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Schmeißereiche
Eine Eule für die Alte Lady

Schmeißereiche im Lenne-Park: Ein Feuer hatte den mehr als 250 Jahre alten Baum im Dezember 2015 schwer beschädigt. Trotzdem blüht er weiter. Die Stadt prüft nun, ob die Eiche als Naturdenkmal ausgewiesen werden kann.
Schmeißereiche im Lenne-Park: Ein Feuer hatte den mehr als 250 Jahre alten Baum im Dezember 2015 schwer beschädigt. Trotzdem blüht er weiter. Die Stadt prüft nun, ob die Eiche als Naturdenkmal ausgewiesen werden kann. © Foto: Gerrit Freitag
Thomas Gutke / 22.05.2019, 10:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Als der Spross der Schmeißereiche begann, Wurzeln zu auszutreiben, war die Schlacht bei Kunersdorf gerade geschlagen. Und das industrielle Zeitalter stand unmittelbar bevor. Mehr als 250 Jahre später blüht sie immer noch und schmückt den Lennépark. Allen stadtgeschichtlichen Wirren und Unglücken zum Trotz.

2015 wurde sie in Brand gesetzt

Dabei setzten gerade die vergangenen Jahre der Schmeißereiche schwer zu. Stürme, Blitzeinschläge und Vandalismus beschädigten den Baum. Der traurige Tiefpunkt: ein Brandanschlag am 12. Dezember 2015. Die Alte Lady, wie die Eiche angesichts ihres hohen Alters liebevoll genannt wird, musste damals radikal gestutzt werden. trotzdem "hat sie nichts von ihrer Ausstrahlungskraft, Stärke und ihrem Lebenswillen verloren. Unsere Alte Lady hat viele Generationen von Frankfurtern überlebt. Sie ist ein Symbol für Nachhaltigkeit und bildet bis heute ein Kraftzentrum der Parkanlage", schwärmt Sonja Gudlowski, die Initiatorin der Bürgerinitiative für den Lennépark.

Das Spendenjahr der Parkinitiative steht daher ganz im Zeichen der Alten Lady. Insbesondere auch deshalb, weil am 13. Dezember der 150. Todestag von Prof. Dr. Friedrich Schmeißer begangen wird. Der Mathematikprofessor gab nicht nur den Anstoß für die Errichtung des Bürgerparkes unter Federführung von Gartenbaukünstler Peter Joseph Lenné. Schmeißer bewahrte die Eiche auf dem Rosenhügel vor gut 180 Jahren auch vor der drohenden Abholzung, indem er sie für 2 Taler erstand. Deshalb trägt der Baum auch seinen Namen.

Aus Spendengeldern gelang es bereits 2018, einen eigenen Zierzaun für den Baum zu finanzieren. Außerdem pflanzten Freiwillige im Frühjahr 75 Rosen an der Eiche – damit der Rosenhügel seinen Namen wieder verdient. Doch ein wichtiges Ziel hat die Lennépark-Initiative noch vor sich: den Baum als Naturdenkmal unter besonders exponierten Schutz zu stellen. "Es gibt so viele gute Gründe dafür, unserer Alten Lady einen Platz in der Liste der Naturdenkmäler unserer Stadt zu geben: ihre Biografie, ihre Schönheit, ihr landschaftsprägender Standort. Sie ist nicht einfach nur ein Baum – sie ist ein Symbol", sagt Sonja Gudlowski.

Politisch unterstützt wird die Initiative von der BI Stadtumbau und dem Stadtverordneten Josef Lenden. Er brachte vor kurzem in der letzten Stadtverordnetenversammlung vor den Wahlen einen entsprechenden Antrag ein. "Viele Frankfurter nehmen Anteil am Geschehen der Eiche. Sie liegt ihnen am Herzen", erklärte er. Doch in den anschließenden Ausführungen von Umweltdezernent Jörg Gleisenstein (Die Grünen) fühlten sich Josef Lenden und Sonja Gudlowski dann fast ein wenig ausgebremst.

Gleisenstein informierte, dass die Eiche als Bestandteil des Gartendenkmals bereits unter Schutz stehe. "Eine Ausweisung als Naturdenkmal bringt keine weiteren Schutzvorteile", so Gleisenstein. Er verwies auf ein aufwendiges Verwaltungsverfahren gemäß Bundesnaturschutzgesetz, das nur im Zuge mit weiteren Veränderungen der städtischen Verordnung durchgeführt werden sollte.

Stadt prüft das Anliegen

Und das wird es nun auch. Denn die Stadtverordneten stimmten dafür, dass die Verwaltung die Unterschutzstellung der Eiche prüfen soll. Die 1999 verabschiedete Liste der geschützten Bäume der Stadt umfasst 84 Bäume oder Baumgruppen. Davon, dass sich die Schmeißereiche noch in diesem Jahr dazugesellt, geht Sonja Gudlowski – nach einem weiteren Gespräch mit Gleisenstein dazu – jedoch nicht mehr aus.

Denn die Bestandsaufnahme und Aktualisierung der Liste durch die Naturschutzbehörde koste Zeit. Trotzdem ist sie optimistisch. "Auch in anderen Schutzgebieten in Frankfurt sind zusätzlich Bäume als Naturdenkmal ausgewiesen. Deshalb sollte man auch unserer Schmeißereiche endlich die Eule zugestehen", sagt Sonja Gudlowski in Bezug auf das Naturschutzsymbol.

Kommentar: Ein Baum als Inspiration

Stürme, Blitzeinschläge, Kriege, geistige Tiefflieger mit dem Feuerzeug in der Hand: der älteste Baum im zweitältesten Bürgerpark Deutschlands hat viel durchgemacht. Im Dezember 2015 stand er – wie schon einmal vor 180 Jahren – sogar kurz vor der Fällung. Dass die verrußte, später radikal gestutzte Schmeißereiche im Mai darauf trotzdem wieder grünte, ist für Sonja Gudlowski von der Lennépark-Initiative bis heute nicht weniger als ein Wunder.

Es war vor allem die Schmeißereiche, die sie und weitere Bürgerbewegte vor gut 12 Jahren dazu inspirierte, sich für den Erhalt und die Pflege des Lennéparks stark zu machen. Auch deshalb ist es eigentlich erstaunlich, dass der Baum noch keinen besonderen Einzelschutz genießt. Kritiker argumentieren in der Debatte, dass der Baum als Teil des Gartendenkmals bereits ausreichend geschützt sei. Doch hier geht es um mehr als einen Verwaltungsakt. Die Ausweisung als Naturdenkmal würde nicht nur die herausragende, symbolische Bedeutung der Eiche noch einmal besonders betonen. Es wäre auch eine Würdigung des jahrelangen bürgerschaftlichen Engagements für den Park. Und ein Ansporn zum Weitermachen.⇥Thomas Gutke

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