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Physiotherapie
Ein Rädchen auf dem Weg zum Titel

Matthias Haack / 25.05.2019, 10:15 Uhr
Neuruppin (moz) Der Physiotherapeut war schon mehrfach mit dem TV Wattenscheid auf den Kanaren gewesen. Auf dessen Empfehlung hin verpflichtete jetzt auch der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) den Neuruppiner. Seine Aufgabe: Rundumbetreuung der 18 Athleten, darunter Europameister der Unter 23-Jährigen.

Hatte der Turnverein Wattenscheid 01 mit seinen Sprintern sein Lager auf Lanzarote aufgeschlagen und sich schon sechsmal Kramer ins Team geholt, ging es in diesem Mai mit dem nationalen Verband erstmals auf die Nachbarinsel Teneriffa. "Da herrschen ideale Bedingungen", weiß auch Nico Kramer. Für Urlauber. Für Sportler. Für Physios.

Nico Kramers Arbeitstag begann schon kurz nach dem Sonnenauf- und endete mit dem Sonnenuntergang. Blockaden lösen, Verspannungen behandeln, Tapes anlegen "oft schon vor dem Frühstück", Schiefstände umsorgen – sein Spektrum umfasste ebenso das Ausmassieren von "Nackenschmerzen nach dem Verlegen in der Nacht". Ruhephasen gab‘s, es war dennoch ein Fulltimejob.

Einer, der auch deshalb so angenehm ist, "weil man mit dem Team gemeinsam arbeitet und in dieses reinwächst", zieht Kramer Motivation, um dran zu bleiben und den Werdegang "seiner Sportler" zu verfolgen, vielleicht auch ein weiteres Mal zu begleiten. In seiner sportlichen Karriere hatte der 42-Jährige Fußball gespielt. Unter anderem für Oberligist MSV Neuruppin. "Bei den Fußballern ist Dehnen eher nebensächlich und lästig. Für Leichtathleten ist es elementar. Die Sprinter ziehen auch mal sechs, sieben lange Läufe durch, also bis zu 300 Meter. Dann aber legen sie sich hin. Der Körper braucht Erholungsphasen. Dehnen."

Seine Hände sind dann gefragt. Er greift ein. Gezielt. Denn mittels Videoanalyse sehen die Trainer und Physios, also die Experten, dass ein Bein nachgezogen wird, wenn der Oberkörper nicht die korrekte Neigung hat oder die Arme nicht synchron mitschwingen. Und siehe da: Nach den richtigen Griffen läuft die nächste Trainingseinheit wie geschmiert. "Das ist dann für den Athleten angenehm und für mich natürlich auch."

Der Kontrakt DLV/Kramer ist sowohl für die Sportler als auch für ihn eine willkommene Abwechslung – für sie, weil sie in ihren Vereinen tagtäglich die gleichen Physios um sich haben. Für ihn, weil er herausgerissen wird aus dem Alltag und es auf eine einfache Formel bringt. Gesunde Patienten statt kranke. "Und es ist unglaublich schön, wenn man merkt, ein Teil des Erfolges", also ein Rädchen auf dem Weg zu nationalen oder gar internationalen Titeln zu sein.

Beispielsweise holten die deutschen 4x100-Meter-Staffeln jetzt bei der Weltmeisterschaft in Tokio Bronze. Noch im Dezember hatte Nico Kramer den Wattenscheider Maurice Huke in Behandlung. Oder im August stehen die Deutschen Titelkämpfe in Berlin an. Am Start: Einige von Kramers Liege.

Vielleicht ist der Neuruppiner erneut dabei, wenn der Verband im Herbst sein Trainingslager physiotherapeutisch betreuen lässt. Ein wenig Vorlauf ist jedoch auch für ihn nötig. Seine vierköpfige Familie (eine zehn- und eine zwölfjährige Tochter), seine Praxis mit zwei Angestellten – "da müssen Anfragen rechtzeitig kommen. Ich bin meinen Kolleginnen sehr dankbar, dass sie mir den Rücken für solche Aufgaben freihalten." Anika Harmuth und Ulrike Dabitz sind das im beruflichen Dialog, die Schwiegereltern im privaten. Nico Kramers Frau musste berufsbedingt ihren Lebensmittelpunkt vor zweieinhalb Jahren nach Köln verlegen. Zum anderen kommt sie nur an den Wochenenden.

Berufs-/Privatleben zwischen Praxis und Filmset

Astrid Leberti, die Frau von Nico Kramer, ist Schauspielerin und in der RTL- Serie "Unter uns" zu sehen. Darin spielt sie Andrea Huber. Die hatte auch in den Soko-Serien Leipzig und Stuttgart, "In aller Freundschaft", "Die Rosenheim-Cops" oder "Hubert & Staller" Rollen. Im Jahr 2004 erhielt Astrid Leberti den Unicef-Theaterpreis.Gemeinsam standen sie vor etwa eineinhalb Jahren vor der Kamera. Das Drehbuch sah für drei Filmfreundinnen eine Massage vor, um nach dem Sport Kater aus den Muskeln zu bekommen. Weil die Produktionsfirma noch keinen Physio verpflichtet hatte, legte sie ein Wort für ihn ein. "Das war dann entspannt für Astrid und mich." Ganz nebenbei lernte Nico Kramer an diesem Kölner Drehtag den Alltag seiner Frau mit "Maske und dem ganzen Prozedere beim Film" kennen. "Das war schon interessant. Zwei Sätze durfte ich auch sagen." ⇥maha

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