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zur Angst vor Internet-Propaganda
Die Kunst der Desinformation

Guido Bohsem
Guido Bohsem © Foto: Thomas Koehler
Meinung
Guido Bohsem / 23.05.2019, 19:30 Uhr
Berlin (MOZ) Dazu brauchen wir die Russen nicht, das können wir schon selbst: Wer in diesen Tagen nach Spuren einer großangelegten Lügenkampagne aus Russland gegen die EU und ihre Wahlen sucht, wird nicht fündig.

Die vielbeschworenen automatischen Falschmeldungs- und Meinungsausspucker (Bots) blieben jedenfalls weiterhin unauffindbar. Auch die berüchtigten russischen Trollfabriken scheinen sich nicht besonders für Europa zu interessieren. Die zuständige EU-Arbeitsgruppe hat jedenfalls – anders als beim Brexit-Referendum 2016 und der US-Wahl im selben Jahr – keine erhöhten Störaktivitäten festgestellt.

Das ist erst mal eine gute Nachricht, zumal massive Manipulationsversuche befürchtet wurden. Warum diese ausblieben, vermag keiner der Experten zu sagen, und aus Russland gibt es naturgemäß auch keine Antwort darauf. Womöglich ist es aus Sicht des Kreml einfach gar nicht mehr notwendig. Denn inzwischen kommen die meisten Falschmeldungen und Verhetzungen aus den europäischen Ländern selbst. Es ist dazu gar kein finsterer Aggressor aus einem Drittland nötig.

Leider sind diese Hetzer und Fälscher genauso destruktiv, und ihre Zahl wächst beständig. Der immer wieder erklingende Ruf etwa nach einer Klarnamen-Pflicht im Internet ist verständlich. Denn das Netz wird auch in Zukunft ein Meinungs-­Schlachtfeld bleiben. Dort entscheidet sich immer mehr, wie Teile der Gesellschaft auf Veränderungen reagieren oder welche Weltsicht sie sich zu eigen machen. Das muss eine aufgeklärte Gesellschaft sorgen, aber auch nicht zu sehr. Denn wenn sie wirklich aufgeklärt ist, dann ist sie auch immun gegen Unfug.

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Kurt Cr. 23.05.2019 - 23:02:55

Lieber Guido Bohsem,

und wer wäre ihre Meinung nach gut genug und berechtigt zu entscheiden, was unter "Falschmeldungen und Verhetzungen" fällt? Welch ein Zurückfallen in finstere Zeiten der Bevormundung und Gängelung sie da fordern, dürfte jedem der die DDR erlebt hat, bewusst sein. Als "staatliche Organe" aber auch jede öffentliche Äußerung überwachten, überprüften, genehmigten, verboten oder bestraften.

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