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Schule
Der Bahnhof in Türkis

Klaus D. Grote / 21.05.2019, 06:59 Uhr - Aktualisiert 21.05.2019, 15:27
Oranienburg (MOZ) Der Bahnhof leuchtet mit einem Anstrich in Türkis. In der Friedensstraße wurde ein Zebrastreifen auf die Fahrbahn gepinselt. In der  Melanchthonstraße gibt es in Höhe der Julius-Leber-Straße eine Bushaltestelle. Der Name der Station: Kic Inn. Der Jugendtreff der Evangelisch-methodistischen Gemeinde zeigt in einer temporären Galerie Fotos von elf Kindern, die während eines einwöchigen Projekts in den Osterferien entstanden sind. "Kiek mal, so leben wir!", heißt die interessante Schau.

"Wir sind durch die Stadt gelaufen und haben Fotos davon gemacht, was uns besonders gut oder gar nicht gefällt", sagt der zwölfjährige Niclas Schmidt. Er selbst hat den Eingang und den Turm A der Gedenkstätte Sachsenhausen fotografiert. "Das ist ein geschichtlich wichtiger Ort, der nicht in Vergessenheit geraten darf", begründet Niclas seine Wahl. Fotos vom Schloss, dem Schlosspark und der Einfliegehalle sind ebenfalls zu sehen. Dennis hat den Kic Inn als seinen Lieblingsort fotografiert.

Und dann gibt es die Fotos von den Orten, die den Kindern negativ aufgefallen sind: Zigarettenkippen und Abfall auf dem Spielplatz der Havelschule, volle Kotbeutel, die beim Ausführen der Hunde an vielen Stellen einfach liegengelassen werden, das auf Dauer nicht mehr benutzbare öffentliche WC am Bahnhof, holprige Gehwegplatten oder fehlende Geh- und Radwege. Auch der Nicolaikirchturm wurde abgebildet, die Kinder wünschen sich eine größere Turmuhr, die in der Dunkelheit beleuchtet ist.

Auf einigen Bildern wurden die Verbesserungsvorschläge gleich aufgeklebt oder aufgemalt: Bänke, die in der Weißen Stadt aufgestellt werden sollen, von außen begrünte Blumenkübel aus Waschbeton, Klettergeräte auf der Schlammstrecke neben dem Skaterpark. Paula ärgert sich über die Bebauung am alten Speicher, weil immer mehr Naturraum in Oranienburg verschwinde. Eine interessante Idee hat Michelle für die alte Bahnbrückenwand an der Walther-Bothe-Straße. Dort sollen Vorbeikommende mit großen aufgemalten Buchstaben wissen, dass sie nun Eden oder "O-burg" erreichen. Sogar für illegale Farbsprühereien an Häuserwänden gibt es Verbesserungsvorschläge. "Denn es gibt hässliche und schöne Graffiti", sagt Niclas.

Beim Spaziergang durch die Innenstadt versuchten zwei Kinder für den Stil eines gelutschten Lollies einen Abfalleimer zu finden. "Sie haben 15 Minuten gebraucht", sagt Niclas. Deshalb wird auch das Fehlen von Abfallbehältern wiederholt angeprangert. Es gibt aber auch Lob, für den Spielplatz der Comeniusschule zum Beispiel. "Der ist richtig super", sagt Niclas, der dort die sechste Klasse besucht. Doch leider reichten die beiden Schaukeln nicht aus. "Die sind in den Pausen immer sofort belegt." Der Havelschule attestieren die Kinder dagegen einen Anstrich, der erneuert werden müsse. "Das Gebäude strahlt aus, dass Schule langweilig ist", heißt es neben dem Foto der Fassade.

Das sei ein gelungener Blick auf die Stadt, lobte Oranienburgs Jugendkoordinatorin Angela Mattner die Ausstellung während der Eröffnung am vergangenen Freitag. Und Sozialdezernentin Stefanie Rose (Linke) räumte ein, dass es Verbesserungsbedarf gebe. "Leider geht manches nicht so einfach", sagte sie. Gegen den Farbanstrich des Bahnhofsgebäudes spreche der Denkmalschutz. Aber die Kinder finden: "Ocker ist ein bisschen langweilig."

"Kieck mal hier,so leben wir!"

Im Kic Inn haben Wiebke Müller und Janice Kaschke die Ausstellung mit Unterstützung des Kreisjugendrings, des Kreises Oberhavel und der Havelschule realisiert. Entstanden ist auch ein Rap-Song als Lobgesang auf Oranienburg. Zu sehen ist die Schau bis Freitag im Gemeindehaus in der Julius-Leber-Straße.⇥kd

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