter.

Die Leistungen seines Unternehmens erstrecken sich über die gesamte Palette der On- und Offlinewerbung. Schwerpunkte setzt  das Unternehmen in der Umsetzung firmenindividueller Vorgaben mit Werbemitteln und Textilien. Diese können exakt nach Firmenfarbcode bedruckt, bestickt, beflockt oder beklebt werden. Dabei setzen die drei Mitarbeiter hohe Ansprüche an die Standards in Sachen Waschbeständigkeit, Haltbarkeit und Farbechtheit. Von A wie Autoaufkleber bis Z wie Zeckenkarte. Letztere bedruckte das Unternehmen für die Schweizer Bergwacht.

Besonders stolz ist Steffen Knauthe auf seinen UV-Drucker. Den gebe es zwischen Berlin und Stettin nur bei ihm, ist er sich sicher. Bei diesem Druckverfahren trocknet die Tinte nicht an der Luft, sondern wird direkt nach dem Auftragen mit ultraviolettem Licht auf dem Druckobjekt ausgehärtet. Dadurch benötigt der UV-Druck weder Lösemittel noch Verdünner. Der Farbfilm liegt direkt auf dem Material auf und dringt nicht darin ein.

Ist Steffen Knauthe in Stettin trifft er auch oft Bogdan Debowski. Wie selbstverständlich klopft er ihm auf die Schulter bei der Begrüßung. Beide sind nicht nur Geschäftspartner. Die Männer verbindet eine langjährige Freundschaft bis in die Familie hinein. Sie hat sich durch gemeinsame Projekte entwickelt. Bogdan Debowski ist ebenfalls Chef einer Werbedruckerei. Seit beinahe 15 Jahren währt die Zusammenarbeit des Schwedters mit dem Stettiner. Aufträge, die Debowski nicht ausführen kann, werden nach Deutschland an Steffen Knauthe weitergegeben. Und umgekehrt. Mittlerweile werde sogar die Neuanschaffung von Maschinen abgestimmt. Schließlich brauche man bei einer derartigen Zusammenarbeit, nicht alle Maschinen doppelt kaufen, erklärt Debowski. Etwa 60 000 bis 70 000 Euro fließen jährlich durch gegenseitige Aufträge in die Kassen des jeweils anderen. Und nicht nur das. Es gibt sogar Aufträge, an denen die beiden Unternehmer gemeinsam gearbeitet haben. Papierriese Leipa ließ seine gesamte Beschilderung sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache durch SK Diamond aus Schwedt und den Stempel Service von Bogdan Debowski anfertigen.

"Eine Zusammenarbeit, die es ohne die Europäische Union nie gegeben hätte", ist sich Steffen Knauthe sicher. Der Unternehmer ist ein großer Befürworter der Allianz. "Die Europäische Union ist ein Glücksfall für Europa als Kontinent und als Vielvölkerkontinent. Es ist vor allem eine gute Handelsunion und daraus resultierend eine gute Völkerverständigung", so Knauthe. "Länder, die miteinander Handel treiben, führen keinen Krieg gegeneinander", ergänzt Bogdan Debowski. Nur die EU-Bürokratie stört Knauthe schon.

Verständigung funktioniert zwischen Bogdan Debowski und Steffen Knauthe in englischer Sprache. Sein Polnisch sei zu schlecht, um mit Debowski in dessen Muttersprache zu sprechen, sagt Steffen Knauthe. Da widerspricht Debowski und lacht.

Zu Steffen Knauthes Kunden gehören überwiegend Industriekunden wie das PCK in Schwedt oder der Anlagenbauer Butting, aber auch Privatkunden, schließlich "gibt es nichts, das sich nicht bedrucken lässt", weiß Steffen Knauthe nur zu gut. Auch wenn es manchmal knifflig wird, hat der Unternehmer einen Plan. Sein schwierigstes zu bedruckendes Werkstück war eine bronzene Glocke. "Man hat nur einen Versuch und der sollte nach Möglichkeit auch glücken, berichtet Knauthe von der damaligen Zitterpartie.

Das außerberufliche Engagement von Steffen Knauthe bezieht sich nicht nur auf  unternehmerische Themen. Seit kurzem engagiert er sich für den CDU-Stadtverband, dem er erst im Januar beigetreten ist. Jetzt möchte sich der umtriebige Unternehmer politisch beweisen und sich bei der Kommunalwahl im Mai für seine Partei in die Stadtverordnetenversammlung wählen lassen. "Um noch mehr bewirken zu können", sagt Steffen Knauthe.

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Polens

Nicht erst seit Polens Beitritt zur EU 2004 entwickelt sich der deutsch-polnische Handel sehr dynamisch. Deutschland ist seit vielen Jahren der mit Abstand wichtigste Handelspartner Polens. Im Jahre 2018 gingen über 28 Prozent des polnischen Exports nach Deutschland. Gleichzeitig wächst Polens Bedeutung für den deutschen Außenhandel kontinuierlich. Als mit Abstand größter Handelspartner Deutschlands in Mittel- und Osteuropa lag Polen 2018 zusammen mit Großbritannien auf Platz sechs in der deutschen Außenhandelsstatistik. Dabei ist der deutsche Außenhandel mit Polen mehr als doppelt so groß wie derjenige mit Russland. Für Brandenburg ist Polen größter Außenhandelspartner. Doch es gibt auch jede Menge Streitpunkte: Die Tatsache, dass deutsche Unternehmen gerade mit Russland eine weitere Gaspipeline durch die Ostsee bauen (Nord Stream 2), während Polen mehr Flüssiggas aus den USA importieren will. Und den künftigen EU-Haushalt ab 2020, aus dem Polen weniger Milliarden erhalten soll. ⇥red

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