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Zwei Börnicker Imker müssen ihre übermäßig mit Pestiziden belastete Frühjahrsernte entsorgen. Der Fall wirft nun einige politische Fragen auf.

Landwirtschaft
Glyphosat im Honig

Kerstin Ewald / 22.05.2019, 21:00 Uhr
Börnicke (MOZ) Ende April stellte das Imkerpaar Camille Hoornaert und Sebastian Seusing aus Börnicke seine Bienenkästen an eine nahegelegene Wiese. Die rund 70 Hektar große Fläche war zu dem Zeitpunkt dicht bewachsen mit blühendem Löwenzahn, an dem sich die Bienen emsig labten. In der Schwärmzeit, der Vermehrungsphase der Bienen, beobachten alle Imker ihre Tiere genau und so fuhren auch die Börnicker regelmäßig zu ihrem Stand.

Unerfreuliche Überraschung

Bei einem Kontrollgang wenige Tage später wunderte sich Sebastian Seusing über das schnelle Abblühen der Löwenzähne, die Trockenheit und die gelbliche Färbung der Wiese. "Als ich mit den Händen in die Halme griff, fiel mir eine klebrige Substanz auf, die die Fläche überzog", erzählte Seusing später. Er schöpfte den Verdacht, der Bauer könnte ein Pestizid eingesetzt haben und wandte sich an die Aurelia Stiftung in Berlin. Diese setzt sich für die Bienen und eine "lebensfreundliche Landwirtschaft" ein. Auf Anraten der Berliner zog das Imkerpaar Hoornaert und Seusing Proben ihres Löwenzahnhonigs und ließ ihn vom Berliner Institut Kirchhoff untersuchen. Tatsächlich: Das Labor stellte bei fünf Proben einen Anteil am Pflanzenschutzmittel Glyphosat-Durano TF fest, der den erlaubten Grenzwert um das 80- bis 160-fache überstieg. Die Imker nahmen kurzfristig Kontakt zum Landwirt auf, der bestätigte den Pflanzenschutz-Einsatz. Auch die Aurelia Stiftung wurde aktiv und hakte beim Unternehmen Bayer wegen der Einsatzmöglichkeiten des Pestizides nach. Zusammen mit den Börnicker Imkern führte man am 17. Mai zudem eine öffentlichkeitswirksame Aktion vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium in der Berliner Wilhelmstraße durch.

"Es wurde bei gutem Wetter das Totalherbizid Glyphosat zur Vorbereitung des Saatbeetes gespritzt. Das ist erlaubt und dagegen wollen wir protestieren", sagte Imkerin Camille Hoornaert während der Aktion in Berlin dem RBB-Fernsehen. Die Börnicker hatten mit Totenkopfsymbolen etikettierte Gläser mitgebracht. Laut eigenen Aussagen müssen sie nun rund 600 Kilo ihrer Frühlingsernte, da unverkäuflich,  vernichten. Inzwischen hat das Börnicker Paar die Öffentlichkeitsarbeit komplett der Aurelia Stiftung übertragen. Aus guten Gründen, denn sie erwarten in den nächsten Tagen ihr gemeinsames Kind.

Fall wirft politische Fragen auf

Inzwischen waren auch andere Naturschutzgruppen auf den Fall aufmerksam geworden. Für sie wirft das Börnicker Geschehen gleich mehrere relevante Fragen auf. "Wir wollen bestimmt keine Landwirte an den Pranger stellen", beteuert Florian Amrhein von Aurelia, "die Frage ist aber, wie können Bauern und Imker, die ja beide auf einander angewiesen sind, gut zusammenarbeiten." "Der Landwirt hat im Börnicker Fall legal gehandelt, außerdem ist er nicht dazu verpflichtet, den Imker zu informieren", erkärt Johan Lüdke-Schwienhorst, der Landwirtschaftsreferent von Aurelia. Genau das wollen die Naturschützer ändern und ein politisches Klima weiter befördern, das bald zu einer deutlichen Reduktion von Pestizideinsätzen führt.

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